Die Blü­ten kos­ten ech­tes Geld

Sig­ma­rin­ger Blü­ten­zau­ber bleibt weit un­ter den Er­war­tun­gen

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - IMMOBILIEN -

SIG­MA­RIN­GEN (chw) - Der wohl ein­drück­lichs­te Miss­er­folg war der Sig­ma­rin­ger Blü­ten­zau­ber, an den die Or­ga­ni­sa­to­ren so gro­ße Hoff­nun­gen ge­knüpft hat­ten. Den tol­len Schwung von der Gar­ten­schau woll­te man auf­grei­fen und mit ei­nem klei­ne­ren, aber far­ben­fro­hen Ak­zent auf dem Fest­platz den Ruf als Blu­men­stadt eta­blie­ren. Der Blü­ten­zau­ber war schnell ent­zau­bert, am En­de stand die Stadt vor ei­nem Scher­ben­hau­fen.

Ei­gent­lich lief es von An­fang an schief. Zwar war sich der Ge­mein­de­rat ei­nig, dass bun­te Som­mer­wo­chen in der Stadt statt­fin­den soll­ten, aber über den Un­ter­schied ei­ner größ­ten­teils vom Land und Spon­so­ren fi­nan­zier­ten Groß­ver­an­stal­tung und ei­nem ei­gen­fi­nan­zier­ten Kle­in­stadtevent hat­ten sich die Ver­ant­wort­li­chen kei­ne Ge­dan­ken ge­macht. Das fing schon da­mit an, dass sie ei­nen sehr am­bi­tio­nier­ten Land­schafts­ar­chi­tek­ten aus Stuttgart en­ga­gier­ten, der den Blü­ten­zau­ber mit ei­ner Chel­sea-Flo­wer­show im Klei­nen ver­glich und dem­ent­spre­chen­de An­sprü­che weck­te.

Nach­dem sich in et­wa ab­zeich­ne­te, in wel­che Rich­tung die Kos­ten lie­fen, be­schloss der Ge­mein­de­rat ei­nen viel zu ho­hen Ein­tritts­preis von 15 Eu­ro für die ein­zel­ne Ta­ges­kar­te, ein Preis, der noch über dem der Gar­ten­schau lag. Die­se Preis­ge­stal­tung wur­de schon früh­zei­tig zum Ge­gen­stand der Kri­tik, zu­mal die Stadt ja auf zahl­rei­che Be­su­cher von aus­wärts hoff­te. Ein­hei­mi­sche konn­ten mit ei­ner Dau­er­kar­te für 52 Eu­ro bei häu­fi­ge­rem Be­such viel­leicht noch zu­frie­den sein, aber Gäs­te aus dem Bus­tou­ris­mus wa­ren nicht be­reit, we­ni­ger für mehr zu hal­ten und da­mit den ho­hen Ein­tritts­preis zu ak­zep­tie­ren.

Not­ge­drun­gen muss­te auch das Ver­an­stal­tungs­pro­gramm schma­ler als bei der Gar­ten­schau aus­fal­len. So wa­ren le­dig­lich an den Wo­che­n­en­den grö­ße­re Pro­gramm­punk­te vor­ge­se­hen, von Mon­tag bis Don­ners­tag pas­sier­te nichts. Be­su­cher konn­ten hin­ge­hen, sich die schö­nen Blu­men an­se­hen und ein we­nig Ru­he su­chen, das was je­der bes­se­re Stadt­park auch bie­tet. Das an­ge­kün­dig­te künst­le­ri­sche Blu­men­bild war nicht zu er­ken­nen und ein Rund­gang in ma­xi­mal 15 Mi­nu­ten er­le­digt.

Die Ein­kaufs­stän­de auf dem kost­spie­li­gen über­dach­ten Um­gang wa­ren kaum be­setzt und von ei­nem gas­tro­no­mi­schen Er­leb­nis konn­te nicht die Re­de sein, zu­mal der al­lein­ver- ant­wort­li­che Ca­te­rer schon am Er­öff­nungs­abend mit dem Ver­kauf von ei­ni­gen Fla­schen Bier über­for­dert war und aus­ge­tauscht wer­den muss­te. Am En­de konn­te ei­ne Mi­ni­mal­be­wir­tung nur durch ein­sprin­gen­de Un­ter­neh­men oder Grup­pen ge­währ­leis­tet wer­den. Be­su­cher­zah­len und gas­tro­no­mi­scher Ein­satz be­din­gen sich ge­gen­sei­tig und so war als Wirt kaum Geld zu ver­die­nen.

Zu al­lem Über­fluss kam noch das Pech hin­zu: Nach ei­nem bei Wetter und Pro­gramm durch­wach­se­nen Er­öff­nungs­abend be­gann ei­ne küh­le reg­ne­ri­sche Pe­ri­ode, die auch das Wachs­tum der Pflan­zen be­ein­träch­tig­te. Schnel­le Kor­rek­tu­ren bei den Ein­tritts­prei­sen und ei­ne klei­ne Er­wei­te­rung des Pro­gramm­an­ge­bots ver­moch­ten den Blü­ten­zau­ber nicht mehr zu ret­ten. Am En­de wur­den die er­war­te­ten Be­su­cher­zah­len bei Wei­tem nicht er­reicht.

„Das Kon­zept Blü­ten­zau­ber ist nicht zu­kunfts­fä­hig“, sag­te Bür­ger­meis­ter Tho­mas Schä­rer beim Ab­schluss. Vie­le Be­su­cher hät­ten den Ver­gleich mit der Gar­ten­schau ge­zo­gen und da­mit Er­war­tun­gen ge­habt, die nicht er­füllt wer­den konn­ten. Am En­de blieb ein De­fi­zit von rund ei­ner Mil­li­on Eu­ro.

FOTO: ARCHIV

Schön an­zu­se­hen, aber schlecht be­sucht: Der Sig­ma­rin­ger Blü­ten­zau­ber wur­de zum Flop.

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