Bahn­hofs­mis­si­on voll be­schäf­tigt

Flücht­lin­ge, Ob­dach­lo­se, psy­chisch Kran­ke su­chen Hil­fe – We­ni­ger Rei­se­be­glei­tung

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIR IM SÜDEN -

STUTTGART (lsw) - Ein war­mer Tee, je­mand der zu­hört und hilft: Die Mit­ar­bei­ter der Bahn­hofs­mis­sio­nen wer­den im­mer öf­ter ge­braucht. In gro­ßen ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Städ­ten ist die Zahl der Kon­tak­te zu Hil­fe­su­chen­den stark ge­stie­gen.

„Das war ein sehr tur­bu­len­tes Jahr, vor al­lem we­gen der Flücht­lin­ge“, sag­te die Lei­te­rin der Bahn­hofs­mis­si­on Karls­ru­he, Su­san­ne Da­fer­ner. Ih­re Di­enst­stel­le ha­be 2015 bis­lang 32 530 Kon­tak­te zu Hil­fe­su­chen­den ge­zählt. Das ist mehr als ein­ein­halb Mal so viel wie im Vor­jahr (2014: rund 20 000 Kon­tak­te). Der An­stieg ist auf die gro­ße Zahl der Flücht­lin­ge zu­rück­zu­füh­ren, die we­gen der Lan­des­erst­auf­nah­me­stel­le nach Karls­ru­he rei­sen. Al­lein auf sie ent­fie­len 9038 Kon­tak­te. Auch in Stuttgart steigt die Zahl. Im Au­gust hat­ten schon gut 30 000 Men­schen bei der dor­ti­gen Bahn­hofs­mis­si­on Hil­fe ge­sucht, wo­bei es im gan­zen Vor­jahr nur 40 000 wa­ren. We­ni­ger los in Ober­schwa­ben Die Bahn­hofs­mis­sio­nen im Land wer­den von ka­tho­li­scher und evan­ge­li­scher Kir­che be­trie­ben. Die Vor­sit­zen­de des ka­tho­li­schen Trä­ger­ver­eins In Via, Ilo­na Rauschopf, be­stä­tigt, dass der Kon­takt zu Flücht­lin­gen an den Ver­kehrs­kno­ten­punk­ten Stuttgart und Karls­ru­he ei­ne be­son­de­re Be­las­tung für die Bahn­hofs­mis­sio­nen dar­stellt. Auch in Ulm und Aa­len – na­he der Erst­auf­nah­me­stel­le in Ellwangen – stei­ge die Zahl der Kon­tak­te. „Im Ober­schwä­bi­schen merkt man hin­ge­gen we­nig da­von“, sag­te Rauschopf.

Die Bahn­hofs­mis­si­on Karls­ru­he hat auf die vie­len Flücht­lin­ge re­agiert und ab No­vem­ber die Ar­beits­zeit nach ei­ge­nen An­ga­ben um drei St­un­den ver­län­gert. Die Bahn­hofs­mis­si­on in Karls­ru­he ist dünn be­setzt – mit nur 2 Haupt- und 28 Eh­ren­amt­li­chen. Frei­wil­li­ge von der Flücht­lings­hil­fe Karls­ru­he be­tei­li­gen sich an den län­ge­ren Schich­ten.

Karls­ru­he ist auch we­gen der Bun­des­ge­rich­te – Bun­des­ver­fas- sungs­ge­richt und Bun­des­ge­richts­hof – ei­ne be­son­de­re An­lauf­stel­le für Men­schen aus ganz Deutsch­land. „Es kom­men ver­stärkt psy­chisch kran­ke Men­schen zu uns, so et­wa ei­ner täg­lich“, sag­te Da­fer­ner. Sie hät­ten meist vor, in Karls­ru­he zu kla­gen, weil sie sich zum Bei­spiel ver­folgt fühl­ten. Die Bahn­hofs­mis­si­on schi­cke die Per­so­nen wei­ter zu psy­chi­schen Be­ra­tungs­stel­len oder Ta­ges­ein­rich­tun­gen. Es kä­men auch im­mer mehr Ob­dach­lo­se, sag­te De­fer­ner. „Sie wol­len es­sen, trin­ken, sich auf­hal­ten.“Die Bahn­stei­gar­beit – et­wa Be­glei­tung rei­sen­der Kin­der oder Um­stei­ge­hil­fe von Men­schen mit Be­hin­de­rung – rü­cke in den Hin­ter­grund. Die Bahn­hofs­mis­si­on sei im­mer mehr zur so­zia­len An­lauf­stel­le ge­wor­den. Seis­mo­graf der Ge­sell­schaft Die Lei­te­rin der Stutt­gar­ter Di­enst­stel­le, Re­na­te Bei­gert, be­zeich­net die Bahn­hofs­mis­si­on als Seis­mo­graf der Ge­sell­schaft. Auch in der Lan­des­haupt­stadt wa­ren Flücht­lin­ge das be­stim­men­de The­ma. Ei­ne be­son­de­re Grup­pe, die im­mer wie­der in Kon­takt mit Bei­gert und ih­ren Mit­ar­bei­tern kommt, sei­en Süd­ost­eu­ro­pä­er, die im be­nach­bar­ten Park näch­ti­gen. „Wenn die­se Leu­te zu uns kom­men, sind sie ja im Bahn­hof“, sag­te Bei­gert. Sie ver­su­che, auch sie mit Es­sen und Klei­dung zu ver­sor­gen und sie an pas­sen­de Be­ra­tungs­stel­len zu ver­wei­sen.

FOTO: DPA

Ein hei­ßer Tee zur Be­grü­ßung: Die Bahn­hofs­mis­sio­nen sind ver­mehrt für so­zia­le Rand­grup­pen da.

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