Zu­kunfts­for­scher ist sich si­cher: Ter­ror­angst bremst deut­sche Rei­se­lust nicht

An­schlä­ge än­dern nichts am Le­bens­stil, so Horst Opa­schow­ski

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - JOURNAL - Von Bern­hard Spren­gel

HAM­BURG (dpa) - Ter­ror­angst, Flücht­lings­zu­strom und Fi­nanz­kri­sen ha­ben die Deut­schen ver­un­si­chert, sagt Zu­kunfts­for­scher Horst Opa­schow­ski un­ter Be­ru­fung auf ei­ne re­prä­sen­ta­ti­ve Stu­die. „Die ‚Ger­man Angst‘ kommt wie­der“, lau­te­te erst kürz­lich sein Fa­zit. Aber schon im Früh­jahr – so sei­ne Pro­gno­se – wür­den die Deut­schen wie­der so vie­le Rei­sen wie je­des Jahr bu­chen.

Statt Frei­heit such­ten die Men­schen Si­cher­heit, vor al­lem in der Fa­mi­lie, kon­sta­tiert Opa­schow­ski. Zah­len des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes zeig­ten, dass die Ehen sta­bi­ler wer­den und die Schei­dungs­ra­te sinkt. Singles setz­ten auf den Freun­des­kreis und bil­de­ten „Wahl­ver­wandt­schaf­ten“. „Wenn sich Angst aus­brei­tet, rü­cken die Men­schen zu­sam­men“, so Opa­schow­ski. In Not­zei­ten sei das im­mer so.

Die Ham­bur­ger BAT-Stif­tung für Zu­kunfts­fra­gen kommt zu ei­nem ähn­li­chen Er­geb­nis. Es ge­be ei­ne „Re­nais­sance der mensch­li­chen Nä- he“, er­klärt der Wis­sen­schaft­li­che Lei­ter der Stif­tung, Prof. Ulrich Rein­hardt. Fast neun von zehn Bun­des­bür­gern sei­en der An­sicht: „Für Ego­is­mus ist in un­se­rer Ge­sell­schaft im­mer we­ni­ger Platz, wir müs­sen nä­her zu­sam­men­rü­cken.“

Wenn sich ein­schnei­den­de Din­ge wie die Ter­ror­an­schlä­ge in Pa­ris er­eig­ne­ten, ge­be es ei­ne Schock­star­re, sagt Opa­schow­ski. Man zie­he sich in die ei­ge­nen vier Wän­de zu­rück. Doch dann kehrt der All­tag zu­rück. „Die Mehr­heit ist prag­ma­tisch. Das Le­ben geht wei­ter, muss wei­ter­ge­hen“, sagt der Zu­kunfts­for­scher.

Ei­ne ak­tu­el­le Um­fra­ge des Ip­sosIn­sti­tuts ma­che zwar deut­lich, dass sich die Stim­mung ge­dreht hat. Erst­mals seit Jah­ren sind dem­nach die Pes­si­mis­ten mit 50 Pro­zent deut­lich stär­ker als die Op­ti­mis­ten mit 18 Pro- zent. Aber 73 Pro­zent sa­gen auch, dass die Ter­ror­dro­hun­gen ih­re Art zu le­ben nicht nen­nens­wert ein­schrän­ken wer­den.

Nach ei­ner re­prä­sen­ta­ti­ven Um­fra­ge des Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tuts You­Gov im Auf­trag der Deut­schen Pres­se-Agen­tur ha­ben die meis­ten Men­schen in Deutsch­land Angst vor Ter­ro­ris­mus (27 Pro­zent) und Ein­brü­chen (26 Pro­zent). Wäh­rend die Furcht vor Ter­ror über die Al­ters­grup­pen hin­weg we­nig schwankt, ist die Angst vor Ein­bre­chern bei Se­nio­ren aus­ge­präg­ter als bei Jün­ge­ren. Boom für In­lands­tou­ris­mus Opa­schow­ski geht da­von aus, dass sich das Rei­se­ver­hal­ten der Deut­schen nicht grund­sätz­lich än­dern wird. Der In­lands­tou­ris­mus wer­de ei­nen Boom er­le­ben. Aber im Früh­jahr wer­de die Schlag­zei­le von der In­ter­na­tio­na­len Tou­ris­mus-Bör­se in Ber­lin lau­ten: „Trotz Ter­ror­angst und Flücht­lings­kri­se ist die Rei­se­lust der Deut­schen un­ge­bro­chen.“

Blei­ben die Deut­schen 2016 in ih­rem fa­mi­liä­ren „Ko­kon“? Ei­ne eh­ren­amt­li­che Tä­tig­keit zu über­neh­men, ha­ben sich laut BAT-Stif­tung 13 Pro­zent vor­ge­nom­men. Opa­schow­ski be­merkt: „So­zia­le Ge­bor­gen­heit ist Vor­aus­set­zung für Bür­ger­sinn.“Die kon­ser­va­ti­ven Wer­te Ehr­lich­keit, An­stand und gu­tes Be­neh­men stün­den in­zwi­schen ganz oben. Das Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tut Ip­sos be­frag­te zwi­schen 1. und 3. De­zem­ber 1000 Per­so­nen ab 14 Jah­ren. Das Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tut GfK be­frag­te nach An­ga­ben der BAT- Stif­tung vom 6. bis 20. No­vem­ber 2000 Deut­sche ab 14 Jah­ren in di­rek­ten Ge­sprä­chen. You­Gov hat vom 11. bis 14. De­zem­ber ins­ge­samt 2009 Per­so­nen online be­fragt.

FOTO: DPA

Das Län­der­spiel Deutsch­land ge­gen die Nie­der­lan­de wur­de im No­vem­ber we­gen ei­nes dro­hen­den An­schlags ab­ge­sagt. Doch auch wenn sol­che Er­eig­nis­se den Men­schen Angst ma­chen: Ih­ren grund­sätz­li­chen Le­bens­stil än­dern sie nicht.

DPA

Horst Opa­schow­ski

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