Ent­schä­di­gung für Ko­reas „Trost­frau­en“

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MEINUNG & DIALOG -

üd­ko­rea und Ja­pan ha­ben sich nach ih­rem 70 Jah­re wäh­ren­den Streit über das bit­te­re Ka­pi­tel der Zwangs­pro­sti­tu­ier­ten wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs ge­ei­nigt. To­kio sag­te am Mon­tag ei­ne Zah­lung von ins­ge­samt ei­ner Mil­li­ar­de Yen (7,6 Mil­lio­nen Eu­ro) für die Zwangs­pro­sti­tu­ier­ten zu. Ja­pans Re­gie­rungs­chef Shin­zo Abe ließ ei­ne Ent­schul­di­gung über­mit­teln und sprach von ei­ner „neu­en Ära“in den Be­zie­hun­gen.

Der ja­pa­ni­sche Au­ßen­mi­nis­ter Fu­mio Ki­shi­da er­klär­te nach ei­nem Tref­fen mit sei­nem süd­ko­rea­ni­schen Kol­le­gen Yun Byung-se in Seoul, „die Eh­re und Wür­de der Frau­en“sei mit Be­tei­li­gung des ja­pa­ni­schen Mi­li­tärs da­mals „zu­tiefst ver­letzt“wor­den. Yun sprach von ei­nem „end­gül­ti­gen und un­wi­der­ruf­li­chen Ab­kom­men“, soll­te To­kio sich an die Ab­ma­chun­gen hal­ten.

Ki­shi­da sag­te wei­ter, Re­gie­rungs­chef Abe drü­cke ge­gen­über den Op­fern ei­ne „Ent­schul­di­gung und Reue vom Grun­de sei­nes Her­zens“aus. Dies gel­te für all je­ne, „die als Trost­frau­en gro­ßes Leid er­lit­ten, so­wohl see­lisch als auch kör­per­lich“. Ki­shi­da be­zeich­ne­te das Ab­kom­men als „his­to­risch“. Abe sag­te nach ei­nem Te­le­fo­nat mit Süd­ko­reas Prä­si­den­tin Park Geun Hye, bei­de Län­der könn­ten nun in „ei­ne neue Ära“ein­tre­ten. Da­für wür­den Ja­pan und Süd­ko­rea eng zu­sam­men­ar­bei­ten.

Als Teil des Ab­kom­mens wol­le Seoul sich dar­um be­mü­hen, ein Denk­mal, wel­ches die Zwangs­pro­sti­tu­ier­ten sym­bo­li­siert und der­zeit vor der ja­pa­ni­schen Bot­schaft steht, an ei­nen an­de­ren Stand­ort zu ver­le­gen, er­klär­te Yun. Au­ßer­dem wer­de Süd­ko­rea das The­ma auch nicht mehr in in­ter­na­tio­na­len Fo­ren, et­wa bei den Ver­ein­ten Na­tio­nen, vor­brin­gen.

Der Streit um die Zwangs­pro­sti­tu­ier­ten las­te­te seit Jahr­zehn­ten auf den Be­zie­hun­gen zwi­schen Ja­pan und Süd­ko­rea. Nach Schät­zun­gen von His­to­ri­kern wur­den im Zwei­ten Welt­krieg 200 000 Frau­en aus Ko­rea, Chi­na, In­do­ne­si­en, den Phil­ip­pi­nen und Tai­wan ge­zwun­gen, ja­pa­ni­schen Sol­da­ten in Mi­li­tär­bor­del­len zu Di­ens­ten zu sein. Die Zwangs­pro­sti­tu­ier­ten wer­den in Ja­pan be­schö­ni­gend „Trost­frau­en“ge­nannt.

Bis­lang wei­ger­te sich To­kio, sich für die se­xu­el­le Aus­beu­tung zu ent­schul­di­gen und die Op­fer zu ent­schä­di­gen und ver­wies auf die Auf­nah­me di­plo­ma­ti­scher Be­zie­hun­gen und ei­ne Dar­le­hens­zah­lung von um­ge­rech­net 730 Mil­lio­nen Eu­ro an Ko­rea im Jahr 1965. Süd­ko­rea er­klär­te im­mer wie­der, dass in dem Ab­kom­men von 1965 kei­ne Ent­schä­di­gun­gen für die Op­fer ent­hal­ten ge­we­sen sei­en. Ki­shi­da sag­te am Mon­tag, die nun zu- ge­sag­te ei­ne Mil­li­ar­de Yen sei kei­ne Ent­schä­di­gung, son­dern ein Pro­jekt zur Wie­der­her­stel­lung der Wür­de der Frau­en.

In Süd­ko­rea sind noch 46 frü­he­re Zwangs­pro­sti­tu­ier­te am Le­ben. Von ih­nen gab es ge­misch­te Re­ak­tio­nen. „Was wir ge­for­dert ha­ben, ist ei­ne ju­ris­ti­sche Ent­schä­di­gung von Ja­pan“, sag­te die 88-jäh­ri­ge Lee Yong Soo. Ei­ne wei­te­re Ex-Zwangs­pro­sti­tu­ier­te, Yoo Hee Nam, sag­te der Nach­rich­ten­agen­tur Yon­hap, sie sei nicht zu­frie­den mit dem Ab­kom­men, ak­zep­tie­re aber die Ent­schei­dung.

Die Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on Am­nes­ty In­ter­na­tio­nal er­klär­te, mit dem Ab­kom­men dür­fe das The­ma nicht be­en­det sein. „Die Frau­en sa­ßen nicht mit am Ver­hand­lungs­tisch und dür­fen nicht bei ei­nem Ab­kom­men zu kurz kom­men, bei dem es mehr um po­li­ti­sche Zwe­cke als um Ge­rech­tig­keit geht“, hieß es. (AFP)

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