Ein ehe­ma­li­ges Spie­ler­trio will den SCP ret­ten

Mar­ko Bar­le­caj, Mar­co Kon­rad und Ralf Her­ma­nutz en­ga­gie­ren sich für den Pful­len­dor­fer Sport­club

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - REGIONALSPORT - Von Marc Ditt­mann

PFULLENDORF - Mar­ko Bar­le­caj, Mar­co Kon­rad und Ralf Her­ma­nutz wol­len den Fuß­ball-Ober­li­gis­ten SC Pfullendorf ret­ten. Der­zeit sucht das Trio mög­li­che Kräf­te für ei­ne Ver­eins­füh­rung und Mit­tel, um den fi­nan­zi­ell klam­men Ver­ein aus der miss­li­chen La­ge zu be­frei­en. Am Mitt­woch, 13. Ja­nu­ar - für die­sen Zeit­punkt ist die au­ßer­or­dent­li­che Haupt­ver­samm­lung nach jet­zi­gem Stand an­ge­setzt - soll dann auch die Über­gangs­zeit des ge­schäfts­füh­ren­den Prä­si­den­ten Mar­tin Fritz en­den, der auf der Jah­res­haupt­ver­samm­lung am 28. No­vem­ber zwar sei­nen Rück­zug be­kannt ge­ge­ben hat­te, aber im Amt blieb, da sich zu­nächst kein Nach­fol­ger fand.

Mar­ko Bar­le­caj schläft der­zeit schlecht. Der ehe­ma­li­ge Re­gio­nal­li­ga­stür­mer (252 Ein­sät­ze in der Re­gio­nal­li­ga für den SC Pfullendorf, Wa­cker Burg­hau­sen, 1860 München II), der mit 103 To­re noch im­mer der er­folg­reichs­te Re­gio­nal­li­ga­stür­mer al­ler Zei­ten ist, will den SC Pfullendorf ret­ten. Ge­mein­sam mit sei­nen ehe­ma­li­gen Mann­schafts­kol­le­gen Mar­co Kon­rad und Ralf Her­ma­nutz. Das Trio such­te in den ver­gan­ge­nen Wo­chen nach ei­ner Lö­sung. „Heu­te Nacht bin ich um drei Uhr wach ge­wor­den und ha­be mir über­legt, zum ei­nen, was ich heu­te der Pres­se sa­ge, zum an­de­ren, mit wem ich was in den nächs­ten Ta­gen noch be­spre­chen muss und ha­be dann al­les auf­ge­schrie­ben“, sagt er und zeigt sei­nen Auf­schrieb. Der 45-Jäh­ri­ge ist so et­was wie das Sprach­rohr des Tri­os. Dem Per­so­nal­chef der Fir­ma Ge­be­rit ist an­zu­mer­ken, dass er seit sei­ner An­kunft in Deutsch­land An­fang der Neun­zi­ger­jah­re („Ich war ein Kriegs­flücht­ling aus Kroa­ti­en. Ich hat­te hier nichts, nur den Fuß­ball. Ich konn­te die Spra­che nicht“) um die meis­ten Din­ge im Le­ben kämp­fen muss­te. Und auch, dass er Wi­der­stän­de bre­chen muss­te, wie den sei­nes Ex-Trai­ners Frank Wor­muth, der bei Bar­le­ca­js zwei­tem En­ga­ge­ment in Pfullendorf, durch­aus Ver­wun­de­rung dar­über zeig­te, dass Bar­le­caj ei­ner Voll­zeit­ar­beit nach­ging. For­de­run­gen der Spie­ler er­fül­len Ähn­lich kämp­fe­risch gibt sich Bar­le­caj nun wie­der. Ge­mein­sam mit Mar­co Kon­rad und Ralf Her­ma­nutz. Aus- lö­ser war die Jah­res­haupt­ver­samm­lung En­de No­vem­ber, als die Spie­ler der bei­den Mann­schaf­ten den Auf­stand ge­gen die am­tie­ren­de Ver­eins­füh­rung um Prä­si­dent Mar­tin Fritz wag­ten, auch weil sich fi­nan­zi­el­le Lü­cken grö­ße­ren Aus­ma­ßes - rund 100 000 Eu­ro be­tra­gen die Au­ßen­stän­de, der größ­te Bat­zen sind die Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen für die Spie­ler - auf­ta­ten. Die Wahr­schein­lich­keit ei­nes In­sol­venz­an­trags be­stand. „Es war uns klar: Es muss was pas­sie­ren. Wir woll­ten nicht, dass der Ver­ein ein­fach so ver­schwin­det. Wir ha­ben uns ge­sagt, es wä­re nicht rich­tig, In­sol­venz zu be­an­tra­gen.“Schließ­lich sei der SC Pfullendorf auch das Le­bens­werk ei­nes Man­nes, von Hans-Herr­mann Kra­ne. Und dem hat ge­ra­de die Ge­ne­ra­ti­on Bar­le­caj ei­ne Men­ge zu ver­dan­ken.

So ent­warf das Trio ein Kon­zept, sprach mit Mann­schaft, Trai­nern und Spon­so­ren. Te­nor: „Wir wol­len zu­nächst ein­mal die wich­tigs­te Bau­stel­le schlie­ßen und die be­rech­tig­ten For­de­run­gen der Mann­schaft bis Mit­te, En­de Ja­nu­ar er­fül­len“, sagt Bar­le­caj. Denn ei­nes will der Ex­Stür­mer un­be­dingt: Die Sai­son mit bei­den Mann­schaf­ten zu En­de spie­len. Da­bei ist der Ab­stieg aus der Ober­li­ga be­sie­gelt. Dar­an füh­re kein Weg vor­bei. „Wir wol­len aber auf je- den Fall ver­su­chen, mit dem F-Team die Be­zirks­li­ga zu hal­ten. Auch wenn das Spie­l­er­duo Mar­ko und Mar­co auf dem Feld steht.“Will hei­ßen: Bar­le­caj (45) und Kon­rad (41) schnü­ren selbst wie­der die Stie­fel, soll­te dies die per­so­nel­le La­ge er­for­dern - wie schon in der Hin­run­de. Da­zu sol­len die A-Ju­nio­ren den Ka­der des Be­zirks­li­ga­teams „auf­fül­len“. „In der Ver­bands­li­ga wol­len wir im kom­men­den Jahr ein Team ins Ren­nen schi­cken, das viel­leicht oben mit­spie­len kann“, sagt Bar­le­caj. Auch in der Ju­gend hat das Trio kon­kre­te Plä­ne. „Wir wol­len die re­gio­na­le Lü­cke zwi­schen den bei­den Zen­tren Ra­dolf­zell und Ra­vens­burg schlie­ßen.“ Bar­le­caj räumt Ab­gän­ge ein Doch vor der Rück­run­de gilt es, die per­so­nel­len Wei­chen im Ver­ein zu stel­len, of­fi­zi­ell im Rah­men der au­ßer­or­dent­li­chen Haupt­ver­samm­lung am 13. Ja­nu­ar. „Es wird ei­nen drei­köp­fi­gen Vor­stand, ei­nen Ma­na­ger und sechs Bei­sit­zer ge­ben“, ver­rät Bar­le­caj. „Mar­co, Ralf und ich wer­den Bei­sit­zer“, sagt Bar­le­caj. Doch auch im Be­zug auf die zu be­set­zen­den Vor­stands­po­si­tio­nen sei man op­ti­mis­tisch, so der Ex-Go­al­get­ter. Na­men frei­lich will Bar­le­caj noch kei­ne nen­nen. „Das wer­den wir auf der au­ßer­or­dent­li­chen Jah­res­haupt- ver­samm­lung tun.“Doch aus dem Ver­eins­um­feld ist zu er­fah­ren, dass zu­min­dest auf ei­ner Po­si­ti­on ein Pful­len­dor­fer Ho­te­lier ei­ne we­sent­li­che Rol­le spie­len soll. Am 13. Ja­nu­ar sol­len auch Zah­len und Fak­ten ge­nannt wer­den. „Wir wol­len die fi­nan­zi­el­len Ver­hält­nis­se kom­plett of­fen­le­gen. Wir wer­den nichts ver­heim­li­chen“, ver­spricht Bar­le­caj.

Der­weil ist der 45-Jäh­ri­ge op­ti­mis­tisch, die meis­ten Spie­ler hal­ten zu kön­nen. „Uns wird kein Spie­ler ver­las­sen, den wir nicht zie­hen las­sen wol­len oder bei dem es be­ruf­lich nicht mög­lich ist, dass er bleibt“, sagt Bar­le­caj. Zu­letzt wur­den ein­zel­ne Spie­ler mit un­ter­klas­si­gen Ver­ei­nen in Ver­bin­dung ge­bracht. Bar­le­caj be­stä­tigt nur, dass Patrick Vog­ler den Ver­ein Rich­tung FC Krau­chen­wies ver­lässt, ei­nen Ab­gang von Tim­my Rau­ser zum sel­ben Klub, ver­neint Bar­le­caj. Ge­hen wer­den wohl nur zwei wei­te­re Spie­ler. Ei­ner wech­selt be­ruf­lich wohl nach En­g­land, ein an­de­rer kann ein En­ga­ge­ment beim SCP - ähn­lich wie Vog­ler - aus be­ruf­li­chen Grün­den nicht ver­ein­ba­ren. „Aber wir wol­len hier kei­nen Aus­ver­kauf“, stellt Bar­le­caj klar.

Er ist sich be­wusst: „Das ist so et­was wie die letz­te Chan­ce für den SCP. Wir wol­len al­les ver­su­chen, dass wir die­se nut­zen. Die Ge­gend, die Stadt und der Ver­ein ha­ben es nicht ver­dient, dass er ver­schwin­det. Am we­nigs­ten die 200 Kin­der, die hier Fuß­ball spie­len“, nennt Bar­le­caj ei­nen der Haupt­be­weg­grün­de für das En­ga­ge­ment des Tri­os. Ver­trau­en schaf­fen als Ziel Bar­le­caj und Co. ha­ben in den ver­gan­ge­nen Ta­gen vie­le Ge­sprä­che ge­führt. Vor al­lem mit po­ten­zi­el­len Geld­ge­bern und Spon­so­ren. Auch um ei­ne Lö­sung für die Ver­bind­lich­kei­ten zu schaf­fen, ge­ra­de was of­fe­ne Rech­nun­gen be­trifft. Viel­leicht kön­ne es ge­lin­gen, aus­ste­hen­de Be­trä­ge in Spon­so­ring um­zu­wan­deln, so der Ex-Stür­mer. Über­haupt will Bar­le­caj den Kon­takt mit (po­ten­zi­el­len) Geld­ge­bern ver­stär­ken. „Wir ha­ben von vie­len Sei­ten ei­nen Ver­trau­ens­vor­schuss ge­spürt, viel­leicht auch weil uns vie­le noch als Spie­ler ken­nen.“Den­noch be­tont Bar­le­caj: „Wir wol­len wie­der Ver­trau­en schaf­fen, bei den Mit­glie­dern, den Spie­lern, den Trai­nern, aber auch bei den Gön­nern und Spon­so­ren.“

Wie dem auch sei: Klappt das Vor­ha­ben Bar­le­ca­js, Kon­rads und Her­ma­nutz’ nicht, könn­te auch auf den schei­den­den Vor­stand noch ein­mal Un­ge­mach zu­rol­len. So­mit dürf­te al­len am Ge­lin­gen des Vor­ha­bens ge­le­gen sein.

FOTO: EIB­NER- PRESSEFOTO

Ralf Her­ma­nutz ( li.) mit Ex- Ma­na­ger Ma­na­ger Kra­ne.

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Mar­co Kon­rad.

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Mar­ko Bar­le­caj

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