Oh je, du fröh­li­che – die Weih­nachts­zeit will erst­mal ver­daut sein

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WEIHNACHTEN -

u Weih­nach­ten wird vor­wie­gend ans Es­sen ge­dacht. Da­bei sind doch das Ein­kau­fen der Zu­ta­ten, die Zu­be­rei­tung und zu­letzt der Ver­zehr eher die leich­te­re Übung. Der Ver­dau­ung wid­men wir zu­nächst kaum Auf­merk­sam­keit. Dass die­ser Vor­gang al­ler­dings im­men­se An­stren­gung von un­se­ren Lei­bern for­dert, spü­ren wir spä­tes­tens am Zwei­ten Weih­nachts­fei­er­tag, wenn sämt­li­che Zel­len un­se­res Kör­pers mit den Ab­bau­pro­duk­ten von Gän­sen, Plätz­chen und Bow­le be­schäf­tigt sind. Oft ist es so­gar so, dass wir uns durch zwei Fest­es­sen am sel­ben Tag mit­un­ter in der Schnitt­men­ge sich über­la­gern­der Ver­dau­ungs­Ex­zes­se be­fin­den: Die En­te von Oma am Mit­tag steckt uns noch im Dünn­darm, da bahnt sich am Abend schon die Gans bei der Schwie­ger­mut­ter an, de­ren Ver­wei­ge­rung ein erns­ter Af­front wä­re.

Er­leich­te­rung bei die­sen gas­tro­in­tes­ti­na­len und zwi­schen­mensch­li­chen Pro­zes­sen ver­spricht der so­ge­nann­te Di­ge­s­tif, ger­ne auch Ver­dau­ungs­schnaps ge­nannt. Er soll den Ma­gen er­qui­cken, auf dass die Ver­dau­ungs­säf­te bes­ser flie­ßen. Ger­ne wer­den Co­gnac, Obst­brän­de, Ma­gen­bit­ter oder Li­kö­re zum Ab­schluss von Ka­lo­ri­en­or­gi­en an­ge­bo­ten. Aber oh­ne Ih­nen jetzt die Lust auf ei­nen ge­schmack­vol­len Ab­schluss des Weih­nachts­me­nüs ver­der­ben zu wol­len: Der Ver­dau­ung dient der Ver­dau­ungs­schnaps nicht im Ge­rings­ten. Im Ge­gen­teil. Wis­sen­schaft­lich

be­legt ha­ben das die ver­trau­ens­wür­di­gen For­scher vom Uni­ver­si­täts­spi­tal Zü­rich. Sie ha­ben 20 Pro­ban­den zu­nächst mit fet­ti­gem Kä­se­fon­due ge­füt­tert. Ei­ne Grup­pe hat wäh­rend­des­sen Weiß­wein und im An­schluss zu Kirsch­was­ser ge­grif­fen, die an­de­re trank zum Fon­due Was­ser und als Di­ge­s­tif Schwarz­tee. Mit ei­nem bio­che­mi­schen Atem­test ha­ben die For­scher an­schlie­ßend ge­mes­sen, wie schnell sich der Ma­gen der Pro­ban­den leer­te. Ein­deu­ti­ges Er­geb­nis: Die Grup­pe der Al­ko­hol-Trin­ker war bis zur Ent­lee­rung des Ma­gens sechs St­un­den mit Ver­dau­en be­schäf­tigt. Die Nüch­ter­nen muss­ten le­dig­lich vier St­un­den an vol­lem Ran­zen lei­den.

Al­ler­dings ha­ben die Wis­sen­schaft­ler bei ih­rer Stu­die über­haupt nicht be­rück­sich­tigt, wie es um Ge­nuss und Wohl­be­fin­den bei den Pro­ban­den be­stellt war. Un­be­stä­tig­ten Ge­rüch­ten zu­fol­ge, soll es bei der Al­ko­hol­grup­pe lus­ti­ger zu­ge­gan­gen sein, wäh­rend die Mi­ne­ral­was­ser­frak­ti­on trau­rig ih­re Fä­den aus dem Kä­se ge­zo­gen ha­ben soll. Die Wis­sen­schaft­ler ma­chen sich auch da­durch höchst an­greif­bar, weil die Stu­die nur auf Ba­sis ei­nes Kä­se­fon­du­es Aus­sa­ge­kraft be­sitzt. Wie sie mit Omas En­te oder Schwie­ger­mut­ters Gans aus­ge­fal­len wä­re? Vie­le Schwie­ger­söh­ne kön­nen sich je­den­falls trotz des Stu­di­en­er­geb­nis­ses auch wei­ter­hin nicht vor­stel­len, ein Es­sen bei der Schwie­ger­ma­ma ganz oh­ne Al­ko­hol­be­glei­tung zu ab­sol­vie­ren.

Dass der Ver­dau­ungs­schnaps die Ver­dau­ung al­so bremst und nicht för­dert, ist aber vor al­lem für die Ge­trän­ke­her­stel­ler ein Schock. Be­stimmt ha­ben die­se schon ei­ne Stu­die in Auf­trag ge­ge­ben, die das Ge­gen­teil be­legt, be­zie­hungs­wei­se nach­weist, dass die Ent­lee­rung des Ma­gens dann am schnells­ten ge­lingt, wenn man ein­fach das Kä­se­fon­due ganz weg­lässt und vom Ape­ri­tif di­rekt oh­ne Um­schwei­fe zum Di­ge­s­tif über­geht. Das Er­geb­nis der Stu­die steht noch aus.

FOTO: DPA

Ein Gläs­chen Schnaps zum gu­ten Schluss?

Von Erich Nyffe­negger

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