Bay­ern will Gren­zen selbst kon­trol­lie­ren

CSU-In­nen­mi­nis­ter Joa­chim Herr­mann ver­steht Ab­sa­ge aus Ber­lin nicht – Po­li­zei­ge­werk­schaft for­dert Ent­las­tung

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Andre­as Her­holz

BER­LIN - Bay­ern for­dert in der Flücht­lings­kri­se ei­ne ver­bes­ser­te Kon­trol­le der Gren­ze zum Nach­bar­land Ös­ter­reich – und wür­de die­se am liebs­ten selbst in die Hand neh­men. Der Bund will die­ses An­ge­bot al­ler­dings nicht an­neh­men.

„Kein Ver­ständ­nis“ha­be er für das Nein aus Ber­lin, klagt Bay­erns In­nen­mi­nis­ter Joa­chim Herr­mann (CSU). Schließ­lich sei das Si­cher­heits­ri­si­ko hoch, da es seit Wo­chen „kei­ne ver­läss­li­chen Kon­trol­len“an der deutsch-ös­ter­rei­chi­schen Gren­ze mehr ge­be, kri­ti­siert der Po­li­ti­ker und spricht von „ei­nem Ar­muts­zeug­nis“des Bun­des. Der Frei­staat will die Gren­zen zur Al­pen­re­pu­blik am liebs­ten selbst kon­trol­lie­ren, die zu­stän­di­ge Bun­des­po­li­zei ent­las­ten. Doch die Bun­des­re­gie­rung winkt ab und ver­weist auf ih­re Zu­stän­dig­keit.

Ist das Kom­pe­tenz­ge­ran­gel auf Kos­ten der Si­cher­heit und der Kon­trol­le? Oder die not­wen­di­ge Tren­nung der ho­heit­li­chen Auf­ga­ben und Zu­stän­dig­kei­ten? Bis zu 4000 Flücht­lin­ge täg­lich Bay­erns In­nen­mi­nis­ter Herr­mann je­den­falls zeigt sich em­pört dar­über, dass sein Ber­li­ner Kol­le­ge, Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re nicht auf sein An­ge­bot ein­ge­hen will, baye­ri­sche Po­li­zei für den Grenz­schutz ein­zu­set­zen. Noch im­mer kä­men täg­lich bis zu 4000 Flücht­lin­ge über die Gren­ze nach Deutsch­land. Die Kon­trol­len der Bun­des­po­li­zei sei­en nicht lü­cken­los – für Herr­mann fünf Wo­chen nach den Ter­ror­an­schlä­gen von Pa­ris ein un­halt­ba­rer Zu­stand. Des­halb will er sich mit der Ab­sa­ge aus Ber­lin nicht ab­fin­den. Er be­klagt ei­ne „rein po­li­tisch ge­trof­fe­ne Ent­schei­dung“, sei­nes Amts­kol­le­gen im Bund und ver­weist dar­auf, dass es nur der ein­fa­chen Zu­stim­mung des Bun­des­in­nen­mi­nis­ters für den Ein­satz der Lan­des­po­li­zei an der Gren­ze be­dür­fe.

Stän­di­ge Über­las­tung, Zig­tau­sen­de von Über­stun­den vor al­lem in der Flücht­lings­kri­se, zu we­nig Per­so­nal – auch die Po­li­zei­ge­werk­schaf­ten be­kla­gen seit Lan­gem die schwie­ri­ge La­ge bei der Bun­des­po­li­zei. Zu­letzt war be­kannt ge­wor­den, dass ein gro­ßer Teil von Flücht­lin­gen nicht re­gis­triert wor­den war, weil die Bun­des­po­li­zei vor al­lem in Bay­ern dem An- Der Grenz­schutz in Deutsch­land ist Sa­che des Bun­des und zählt zu den Kern­auf­ga­ben der Bun­des­po­li­zei. Sie ist für den Schutz von 3700 Ki­lo­me­tern Land- und 700 Ki­lo­me­tern See­gren­ze zu­stän­dig. Will ein Bun­des­land grenz­po­li­zei­li­che Auf­ga­ben sel­ber wahr­neh­men, ist die Zu­stim­mung des Bun­des er­for­der­lich. Im Bun­des­po­li­zei­ge­setz heißt es da­zu: sturm nicht ge­wach­sen ge­we­sen sei.

Rai­ner Wendt, Chef der Deut­schen Po­li­zei­ge­werk­schaft, stellt sich hin­ter die Ab­sa­ge des Bun­des­in­nen­mi­nis­ters: Der Bund ver­wei­se hier zu­recht auf sei­ne Zu­stän­dig­keit. „Für die Grenz­si­che­rung ist die Bun- „ Der Bun­des­po­li­zei ob­liegt der grenz­po­li­zei­li­che Schutz des Bun­des­ge­bie­tes ( Grenz­schutz), so­weit nicht ein Land im Ein­ver­neh­men mit dem Bund Auf­ga­ben des grenz­po­li­zei­li­chen Ein­zel­diens­tes mit ei­ge­nen Kräf­ten wahr­nimmt.“Die 2005 aus dem frü­he­ren Bun­des­grenz­schutz her­vor­ge­gan­ge­ne Be­hör­de hat mehr als 40 300 Mit­ar­bei­ter und un­ter­steht dem Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um. ( dpa) des­po­li­zei zu­stän­dig“, sagt er am Sonn­tag im Ge­spräch mit der „Schwä­bi­schen Zei­tung“. Doch er zeigt auch Ver­ständ­nis für die baye­ri­sche Po­si­ti­on: „Ich kann den baye­ri­schen In­nen­mi­nis­ter ver­ste­hen, wenn er hier kri­ti­siert, dass der Bund sei­nen Auf­ga­ben nicht nach­kommt“, sag­te Wendt. Der Bund ver­pflich­te die Bun­des­po­li­zei seit Mo­na­ten da­zu, mit Tau­sen­den von Be­am­ten po­li­z­ei­f­rem­de Auf­ga­ben wahr­zu­neh­men und ih­re ei­gent­li­che Ar­beit zu ver­nach­läs­si­gen. „Die Bun­des­po­li­zis­ten, die in der Flücht­lings­hil­fe ein­ge­setzt wer­den, müss­ten end­lich ent­las­tet und durch an­de­res Per­so­nal er­setzt wer­den. Dann könn­te die Bun­des­po­li­zei die Gren­zen wie­der viel bes­ser kon­trol­lie­ren“, for­dert der Chef der Po­li­zei­ge­werk­schaft.

Rü­cken­de­ckung er­hält Bay­erns In­nen­mi­nis­ter Herr­mann vom in­nen­po­li­ti­schen Spre­cher der Uni­ons­frak­ti­on im Bun­des­tag, Ste­phan Mayer: „Die For­de­run­gen Bay­erns nach in­ten­si­ve­ren Kon­trol­len an der deutsch-ös­ter­rei­chi­schen Gren­ze sind völ­lig ver­ständ­lich“, sag­te der CSU-Po­li­ti­ker. Vie­le der an­kom­men­den Flücht­lin­ge wür­den nicht kon­trol­liert und auch nicht zeit­nah re­gis­triert. Bes­se­re Ab­stim­mung ge­for­dert Den­noch müs­se es ei­ne prag­ma­ti­sche Lö­sung ge­ben, for­dert Mayer. „Wir brau­chen hier ei­nen Kon­sens“, sag­te er. So ha­be Bay­ern be­son­de­re Fä­hig­kei­ten bei der Schlei­er­fahn­dung. Der Frei­staat und der Bund soll­ten sich bes­ser ab­stim­men, Bun­des- und Lan­des­po­li­zei en­ger zu­sam­men­ar­bei­ten. „Der Bund muss sei­ner Ver­ant­wor­tung bes­ser nach­kom­men und mehr Per­so­nal für die Grenz­kon­trol­len be­reit­stel­len. Die Bun­des­po­li­zei muss per­so­nell auf­ge­stockt wer­den“, er­klär­te der CSU-In­nen­ex­per­te.

FOTO: DPA

Bay­ern strei­tet mit dem Bund über den Grenz­schutz: CSU- In­nen­mi­nis­ter Joa­chim Herr­mann hält die Kon­trol­len an der deutsch- ös­ter­rei­chi­schen Gren­ze für un­zu­rei­chend und wür­de des­halb „ gern selbst ak­tiv wer­den“.

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