Rund­her­um warm

Flä­chen­hei­zun­gen sind vor al­lem in gut ge­dämm­ten Neu­bau­ten ide­al, kön­nen aber auch nach­ge­rüs­tet wer­den

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - IMMOBILIEN - Von Katja Fi­scher, dpa

ast je­der zwei­te Bau­herr ent­schei­det sich heu­te für ei­ne Flä­chen­hei­zung. Meist ist es ei­ne Fuß­bo­den­hei­zung, aber auch Wand- und De­cken­hei­zun­gen sind stark im Kom­men. Ih­re Vor­tei­le über­zeu­gen: Sie sind un­sicht­bar, ver­brei­ten ei­ne be­hag­li­che Wär­me im Raum und sind spar­sam im Ener­gie­ver­brauch. Heiz­kör­per wer­den da­mit un­nö­tig.

„Flä­chen­hei­zung ist in gut ge­dämm­ten Häu­sern ide­al“, meint Birgit Hol­fert, Ener­gie­be­ra­te­rin vom Ver­brau­cher­zen­tra­le Bun­des­ver­band. Denn dort gibt es auch bei nied­ri­gen Au­ßen­tem­pe­ra­tu­ren we­nig Wär­me­ver­lus­te. Die Hei­zung kann al­so kon­ti­nu­ier­lich lau­fen, und das bei re­la­tiv nied­ri­gen Tem­pe­ra­tu­ren. Das kommt dem Wir­kungs­prin­zip die­ser Hei­zun­gen ent­ge­gen.

„Die un­ter der Ober­flä­che ver­leg­ten Heiz­roh­re er­wär­men gro­ße Flä­chen“, er­klärt Joa­chim Pla­te, Ge­schäfts­füh­rer des Bun­des­ver­ban­des Flä­chen­hei­zun­gen und Flä­chen­küh­lun­gen (BVF) in Ha­gen. Das ist ef­fek­ti­ver als bei Ra­dia­tor­hei­zun­gen, die ei­ne we­sent­lich klei­ne­re Heiz­flä­che ha­ben. Die Be­triebs­tem­pe­ra­tu­ren sind ge­rin­ger, weil der ge­sam­te Bo­den als Heiz­flä­che ge­nutzt wird. Da­durch kom­men Flä­chen­hei­zun­gen mit Vor­lauf­tem­pe­ra­tu­ren von 35 Grad aus, wäh­rend kon­ven­tio­nel­le Sys­te­me mit Heiz­kör­pern 55 bis 70 Grad be­nö­ti­gen. Sinn­vol­le Kom­bi­na­ti­on mit Wär­me­pum­pen „Die Fuß­bo­den­tem­pe­ra­tur liegt im Jah­res­mit­tel bei 22 bis 23 Grad Cel­si­us“, sagt Pla­te. Selbst bei Au­ßen­tem­pe­ra­tu­ren von mi­nus 15 Grad Cel­si­us reicht die 24-Grad-Ober­flä­chen­tem­pe­ra­tur aus, um für be­hag­li­che Wär­me zu sor­gen. „Flä­chen­hei­zun­gen müs­sen nicht so warm wer­den wie Heiz­kör­per, die an der Wand ste­hen“, be­kräf­tigt Hol­fert. Sie ver­mit­teln auch schon bei ge­rin­ge­ren Tem­pe­ra- tu­ren Behaglichkeit, weil die Wär­me nach oben steigt und sich im gan­zen Raum ver­teilt. „Des­halb sind sie ei­ne gu­te Kom­bi­na­ti­on zu mo­der­nen Hei­zun­gen mit Brenn­wert­tech­nik oder Wär­me­pum­pen, die mit nied­ri­gen Vor­lauf­tem­pe­ra­tu­ren am ef­fek­tivs­ten ar­bei­ten.“

Ein Nach­teil, der Flä­chen­hei­zun­gen gern nach­ge­sagt wird, ist ih­re ge­wis­se Träg­heit. „Man kann sie nicht eben mal hö­her oder tie­fer ein­stel­len, wenn sich das Wetter oder die Be­find­lich­keit der Be­woh­ner än­dert“, sagt Hol­fert. Sie brau­chen ih­rer Er­fah­rung nach et­wa drei- bis vier­mal so lan­ge wie Heiz­kör­per, um hoch- oder run­ter­zu­fah­ren. „Ei­ne Flä­chen­hei­zung soll­te man des­halb am bes­ten im Herbst an­schal­ten und dann bis zum Früh­jahr durch­lau­fen las­sen. Dann ist sie am spar­sams­ten.“ Flä­chen­hei­zun­gen brau­chen ei­ne Wei­le, um in Schwung zu kom­men Die Bran­che ar­bei­tet dar­an. „Zwar dau­ert es ei­ne Wei­le, bis die Flä­chen­hei­zun­gen nach dem ers­ten Hoch­fah­ren ein­ge­schwun­gen sind“, be­stä­tigt Pla­te. „Doch im lau­fen­den Be­trieb gibt es dann ge­gen­über den Ra­dia­to­ren kei­nen gro­ßen Un­ter­schied mehr.“Zu­mal die mo­der­nen Hei­zun­gen über ei­nen Selbst­re­gu­lie­rungs­ef­fekt ver­fü­gen. Steigt die Tem­pe­ra­tur im Raum, zum Bei­spiel durch ei­ne in­ten­si­ve Son­nen­ein­strah­lung, dann wird die Wär­me­ab­ga­be au­to­ma­tisch re­du­ziert. Um­ge­kehrt hat die Ab­sen­kung der Raum­tem­pe­ra­tur dann ei­nen An­stieg der Leis­tungs­ab­ga­be zur Fol­ge.

Da Flä­chen­hei­zun­gen Nied­rig­tem­pe­ra­tur­hei­zun­gen sind, brau­chen sie ei­ne mög­lichst gut ge­dämm­te Um­ge­bung, da­mit die Wär­me im Haus bleibt. In Häu­sern, die nicht den Vor­ga­ben der Ener­gie­ein­spar­ver­ord­nung (EnEV) ent­spre­chen, kön­nen sie ih­re Qua­li­tä­ten nicht voll ent­fal­ten. „Weil dort in den meis­ten Fäl­len hö­he­re Vor­lauf­tem­pe­ra­tu­ren be­nö­tigt wer­den, braucht die Hei­zung mehr Brenn­stoff und kann nicht so en­er­gie­ef­fi­zi­ent ar­bei­ten wie in ge­dämm­ten Ge­bäu­den“, sagt Hol­fert.

„Es gibt aber für je­den Ein­zel­fall Lö­sun­gen“, be­tont Bran­chen­ex­per­te Pla­te. Ei­ne Fuß­bo­den- oder Wand­hei­zung sei da­her auch für sa­nier­te und mo­der­ni­sier­te Ge­bäu­de ei­ne zu­kunfts­ori­en­tier­te Lö­sung, denn sie bie­tet Mög­lich­kei­ten, Öko-Ener­gie aus Son­ne, Luft oder Bo­den und die Brenn­wert­tech­nik zu nut­zen. „Wich­tig ist, bei der Pla­nung der Flä­chen­hei­zung den en­er­ge­ti­schen Zu­stand des Ge­bäu­des ein­zu­be­zie­hen und ge­ge­be­nen­falls zu ver­bes­sern.“ Im Alt­bau soll­te der Auf­bau nicht zu hoch sein Wenn Flä­chen­hei­zun­gen in Alt­bau­ten ver­legt wer­den sol­len, müs­sen Bau­her­ren auch dar­auf ach­ten, dass der Auf­bau nicht zu hoch wird. „Auf den Roh­be­ton wird zu­nächst ei­ne Däm­mung auf­ge­bracht, dann die Heiz­roh­re und schließ­lich noch ei­ne Über­de­ckung“, er­läu­tert Mat­thi­as Wa­gnitz von Zen­tral­ver­band Sa­ni­tär Hei­zung Kli­ma (ZVSHK). „Das kann schon ein­mal drei bis vier Zen­ti­me­ter Raum­hö­he kos­ten im Ver­gleich zum al­ten Estri­ch­auf­bau.“Au­ßer­dem soll­te ein­ge­plant wer­den, dass mög­li­cher­wei­se Tür­stür­ze hö­her an­ge­bracht wer­den müs­sen.

Die re­la­tiv di­cke Schicht um die Heiz­roh­re hat aber auch Vor­tei­le. Denn sie un­ter­stützt durch ih­re ho­he Spei­cher­mas­se ei­ne an­de­re Ei­gen­schaft der Flä­chen­hei­zung: die Küh­lung. Fuß­bo­den­hei­zun­gen sor­gen näm­lich nicht nur für Wär­me. Sie kön­nen im Som­mer die Räu­me auch um ei­ni­ge Grad her­un­ter­küh­len, wenn man ei­ne ent­spre­chen­de Wär­me­pum­pe ein­setzt. „Man er­reicht da­mit zwar kei­ne Kli­ma­käl­te, aber ei­ne deut­li­che Ab­sen­kung der Tem­pe­ra­tu­ren in ei­nem an­ge­neh­men Be­reich“, sagt Wa­gnitz. Und das sehr um­welt­freund­lich und preis­wert.

Wer kei­ne Küh­lung braucht und sich an den ho­hen Auf­bau­ten bei ei­ner Fuß­bo­den­hei­zung stört, kann auf dünn­schich­ti­ge Lö­sun­gen zu­rück­grei­fen. De­ren Hö­he fällt kaum ins Ge­wicht.

FOTO: NES­TOR BACH­MANN/ DPA

Bei ei­ner Flä­chen­hei­zung wer­den dün­ne Roh­re im Fuß­bo­den ver­legt. Durch sie fließt spä­ter Was­ser, das sei­ne Wär­me an die Raum­luft ab­gibt.

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