Hoch­schu­le fällt bei Prü­fern durch

Na­tur­wis­sen­schaft­lich-Tech­ni­sche Aka­de­mie Is­ny kämpft um ih­re Zu­kunft

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIR IM SÜDEN - Von Micha­el Panz­ram

IS­NY - Die Na­tur­wis­sen­schaft­li­chTech­ni­sche Aka­de­mie (NTA) in Is­ny (Land­kreis Ra­vens­burg) hat das wohl schwie­rigs­te Jahr ih­rer Ge­schich­te hin­ter sich. Seit der Emp­feh­lung des so­ge­nann­ten Wis­sen­schafts­rats Mit­te Ok­to­ber, der NTA Hoch­schu­le die staat­li­che An­er­ken­nung zu ent­zie­hen, kämpft die Ein­rich­tung um ih­re Zu­kunft.

Die Zu­kunft der Is­ny­er Hoch­schu­le ent­schei­det sich in Stuttgart. Das von The­re­sia Bauer (Grüne) ge­führ­te Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­um näm­lich ent­schei­det, ob es die Emp­feh­lung des Wis­sen­schafts­rats an­nimmt. Zu­sam­men­ge­fasst kam das Ex­per­ten­gre­mi­um zu dem Schluss, dass die Hoch­schu­le nicht mehr den wis­sen­schaft­li­chen Maß­stä­ben ent­spre­che, et­wa de­nen im For­schungs­be­reich. Von acht be­wer­te­ten Ein­rich­tun­gen die­ser Art war die NTA – ei­ne der kleins­ten Hoch­schu­len in Ba­den-Würt­tem­berg – die ein­zi­ge, die durch­fiel. Der Wis­sen­schafts­rat be­rät Bund und Län­der bei der Wei­ter­ent­wick­lung des Hoch­schul­sys­tems. Er ist auch für die Ak­kre­di­tie­rung pri­va­ter und kirch­li­cher Hoch­schu­len zu­stän­dig. In ihm sind vom Bun­des­prä­si­den­ten be­ru­fe­ne Wis­sen­schaft­ler so­wie Ent­sand­te von Bund und Län­dern ver­tre­ten. Vor­sit­zen­der ist der­zeit der Er­zie­hungs­wis­sen­schaft­ler Man­fred Pren­zel von der TU München. (ume)

An den Stu­den­ten­zah­len ge­mes­sen, be­fin­det sich die Ein­rich­tung seit ge­rau­mer Zeit auf dem ab­stei­gen­den Ast. Mehr als 1000 jun­ge Men­schen lock­te die NTA einst zeit­gleich nach Is­ny ins All­gäu. Von die­ser Zahl ist die Aka­de­mie heu­te weit ent­fernt. Die Kon­kur­renz – et­wa in Kempten und Wein­gar­ten – ist über die Jahr­zehn­te grö­ßer ge­wor­den. Nur noch knapp 500 Stu­den­ten sind es in Is­ny der­zeit, wo­bei nur ein Drit­tel an der Hoch­schu­le ist. Zwei Drit­tel ge­hen auf das NTA Berufskolleg, das von ei­ner ne­ga­ti­ven Ent­schei­dung des Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­ums nicht be­trof­fen wä­re. Kein Kom­men­tar aus Stuttgart Nach dem Ur­teil des Wis­sen­schafts­rats wol­len Haupt­ge­schäfts­füh­rer Nor­bert Del­le­kö­nig und Rek­tor Kurt Gril­len­ber­ger nun per­sön­lich im Mi­nis­te­ri­um für den Fort­be­stand der Hoch­schu­le wer­ben. Auf ei­ne ent­spre­chen­de Ter­mi­n­an­fra­ge hat das Mi­nis­te­ri­um aber noch nicht re­agiert. Über­haupt hält sich das Mi­nis- te­ri­um mit Äu­ße­run­gen zur NTA sehr zu­rück.

„Ich bin zu­ver­sicht­lich, das Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­um über­zeu­gen zu kön­nen“, sagt Del­le­kö­nig. Er will dem Mi­nis­te­ri­um vor al­lem ver­deut­li­chen, dass die NTA un­ter ihm schon seit Mo­na­ten er­folg­reich ge­gen den Ab­wärts­trend an­kämpft. Der Ge­schäfts­füh­rer hofft, mit ei­nem „blau­en Au­ge“da­von­zu­kom­men – das heißt mit ei­ner wie­der für fünf Jah­re be­wil­lig­ten „Re­ak­kre­di­tie­rung“un­ter Auf­la­gen. Per­so­nal­wech­sel an der Spit­ze Del­le­kö­nig, der sich in Is­ny als Ge­schäfts­füh­rer des Rei­se­mo­bil- und Ca­ra­van­her­stel­lers Deth­leffs ei­nen Na­men ge­macht hat, am­tiert erst seit Fe­bru­ar die­sen Jah­res als Haupt­ge­schäfts­füh­rer der NTA. Zu­vor war der zwölf Jah­re am­tie­ren­de Ge­schäfts­füh­rer Ge­rald Gr­üb­ler teil­wei­se ent­mach­tet wor­den, ihm blieb nur die Zu­stän­dig­keit für den For­schungs­be­reich. Vor Kur­zem wur­de Gr­üb­ler, des­sen Va­ter Ha­rald die NTA vor 70 Jah­ren ge­grün­det hat­te, dann auch noch aus dem NTA-Stif­tungs­rat ab­be­ru­fen. Seit­dem ist Del­le­kö­nig al­lein ver­ant­wort­lich.

Für die Stadt Is­ny ist die Schief­la­ge der NTA die zwei­te Hi­obs­bot­schaft des Jah­res. Al­len vor­an Bür­ger­meis­ter Rai­ner Ma­gen­reu­ter (par­tei­los), der im NTA-Stif­tungs­rat sitzt, hat­te An­fang Fe­bru­ar be­reits das end­gül­ti­ge Aus für das zu den Ober­schwa­ben­kli­ni­ken (OSK) ge­hö­ren­de Kran­ken­haus hin­neh­men müs­sen. Ver­geb­lich hat­te Ma­gen­reu­ter im Na­men der Stadt durch meh­re­re In­stan­zen vor Ge­richt um des­sen Er­halt mit dem Land­kreis Ra­vens­burg ge­strit­ten. Um die NTA Hoch­schu­le will der im No­vem­ber wie­der­ge­wähl­te Bür­ger­meis­ter nun ge­mein­sam mit den Aka­de­mie­ver­ant­wort­li­chen um Del­le­kö­nig kämp­fen. Im Raum ste­hen auch mög­li­che Ko­ope­ra­tio­nen mit an­de­ren pri­va­ten Hoch­schu­len – oder auch mit staat­li­chen. Da­für wä­re al­ler­dings das Ein­ver­ständ­nis des Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­ums in Stuttgart nö­tig. Die Na­tur­wis­sen­schaft­li­chTech­ni­sche Aka­de­mie ( NTA) be­steht seit dem Jahr 1945, die ers­ten fünf Jah­re da­von in Ra­vens­burg, da­nach in Is­ny. Sie um­fasst fünf ver­schie­de­ne Be­rufs­kol­legs und vier Fach­hoch­schul­stu­di­en­gän­ge. Mög­lich ist das Stu­di­um zum Ba­che­lor of Sci­ence in den Fach­rich­tun­gen Che­mie, Phar­ma­zeu­ti­sche Che­mie, In­for­ma­tik und Phy­si­kIn­ge­nieur­we­sen. ( mp)

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