Schwä­bisch Gmünd will Zei­chen ge­gen Hass set­zen

Ein Brand­an­schlag auf ei­ne noch nicht fer­ti­ge Flücht­lings­un­ter­kunft be­un­ru­higt Po­li­ti­ker und Be­völ­ke­rung

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIR IM SÜDEN -

SCHWÄ­BISCH GMÜND (lsw) - Brand­stif­ter ha­ben an Weih­nach­ten in ei­ner ge­plan­ten Flücht­lings­un­ter­kunft in Schwä­bisch Gmünd (Ost­alb­kreis) Feu­er ge­legt. Die Po­li­tik re­agier­te ent­setzt, For­de­run­gen nach ver­stärk­ten Si­cher­heits­maß­nah­men wur­den laut.

Die Stadt will über Par­tei­gren­zen hin­weg vor al­lem ein Si­gnal ge­gen Frem­den­feind­lich­keit set­zen, Bür­ger de­mons­trier­ten vor dem be­schä­dig­ten Ge­bäu­de. Die Po­li­zei such­te nach Spu­ren von Brand­be­schleu­ni­gern, Hin­wei­se auf die Tä­ter gab es bis­lang nicht.

Bei dem Brand am frü­hen Mor­gen des ers­ten Weih­nachts­fei­er­tags wur­de nie­mand ver­letzt. Die Schä­den an dem noch nicht fer­ti­gen Ge­bäu­de hiel­ten sich in Gren­zen, weil die Flam­men schnell ent­deckt wur­den. „Wir kön­nen da re­la­tiv flott wei­ter­bau­en“, sag­te ein Spre­cher der Stadt Schwä­bisch Gmünd. Die Un­ter­kunft soll vom Früh­jahr an bis zu 120 Flücht­lin­gen ei­ne Blei­be bie­ten. Im Som­mer hat­te es ver­mehrt in Un­ter­künf­ten für Asyl­be­wer­ber im Süd­wes­ten ge­brannt, meist be­vor die­se be­zo­gen wur­den. In ei­ni­gen Fäl­len han­del­te es sich um ge­ziel­te An­schlä­ge.

Die Er­mitt­ler sind na­he­zu si­cher, dass sich auch der Brand in Schwä­bisch Gmünd nicht selbst ent­zün­det hat. „Es gibt ent­spre­chen­de Spu­ren, die im Mo­ment den Schluss zu­las­sen, dass wir von Brand­stif­tung aus­ge­hen müs­sen“, sag­te der Lei­ter der Kri­mi­nal­po­li­zei Aa­len, Rei­ner Möl­ler, am Frei­tag. De­tails nann­te er nicht.

Ei­ne zu­fäl­lig vor­bei­kom­men­de Strei­fe der Bosch-Werks­feu­er­wehr hat­te das Feu­er am Frei­tag ge­gen 3.30 Uhr ge­se­hen und so­fort mit dem Lö­schen be­gon­nen, wie Möl­ler wei­ter sag­te. Den Scha­den schätzt die Po­li­zei auf et­wa 20 000 Eu­ro. Wä­re der Brand nur 15 bis 30 Mi­nu­ten spä­ter ent­deckt wor­den, wä­re von dem aus Holz er­rich­te­ten Ge­bäu­de ver­mut­lich nicht mehr viel üb­rig gewe- sen, sag­te Möl­ler. Der Ober­bür­ger­meis­ter von Schwä­bisch Gmünd, Richard Ar­nold (CDU), sprach von ei­ner „ganz fei­gen Tat“. Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann (Grüne) sag­te: „Ein Brand­an­schlag auf ein Flücht­lings­heim ist im­mer auch ein An­griff auf un­se­re Ge­sell­schaft.“Er ver­ur­tei­le die „wi­der­wär­ti­ge Tat“auf das Schärfs­te.

Si­cher­heits­maß­nah­men rund um Asyl­be­wer­ber­un­ter­künf­te und Ge­bäu­de, die als sol­che ge­plant sei­en, müss­ten wei­ter er­höht wer­den, for­der­te der CDU-Spit­zen­kan­di­dat Gui­do Wolf. In dem Ort ka­men am Frei­tag­abend Bür­ger zu ei­ner Mahn­wa­che zu­sam­men. Die Stadt teil­te mit, mehr als 300 Men­schen hät­ten sich vor dem Roh­bau des Ge­bäu­des ver­sam­melt, um ein Zei­chen für Men­sch­lich­keit zu set­zen.

Ei­nem Spre­cher der Stadt zu­fol­ge kom­men Flücht­lin­ge in ers­ter Li­nie von der Erst­auf­nah­me in Ellwangen nach Schwä­bisch Gmünd. In der Stadt wird die Un­ter­brin­gung be­vor- zugt de­zen­tral or­ga­ni­siert: Es ge­be zwei Sam­mel­un­ter­künf­te für et­wa 200 Asyl­be­wer­ber, et­wa die­sel­be Zahl le­be in pri­va­ten Wohn­ge­mein­schaf­ten – das sei der „Gmün­der Weg“.

FOTO: DPA

Ein Po­li­zei­au­to steht vor dem Bau der Flücht­lings­un­ter­kunft, die Ziel ei­nes An­schlags war.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.