Furcht vor Al­ters­ar­mut

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von Wolf­gang Mul­ke po­li­tik@ schwa­ebi­sche. de

Ar­mut ist ein re­la­ti­ver Be­griff. In Stuttgart oder Ham­burg ist man mit 900 Eu­ro ein ar­mer Mensch, so­fern man zur Mie­te wohnt. Im ei­ge­nen Häu­schen in Sach­sen-An­halt kommt man mit die­sem Be­trag hin­ge­gen ganz gut über die Run­den. Des­halb ist die ak­tu­el­le De­bat­te über Ren­ten und Al­ters­ar­mut auch so schwie­rig. Die ge­setz­li­che Ren­te wird aber in den kom­men­den Jahr­zehn­ten für im­mer mehr Neu­rent­ner nur knapp über der Grund­si­che­rung lie­gen. Vie­le von ih­nen wer­den kei­ne nen­nens­wer­ten Zu­satz­ein­künf­te wie Be­triebs­ren­ten oder Pri­vat­ren­ten be­zie­hen. Ih­nen bleibt trotz ei­nes lan­gen Ar­beits­le­bens im Al­ter nur das Nö­tigs­te.

Es han­delt sich zwar um ei­ne Min­der­heit. Die gro­ße Mehr­heit kann aus heu­ti­ger Sicht ei­nen durch­aus an­ge­mes­se­nen Le­bens­abend ver­brin­gen. Aber ein paar Mil­lio­nen künf­ti­ge Rent­ner blei­ben auf der Stre­cke. Ge­rin­ge Ver­diens­te, lan­ge Zei­ten von Ar­beits­lo­sig­keit und das im­mer wei­ter sin­ken­de Ren­ten­ni­veau sind die Ur­sa­chen da­für. Es ist höchs­te Zeit, da­ge­gen et­was zu tun. Nur was?

Die Ge­werk­schaf­ten for­dern ein wie­der hö­he­res Ren­ten­ni­veau. Das wür­de ge­gen Al­ters­ar­mut si­cher hel­fen, hät­te aber den Nach­teil, dass die ar­bei­ten­de Ge­ne­ra­ti­on dies mit hö­he­ren Bei­trä­gen be­zah­len müss­te. Die­ses Mo­dell funk­tio­niert nur gut, wenn vie­le gut qua­li­fi­zier­te Zu­wan­de­rer als Bei­trags­zah­ler da­zu­kä­men. Ei­ne zwei­te Mög­lich­keit ist der ver­stärk­te Aus­bau der zu­sätz­li­chen Vor­sor­ge über ei­nen Staats­fonds, wie es CDU und Grüne in Hes­sen vor­schla­gen. Da­mit lie­ße sich das Sys­tem der be­trieb­li­chen und pri­va­ten Vor­sor­ge ver­ein­fa­chen und at­trak­ti­ver ma­chen. Es er­reicht al­ler­dings auch nur je­ne, die sich zu­sätz­li­ches Spa­ren leis­ten kön­nen. Den von Al­ters­ar­mut be­son­ders be­droh­ten Ar­beit­neh­mern wer­den nur zwei In­stru­men­te wirk­lich hel­fen. Sie müs­sen län­ger ar­bei­ten kön­nen und auf die­se Wei­se hö­he­re An­sprü­che er­wer­ben. Da­für braucht es ent­spre­chen­de Tä­tig­kei­ten. Und not­falls muss mit Steu­er­gel­dern si­cher­ge­stellt wer­den, dass je­mand, der sein Leb­tag ge­ar­bei­tet hat, am En­de nicht ver­armt.

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