Ne­na, Bo­ris, Dal­las: Deut­sche fah­ren auf die 80er ab

Laut Um­fra­ge wol­len die meis­ten in dem Jahr­zehnt le­ben, in dem Han­dy und In­ter­net noch kei­ne Rol­le spiel­ten

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - JOURNAL - Von Gregor Tholl

BER­LIN (dpa) - Die 1980er-Jah­re sind das Lieb­lings­jahr­zehnt der Men­schen in Deutsch­land. Zu­min­dest ent­schei­den sich die meis­ten Er­wach­se­nen für das Jahr­zehnt zwi­schen Neu­er Deut­scher Wel­le und Mau­er­fall, wenn es dar­um geht, in wel­cher Nach­kriegs­de­ka­de sie le­ben woll­ten. Das er­gab ei­ne re­prä­sen­ta­ti­ve On­li­neum­fra­ge des Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tuts You­Gov im Auf­trag der Deut­schen Pres­se-Agen­tur.

Ob Schmidt oder Kohl: Die Bun­des­kanz­ler hie­ßen Hel­mut mit Vor­na­men. Die Pop­stars hie­ßen Ne­na, Prin­ce oder Fal­co: Die 1980er-Jah­re, in de­nen laut Die­go Ma­ra­do­na bei ei­ner Fuß­ball-WM die „Hand Got­tes“im Spiel war und dank Bo­ris Becker und St­ef­fi Graf vie­le Deut­sche den Ten­nis­sport für sich ent­deck­ten, könn­te man als ziem­lich ku­rio­ses Jahr­zehnt er­zäh­len. Doch die Jah­re 1980 bis ’89 wa­ren auch ernst – et­wa mit der Angst vor dem Atom­tod, der Re­ak­tor­ka­ta­stro­phe von Tscher­no­byl, dem Wald­ster­ben oder der da­mals neu­en Seu­che Aids. Und sie wa­ren na­tür­lich auch welt­be­we­gend mit dem Mau­er­fall En­de 1989.

Rund ein Vier­tel (23 Pro­zent) der Be­frag­ten gibt in der neu­en YouGo­vUm­fra­ge an, am liebs­ten in den 80ern le­ben zu wol­len. Es fol­gen die 1970erJah­re (18 Pro­zent), die 1990er und die 2010er-Jah­re (je­weils 13 Pro­zent). Dann erst kom­men die 1960er (neun Pro­zent), die 2000er be­zie­hungs­wei­se Nul­ler­jah­re (fünf Pro­zent) so­wie die 1950er (vier Pro­zent). In kei­nem die­ser Jahr­zehn­te wol­len dem­nach fünf Pro­zent le­ben, zehn Pro­zent ant­wor­te­ten mit „Weiß nicht“. Der ers­te Grand-Prix-Ge­winn Kul­tu­rell und me­di­al wa­ren die 80er das letz­te Jahr­zehnt oh­ne die heu­te so wich­ti­gen Mas­sen­phä­no­me­ne Han­dy und In­ter­net. Sie wa­ren ge­prägt von Ki­no­er­fol­gen wie „E.T. – Der Au­ßer­ir­di­sche“oder „Dir­ty Dan­cing“. Im Fern­se­hen fei­er­ten USSe­ri­en wie „Dal­las“und „Den­ver­Clan“Er­fol­ge, auch „Tat­ort“-Rau­bein Schi­man­ski und die Ärz­te­se­rie „Die Schwarz­wald­kli­nik“wa­ren be­liebt. In der Bun­des­re­pu­blik kam da- mals auch erst das Pri­vat­fern­se­hen auf. Die Ohr­wür­mer lie­fer­ten Ne­na („99 Luft­bal­lons“) und vie­le an­de­re Hits der Neu­en Deut­schen Wel­le. Ni­co­le ge­wann 1982 erst­mals für die Bun­des­re­pu­blik den Grand Prix mit „Ein biss­chen Frie­den“. Pop­stars wie Micha­el Jack­son („Thril­ler“) und auch da­mals schon, vor 30 Jah­ren, Ma­don­na („Ma­te­ri­al Girl“, „Li­ke A Vir­gin“), ver­kauf­ten Mil­lio­nen Plat­ten welt­weit.

Laut der neu­en You­Gov-Um­fra­ge wählt knapp ein Drit­tel (30 Pro­zent) der Be­frag­ten als Jahr­zehnt mit der bes­ten Mu­sik die 80er aus. Ein Vier­tel wähnt die bes­te Mu­sik in den 1970ern. Es fol­gen die 60er (15 Pro- zent), die 90er (zwölf Pro­zent) und mit Ab­stand erst die 50er (vier Pro­zent) so­wie die bei­den jüngs­ten Jahr­zehn­te 2010er und 2000er (je­weils drei Pro­zent). Un­ent­schie­den sind neun Pro­zent. Bei Betrachtung der Al­ters­klas­sen zeich­net ab, dass die Be­frag­ten oft das Jahr­zehnt ih­rer ei­ge­nen Ju­gend wäh­len. Aber auch ei­ne blei­er­ne Zeit Lan­ge Zeit hat­ten die 80er Jah­re den Ruf, in der Bun­des­re­pu­blik eher ei­ne blei­er­ne Zeit un­ter Dau­er­kanz­ler Hel­mut Kohl (CDU) ge­we­sen zu sein – im Ge­gen­satz zum Nach-68er-Jahr­zehnt der 70er, die dem­nach von Auf­bruch und ge­sell­schaft­li­chen Ex­pe­ri­men­ten ge­kenn­zeich­net wa­ren – aber auch dem RAF-Ter­ror und der so­ge­nann­ten Öl­kri­se.

Be­fragt, in wel­chem Jahr­zehnt seit 1950 die Men­schen wohl die schöns­te Ju­gend hat­ten, kom­men üb­ri­gens die 80er Jah­re nicht auf den ers­ten Platz. Es sind statt­des­sen die 70er (Das sa­gen 25 Pro­zent). Erst dann fol­gen die 80er (22 Pro­zent), die 60er (18 Pro­zent), die 90er (12 Pro­zent), die 50er (6 Pro­zent) so­wie die 2000er und das ak­tu­el­le Jahr­zehnt (je­weils 3 Pro­zent). Der Rest weiß kei­ne Ant­wort. You­Gov hat vom 16. bis 18. De­zem­ber ins­ge­samt 2007 Per­so­nen online be­fragt. Die Er­geb­nis­se wur­den ge­wich­tet und sind re­prä­sen­ta­tiv für die deut­sche Be­völ­ke­rung ( ab 18 Jah­re).

FOTOS: DPA

Die Ohr­wür­mer ka­men von NDW- Hit­lie­fe­ran­ten wie Ne­na ( links, „ 99 Luft­bal­lons“), im Fern­se­hen sa­hen die Men­schen Se­ri­en wie „ Dal­las“mit Lar­ry Hag­man in der Rol­le des Ekels J. R. Ewing.

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