Griff nach den Ster­nen

Lauphei­mer Pla­ne­ta­ri­um ver­kauft Pa­ten­schaf­ten für Him­mels­ge­stir­ne

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WEIHNACHTEN -

Ster­ne ge­hö­ren zu Weih­nach­ten wie der Christ­baum und die Krip­pe. Sie schmü­cken Got­tes­häu­ser und Kon­sum­tem­pel, Wohn­zim­mer und Ein­kaufs­stra­ßen. Selbst bei den pro­fes­sio­nel­len Stern­gu­ckern hän­gen sie als fi­li­gra­ne Ba­s­te­lei­en aus Stroh im Foy­er von der De­cke – so ge­se­hen im Pla­ne­ta­ri­um von Laupheim. Ver­ant­wort­lich für die Hoch­kon­junk­tur der Him­mels­ge­stir­ne um die Ad­vents­und Weih­nachts­zeit ist nicht zu­letzt der Evan­ge­list Mat­thä­us, der das Ge­sche­hen rund um die Ge­burt Chris­ti durch die Ge­schich­te von den Wei­sen aus dem Mor­gen­land er­gänzt hat. „Wo ist der neu­ge­bo­re­ne Kö­nig der Ju­den? Wir ha­ben sei­nen Stern ge­se- hen im Mor­gen­land und sind ge­kom­men ihn an­zu­be­ten“, so er­klä­ren sie dem um sei­nen Thron fürch­ten­den Kö­nig He­ro­des, und da­mit ist der Weih­nachts­stern in der Welt.

Die Ma­gier sol­len ei­ner Him­mels­er­schei­nung ge­folgt sein und schließ­lich im Stall von Beth­le­hem Ma­ria, Jo­sef und das Je­sus­kind ge­fun­den ha­ben. Das Neue Tes­ta­ment lie­fer­te da­mit ei­ne wun­der­sa­me Heils­ge­schich­te, aber na­tür­lich auch ei­ne Kno­be­lauf­ga­be für al­le Wis­sen­schaft­ler, die das Ster­nen­rät­sel lö­sen woll­ten. Ob es nun ein Ko­met, ei­ne Su­per­no­va oder ei­ne be­son­de­re Pla­ne­ten­kon­stel­la­ti­on war, sei hier ein­mal da­hin­ge­stellt. Die Wir­kung auf die Mensch­heit hat der Stern von Beth­le­hem je­den­falls nicht ver­fehlt.

„O komm, o komm, du Mor­gens­tern“sin­gen Chris­ten in die­ser Zeit, und in den Pla­ne­ta­ri­en wer­fen Be­su­cher um Weih­nach­ten ei­nen noch in­ten­si­ve­ren Blick ins All. So auch in der Lauphei­mer Milch­stra­ße 1, wo sich Wis­sen­schaft und Fas­zi­na­ti­ons­kraft der Ster­ne mit mo­derns­ter Tech­nik ver­ei­nen. Wer jetzt das Pla­ne­ta­ri­um nach ei­ner Vor­stel­lung ver­lässt, rich­tet un­will­kür­lich sei­nen Blick nach oben, um das ei­ne oder an­de­re Ge­stirn zu iden­ti­fi­zie­ren. Erst recht, wenn er ei­ne drei­jäh­ri­ge Pa­ten­schaft für ei­nen fun­keln­den Him­mels­kör­per über­nom­men hat. Denn das geht in Laupheim.

So ist das Stern­bild Gro­ßer Bär ein Lieb­ling un­ter den Pa­ten, auch der Lö­we kann nicht kla­gen. Die Zwil­lin­ge nimmt man eben­falls ger­ne, ge­nau­so wie das Ein­horn, wäh­rend der Pa­ra­dies­vo­gel bis­lang noch kei­nen Un­ter­stüt­zer fand. Viel­leicht liegt es am Na­men, viel­leicht an sei­ner nicht ganz so bril­lan­ten Strahl­kraft. Doch Wer­ner Kies­le, Kon­takt­mann für die Me­di­en im Pla­ne­ta­ri­um, ver­si­chert, dass je­der der po­ten­zi­el­len Pa­ten­ster­ne mit blo­ßem Au­ge zu er­ken­nen ist. Und da­mit man ihn fin­det, be­kommt der Pa­te ein Zer­ti­fi­kat mit den ent­spre­chen­den Da­ten.

Dank In­ter­net ist die Be­stel­lung auch kein Pro­blem. Auf der Home­page kann man sei­nen Wunschs­tern ein­ge­ben, und prompt lässt sich se­hen, ob er noch zu ha­ben ist. Wie ge­sagt, beim Gro­ßen Bä­ren wird es schwie­rig, aber beim Gro­ßen Hund geht noch was. Es muss ja nicht Si­ri­us A sein, qua­si das Al­pha­tier in die­sem Stern­bild. Be­ta bis Ze­ta Ca­nis ma­jo- ris sind je­weils für 100 Eu­ro er­hält­lich. Und Al­pha Her­cu­lis war­tet auch noch auf ei­nen In­ter­es­sen­ten. 250 Eu­ro muss die­ser al­ler­dings schon be­rap­pen, denn Haupt­ster­ne ei­nes Stern­bil­des ha­ben ih­ren Preis.

Klingt gut, vor al­lem in der Kas­se. Die Pa­ten­schaf­ten ver­kau­fen sich nicht schlecht. Ob zum Ge­burts­tag oder zum Hoch­zeits­tag oder ein­fach als Gag. Es gibt vie­le Grün­de für ei­nen Griff nach den Ster­nen. Sinn und Zweck die­ser Pa­ten­schaf­ten ist nicht al­lein der Spaß am Über­ir­di­schen, son­dern das ganz ir­di­sche Be­mü­hen um fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung für die seit 40 Jah­ren be­ste­hen­de Volks­stern­war­te Laupheim e.V. Auf die Hel­lig­keit kommt es an Aus der Be­stell­lis­te geht auch her­vor, wie hell ein sol­cher Stern leuch­tet. Bei der Zahl 7 wird es zap­pen­dus­ter, da ist mit blo­ßem Au­ge nichts mehr zu er­ken­nen. Doch so ein Stern wird in Laupheim gar nicht an­ge­bo­ten. Si­ri­us A aber strahlt im­mens. Tech­nisch kor­rekt aus­ge­drückt: Sei­ne schein­ba­re Hel­lig­keit liegt bei -1,46 mag (Ma­gni­tu­de). Da­mit ist er der hells­te Stern am Nacht­him­mel.

Gut da­bei sind auch die Ori­on­ster­ne mit Wer­ten ab 0,12. Da häu­fen sich die Pa­ten­schaf­ten, und man braucht nicht ein­mal die Da­ten auf dem Do­ku­ment, um die Po­si­ti­on der Pa­ten­ster­ne zu fin­den: „Wenn Sie nach der Christ­met­te den süd­li­chen Nacht­him­mel an­schau­en, dann ent­de­cken Sie das Stern­bild Ori­on, gut zu er­ken­nen an den drei Gür­telster­nen“, ver­spricht Kies­le. Bei kla­rem Wetter kön­ne man mit blo­ßem Au­ge auch den Ori­on­ne­bel se­hen, je­ne gi­gan­ti­sche Brut­stät­te neu­er Ster­ne di­rekt da­ne­ben.

Wer nun an Weih­nach­ten noch auf ei­nen Ko­me­ten hofft, wird nicht ent­täuscht. Im Mo­ment steigt Ca­ta­li­na auf, und viel­leicht ist die­ser Schweif­stern schon an Hei­lig­abend zu se­hen. Kies­le gibt sich op­ti­mis­tisch. Al­ler­dings wird Ca­ta­li­nas Hel­lig­keit nur mit rund 5,5 an­ge­ge­ben, was nun nicht ge­ra­de be­rau­schend ist. Aber bei ei­ner ster­nen­kla­ren Nacht müss­te Ca­ta­li­na um den Jah­res­wech­sel auf der nörd­li­chen Halb­ku­gel sicht­bar sein. Stern­deu­ter aus dem Ori­ent dürf­ten sich des­we­gen si­cher nicht mehr auf­ma­chen. Für Astro­lo­gen und ih­re An­hän­ger da­ge­gen bricht zum Jah­res­wech­sel die ho­he Zeit an. Im­mer­hin glaubt ein Drit­tel der Frau­en im auf­ge­klär­ten Deutsch­land an Ho­ro­sko­pe. Bei Män­nern setzt ein Sechs­tel auf die Ster­ne. Die Macht des Weih­nachts­sterns je­doch ist un­ge­bro­chen. Ei­ne Neu­be­ar­bei­tung des Pro­gramms „ Stern von Beth­le­hem“ist noch bis zum 17. Ja­nu­ar im Lauphei­mer Pla­ne­ta­ri­um zu se­hen im­mer mitt­wochs und frei­tags um 19.30 Uhr, sams­tags um 19 und 20.15 Uhr, sonn- und fei­er­tags um 14.30 und 16 Uhr. Zu­sätz­li­che Vor­füh­run­gen gibt es an Hei­lig­abend um 23 Uhr und wäh­rend der Weih­nachts­fei­er­ta­ge. Wei­te­re In­for­ma­tio­nen un­ter www. pla­ne­ta­ri­um- laupheim. de oder Tel.: 07392/ 91059, dort kön­nen Kar­ten vor­be­stellt wer­den.

FOTO: PLA­NE­TA­RI­UM

Sehr be­liebt sind die Ster­ne im Gro­ßen Bär und Lö­we.

FOTO: STEH­LE

So sieht das Stern­pa­ten­schafts­zer­ti­fi­kat aus.

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