Den Bun­des­tag ein­bin­den

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von Andre­as Her­holz po­li­tik@schwa­ebi­sche.de

Die Kri­ti­ker füh­len sich be­stä­tigt. Noch sind die Tor­na­do­Jets am Bo­den, hat die Mis­si­on der Bun­des­wehr in der An­ti-Ter­ror-Al­li­anz im Kampf ge­gen die mör­de­ri­sche Miliz des „Is­la­mi­schen Staa­tes“gar nicht rich­tig be­gon­nen. Da folgt auch schon der nächs­te Ein­satz. Die Be­tei­li­gung deut­scher Sol­da­ten an den ge­plan­ten Na­to-Auf­klä­rungs­flü­gen über der Tür­kei ist ein Bei­trag für die Si­cher­heit des Bünd­nis­part­ners. Wür­de Deutsch­land sei­ne Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten aus den Awacs-Ma­schi­nen ab­zie­hen, wä­re dies ei­ne Ver­let­zung der Ver­pflich­tun­gen in­ner­halb der Al­li­anz, man wür­de sich als Part­ner dis­qua­li­fi­zie­ren und als un­zu­ver­läs­sig er­wei­sen.

Doch bei al­ler Sinn­haf­tig­keit die­ses Ein­sat­zes, und auch wenn im tür­ki­schen Luf­t­raum kei­ne Kampf­hand­lun­gen zu er­war­ten sein dürf­ten, wä­re doch ei­ne en­ge Ein­bin­dung und zu­min­dest ei­ne um­fas­sen­de In­for­ma­ti­on des Bun­des­ta­ges ge­bo­ten. Schließ­lich ha­ben nicht zu­letzt der Ab­schuss ei­nes rus­si­schen Kampf­jets durch tür­ki­sche Streit­kräf­te und die dar­aus re­sul­tie­ren­den Span­nun­gen zwi­schen Mos­kau und An­ka­ra ge­zeigt, wie bri­sant und hoch­ge­fähr­lich die La­ge in der Kri­sen­re­gi­on auch jen­seits des sy­ri­schen Kriegs­ge­bie­tes ist. Mö­gen die Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten auch nicht ak­tiv kämp­fen, son­dern auf­klä­ren, blei­ben doch Ri­si­ken und Ge­fah­ren. Die Bun­des­wehr ist ei­ne Par­la­ments­ar­mee, und ent­spre­chend soll­te das Par­la­ment an Ent­schei­dun­gen über Aus­lands­ein­sät­ze ge­ne­rell be­tei­ligt wer­den.

Wer al­ler­dings, wie die Bun­des­re­gie­rung, mehr au­ßen- und si­cher­heits­po­li­ti­sche Ver­ant­wor­tung über­neh­men will und die Trup­pe in im­mer mehr und auch ge­fähr­li­che­re Aus­lands­ein­sät­ze schickt, muss auch da­für sor­gen, dass sie die not­wen­di­gen fi­nan­zi­el­len und per­so­nel­len Vor­aus­set­zun­gen da­für er­hält. Die Pro­ble­me beim Ma­te­ri­al und der man­geln­den Ein­satz­fä­hig­keit sind lan­ge be­kannt. Mit der Bun­des­wehr­re­form, der Ab­schaf­fung der Wehr­pflicht und im­mer neu­en Auf­ga­ben wird es jetzt auch beim Per­so­nal eng. Die War­nun­gen müs­sen end­lich ernst ge­nom­men und die De­fi­zi­te be­sei­tigt wer­den.

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