Den Hö­rer ernst neh­men

Am 1. Ja­nu­ar star­tet in Reut­lin­gen der re­gio­na­le Ra­dio­sen­der Neck­ar­alb Li­ve – Lo­kal­ra­dio will mit gu­tem Jour­na­lis­mus punk­ten

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SEITE DREI - Von Chris­toph Pla­te

REUT­LIN­GEN - Bo­ris Pal­mer war schon da und hat Sel­fies ge­macht. Im Stu­dio von Neck­ar­alb Li­ve, dem neu­en Lo­kal­sen­der in Reut­lin­gen, hat er sich selbst ge­knipst. Der grüne Ober­bür­ger­meis­ter aus Tü­bin­gen fin­det es „sehr ge­lun­gen, wenn man mit dem Lo­kal­ra­dio hin­ein in ei­ne Stadt geht“. Dar­um hät­te er den neu­en Sen­der mit sei­nem glä­ser­nen Stu­dio am liebs­ten in Tü­bin­gen ge­habt, „aber nun ist es Reut­lin­gen ge­wor­den“, sagt der Po­li­ti­ker. Dass Lo­kal­ra­dio et­was aus­löst beim Hö­rer, hat Pal­mer ge­merkt, „denn ich bin ja Ge­sprächs­part­ner sol­cher Sen­der“.

Ab dem 1. Ja­nu­ar kurz nach Mit­ter­nacht geht Neck­ar­alb Li­ve auf Sen­dung, mit Mu­sik für Hö­rer über 30, da­von 60 Pro­zent Rock, der Rest ist Pop. Das Ra­dio ist ei­ne Toch­ter von Schwä­bisch Me­dia, zu der auch die „Schwä­bi­sche Zei­tung“ge­hört.

Chris­ti­an Fi­lip ist Pro­gramm­chef, an­ge­fan­gen hat er bei Ra­dio See­funk in Konstanz, „da muss­te ich zu An­fang Kaf­fee ko­chen, durf­te dann aber bald auch Nach­rich­ten spre­chen“. Seit Mo­na­ten plant der 41-Jäh­ri­ge mit sei­nem Team aus zehn Re­dak­teu­ren und Mo­de­ra­to­ren den neu­en Re­gio­nal­sen­der für die Land­krei­se Reut­lin­gen, Tü­bin­gen und den Zol­ler­nalb­kreis. In ei­nem glä­ser­nen Stu­dio am Ran­de der Reut­lin­ger Alt­stadt, auf ei­nem Ge­län­de, in dem frü­her Tex­til­fär­ber ar­bei­te­ten und die durch­flie­ßen­de Echaz mal tief­rot, mal dun­kel­blau färb­ten. Ge­gen­über dem Stu­dio liegt die Markt­hal­le und dort soll am 31. De­zem­ber mit Par­ty der neue Sen­der ge­fei­ert wer­den. In­ter­es­sant für Wer­be­kun­den Wer Ra­dio macht, braucht gu­te Mo­de­ra­to­ren. Er braucht Re­dak­teu­re und Re­por­ter, die aus den Ge­mein­den be­rich­ten, was wich­tig ist. Er braucht aber auch ein Kon­zept, wie die Hö­rer ge­bun­den wer­den kön­nen. Treue Hö­rer sind in­ter­es­sant für die Wer­be­kun­den aus der Re­gi­on.

Man woll­te frech sein, sagt Pro­gramm­chef Fi­lip, den Hö­rer ernst neh­men. „Die Mit­ar­bei­ter sol­len sich im­mer fra­gen: Für wen ma­che ich Ra­dio?“In der Re­dak­ti­on hängt der eng­li­sche Satz „Keep it short and sim­ple“, der für das Ra­dio so wich­tig ist wie für das Fern­se­hen. Er wün- sche sich ei­nen Sen­der, in den der in­ter­es­sier­te Hö­rer auch nur ein­mal her­ein­ge­lau­fen kom­me, um ei­nen Mo­de­ra­tor bei der Ar­beit zu be­ob­ach­ten, sagt Fi­lip. Er will ei­nen Sen- der, auf dem vie­le Li­ve-Ti­tel ge­spielt wer­den, mit der Prä­sen­ta­ti­on lo­ka­ler Bands und der Ko­ope­ra­ti­on mit vie­len Basketball-, Hand­ball- und Vol­ley­ball­klubs in der Re­gi­on die Hö­rer ge­bun­den wer­den.

Das Be­dürf­nis nach ei­nem re­gio­na­len Sen­der scheint groß, wie Chris­toph Hei­se von der Reut­lin­ger In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer er­klärt. Man brau­che lokale In­for­ma­ti­on, auch über die Ta­ges­zei­tung hin­aus, „denn vie­le von uns hö­ren im Au­to Ra­dio und wol­len wis­sen, was ge­ra­de ge­schieht“, sagt Hei­se. Re­gio­na­le Schwer­punk­te NAL, wie Neck­ar­alb Li­ve sich nennt, will hei­mat­ver­bun­den sein, dar­um legt die Re­dak­ti­on un­ter Dagmar Hem­pel eben auch den Schwer­punkt auf re­gio­na­le Be­richt­er­stat­tung. „Wir ha­ben Nils Schmid ein­ge­la­den, Win­fried Kret­sch­mann und Gui­do Wolf“, sagt sie. Von Flücht­lin­gen über Ge­mein­de­rats­sit­zun­gen bis hin zu Sport­er­eig­nis­sen sol­len re­gio­na­le Schwer­punk­te ge­setzt wer­den. Und bei NAL wer­den die Hö­rer ge­siezt.

Ge­schäfts­füh­rer Klaus Schmid­tUlm hat be­reits drei Pri­vat­sen­der mit auf den Weg ge­bracht: Ra­dio Schles­wig-Hol­stein war in den acht­zi­ger Jah­ren ei­nes der ers­ten Pri­vat­ra­di­os in Deutsch­land, spä­ter war er an der Ent­wick­lung von Ra­dio 7 be­tei­ligt und er ma­nag­te Ra­dio See­funk. Die­ses „Ra­dio­fos­sil“, wie er sich selbst nennt, kennt sich aus mit der not­wen­di­gen Lob­by­ar­beit, mit den vie­len An­trä­gen, die man aus­fül­len muss, um ei­ne Li­zenz für ei­nen Pri­vat­sen­der zu er­hal­ten und mit den Wer­be­kun­den. „Wir sind für al­le, vom lo­ka­len Fri­seur bis zum Bosch in­ter­es­sant“, sagt Schmidt-Ulm.

Tü­bin­ges OB Pal­mer sagt, ein sol­ches Lo­kal­ra­dio sei wich­tig für ei­ne funk­tio­nie­ren­de De­mo­kra­tie. Und Mu­sik al­lein wer­de in Zei­ten von Strea­m­ing-Di­ens­ten, in de­nen je­der sich sei­ne Lieb­lings­hits aus dem In­ter­net her­un­ter­la­den kön­ne, nie­man­den bei ei­nem Sen­der hal­ten, son­dern „Pri­vat­ra­dio muss auch über gu­ten Jour­na­lis­mus punk­ten“.

Pro­gramm­chef Fi­lip will die ers­te Sen­dung von NAL am 1. Ja­nu­ar selbst mo­de­rie­ren. Und er weiß schon, wel­ches Lied er kurz nach Mit­ter­nacht spie­len wird: „We will rock you.“ Neck­ar­alb Li­ve sen­det ab 1. Ja­nu­ar in Reut­lin­gen auf 104,8 MHz, in Ba­lin­gen auf 95,6 MHz, wei­te­re Fre­quen­zen: www. ne­ck­ar­al­b­li­ve. de

FOTO: PR

Das Team von Neck­ar­alb Li­ve. Der Sen­der rich­tet sich mit der Mu­sik an Hö­rer über 30 und will zu 60 Pro­zent Rock spie­len.

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