„Frü­her war mehr La­met­ta“– aber war das auch gut so?

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WEIHNACHTEN - D. uh­len­bruch@ schwa­ebi­sche. de p. la­wrenz@ schwa­ebi­sche. de

So­so, Sie fin­den Män­ner mit spe­cki­ger Glat­ze weit­aus at­trak­ti­ver als be­haar­te Ty­pen wie, sa­gen wir mal, Richard Ge­re. Dann ge­hö­ren Sie ge­wiss auch zur bär­bei­ßi­gen Frak­ti­on der fun­da­men­ta­lis­ti­schen La­met­t­aVer­wei­ge­rer. Ich, ein be­dau­erns­wert frü­hes Op­fer des erb­lich be­ding­ten Haar­aus­falls, se­he das üb­ri­gens ka­te­go­risch an­ders. Das La­met­ta ge­hört zum Weih­nachts­baum wie das Haupt­haar zum Man­ne. Da wei­te Tei­le des Letz­te­ren mir seit vie­len, vie­len Jah­ren ver­wehrt blei­ben, ha­be ich be­schlos­sen, we­nigs­tens dem Christ­baum zu sei­nem na­tür­li­chen Recht zu ver­hel­fen – mit al­len Mit­teln, die die frei­heit­lich-de­mo­kra­ti­sche Grund­ord­nung her­gibt.

Al­so: Na­tür­lich sieht so ei­ne Nord­mann­tan­ne fest­li­cher aus, wenn die Ker­zen sich im La­met­ta spie­geln dür­fen. Da fun­keln nicht nur die Au­gen der Kin­der, ist doch kei­ne Fra­ge. Na­tür­lich – her­ge­hört, lie­be VW-Fah­rer! – sind wir kei­ne Um­welt­frev­ler. Schließ­lich hat Kunst­stoff längst das Stan­ni­olla­met­ta mit dem gif­ti­gen Blei ab­ge­löst. Na­tür­lich ist La­met­ta nicht ir­gend­wel­chen Mo­det­rends un­ter­wor­fen und darf mir nichts, dir nichts ab­ge­hängt wer­den. Das wuss­te schon mei­ne Mut­ter, die sich auch sonst nie ge­irrt hat. Und na­tür­lich wer­de ich auch in die­sem Jahr in stil­lem Pro­test am hei­mi­schen Baum ver­har­ren. Mei­ne Frau lehnt La­met­ta „aus äs­the­ti­schen Grün­den“ab. Aber da­für stört sie sich nicht an Glat­zen.

Von Dirk Uh­len­bruch

Klar hat­te Opa Hop­pen­stedt recht mit dem La­met­ta. Frü­her, ach ja, frü­her ... Gra­de flat­tert uns ei­ne Meldung auf den Tisch, dass kürz­lich die letz­te La­met­ta-Fa­b­rik Deutsch­lands dicht­ge­macht hat, die eh­ren­wer­te Fir­ma Rif­fel­ma­cher & Wein­ber­ger. Nicht zu ver­wech­seln mit der le­gen­dä­ren Wein­hand­lung Pahl­gru­ber & Söh­ne („Ab­ge­zapft und ori­gi­nal­ver­kork(s)t”). Tja, da­mit ist nun wohl end­gül­tig Schluss mit dem gu­ten al­ten, blei­hal­ti­gen Stan­ni­ol­schmuck. Hach. Weih­nachts­nost­al­gi­ker schau­en ei­ner düs­te­ren Zu­kunft ent­ge­gen.

Auch mir ist die kit­schig glit­zern­de Tra­di­ti­on wohl­ver­traut. Das fa­mi­li­en­ei­ge­ne La­met­ta stamm­te mut­maß­lich aus der Zeit nach dem Krieg. Nach dem Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg.

Es war stets gu­ter schwä­bi­scher Brauch, die ach so kost­ba­ren Sil­ber­fäd­chen vor der Ent­sor­gung des Bau­mes von den räu­di­gen Äst­chen zu klau­ben, zu ent­wir­ren und wie­der in die Kis­te zu pa­cken. So wä­re das wo­mög­lich noch Jahr­hun­der­te ge­gan­gen. Aber es stell­te sich her­aus, dass das na­tur­wis­sen­schaft­li­che Ge­setz von der Er­hal­tung der Mas­se zwar für stein­har­te Weih­nachts­plätz­chen gilt, nicht aber für zar­tes La­met­ta. Ein biss­chen Ver­lust war im­mer. Ir­gend­wann ist dann eben Schluss. So hat es die Na­tur ge­wollt, das muss man ein­fach ak­zep­tie­ren.

Dar­auf ein Gläs­chen „Klöbe­ner Krö­ten­pfuhl“aus dem Hau­se Pahl­gru­ber & Söh­ne. Prost!

Von Pe­tra La­wrenz

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