An der Schan­ze ein En­ter­tai­ner

Pe­ter Pre­vc, der­zeit der Ski­sprin­ger schlecht­hin, bleibt sich treu und spricht (noch) nicht vom Tour­nee­sieg

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SPORT - Von Joa­chim Lindinger

OBERST­DORF - Das Schlimms­te, sa­gen vie­le, liegt längst hin­ter Pe­ter Pre­vc bei die­ser 64. Vier­schan­zen­tour­nee: die Er­öff­nungs­pres­se­kon­fe­renz. Me­di­en­ge­sprä­che gel­ten nicht als die gro­ße Lie­be des 23-Jäh­ri­gen; Ski­sprin­gen hin­ge­gen ist für den Mann vom SK Trik­lav Kranj „ei­nes der bes­ten Din­ge, die man tun kann“. Ein klas­si­sches Di­lem­ma, glaubt man den vie­len: Gu­tes Ski­sprin­gen hat re­gen Jour­na­lis­ten­kon­takt zur Fol­ge. Pe­ter Pre­vc ist ein sehr gu­ter Ski­sprin­ger.

Ein freund­li­cher Mensch über­dies. Quit­tiert al­le Fra­gen mit ei­nem Lä­cheln, schaut nicht ge­nervt in die Run­de, ant­wor­tet in stets flie­ßen­dem Eng­lisch. Und meis­tens sehr ver­bind­lich im „Oberst­dorf Haus“: Er der Top­fa­vo­rit? Es ge­be „vie­le, die je­den ein­zel­nen der vier Wett­kämp­fe hier ge­win­nen kön­nen“. Ob er sich da­zu­zäh­le? „Ich den­ke nur über mei­nen nächs­ten Sprung nach.“Ge­wiss, wer ei­nen En­ter­tai­ner er­war­tet hat­te ...

... muss an­dern­orts fün­dig wer­den. An der Schan­ze bei­spiels­wei­se. Dort bie­tet Pe­ter Pre­vc hoch­klas­si­ge Un­ter­hal­tung. Mit drei Welt­cup-Sie­gen in Fol­ge zu­letzt, mit dem Foto-Fi­nish im Ge­samt­klas­se­ment 2014/15. 1729 Punk­te er, 1729 Punk­te Se­ve­rin Freund, das Mehr an Ta­ges­sie­gen (9:3) krön­te den Deut­schen. Und Pe­ter Pre­vc? „Der ist un­heim­lich mit die­ser knap­pen Nie­der­la­ge um­ge­gan­gen“– hat Wer­ner Schuster be­ob­ach­tet, der Bun­des­trai­ner – und noch stär­ker, noch mo­ti­vier­ter zu­rück­ge­kom­men. Nach ei­ner Wo­che Ur­laub nur. Ei­ner Wo­che Auf­räum­ar­beit. Das Ski­sprung-Por­tal berkutschi.com zitiert den Slo­we­nen so: „Ich ha­be die­se letz­te Sai­son qua­si ein­ge­packt und weg­ge­stellt. Und mich auf die Zu­kunft kon­zen­triert.“ Sie nen­nen ihn den Mus­kel Da war er wie­der, der nächs­te Sprung. Tief die An­fahrts­ho­cke, ex­trem die Knie­vor­la­ge, kraft­voll-ag­gres­siv das Ab­drü­cken vom Schan­zen­tisch: Pe­ter Pre­vc' Mar­ken­zei­chen. „Miši­ca“nen­nen sie ihn in sei­ner Hei­mat, Mus­kel. In der Luft sind das recht brei­te „V“und die fla­che Flug­hal­tung Gü­te­sie­gel. Er­in­nern an Ta­ka­no­bu Oka­be, an die Ja­pa­ner in den 1990ern, brin­gen Hal­tungs­punk­te und Wei­te. Im Ide­al­fall fünf­mal die 20,0 (so ge­sche­hen am 20. März in Pla­ni­ca), im Ide­al­fall 250 Me­ter. In Vi­ker­sund stand Pe­ter Pre­vc Mit­te Fe­bru­ar den ers­ten Vier­tel­ki­lo­me­ter-Flug in der Ge­schich­te sei­nes Sports. Welt­re­kord! Kein An­lass aber für (zu) gro­ße Wor­te: „Ich bin so kräf­tig wie mög­lich ab­ge­sprun­gen, Ge­schwin­dig­keit und Po­si­ti­on wa­ren op­ti­mal. Dann bin ich ein­fach ge­lan­det.“

Klingt un­spek­ta­ku­lär. Um so be­ein­dru­cken­der der Blick auf das Ha­ben-Kon­to des Pe­ter Pre­vc. Sil­ber (Nor­mal­schan­ze) und Bron­ze (Groß­schan­ze) ge­wann er bei Olympia 2014 in Sot­schi, vier WM-Me­dail­len be­sitzt er, auch 2013/14 war er be­reits Zwei­ter der Welt­cup-Hier­ar­chie. Ski­sprin­gen oh­ne Win­ter – das geht. Dank 3000 Ku­bik­me­ter Kunst­schnee. Oberst­dorf tritt der­zeit den Be­weis an. Woll­te den Be­weis an­tre­ten ges­tern. Zwei Trai­nings­sprün­ge, Qua­li­fi­ka­ti­on: so der Plan. Die Rea­li­tät: Strom­aus­fall in gro­ßen Tei­len der Markt­ge­mein­de um 15.26 Uhr. Ski­sprin­gen oh­ne Elek­tri­zi­tät – das geht nicht. Kein Schräg­auf­zug fuhr, kein Flut­licht leuch­te­te, die Spur­küh­lung kühl­te mit Not­strom. Ent­war­nung gab es um 16.48 Uhr. Ei­ne de­fek­te Zu- Und: Die­sen Win­ter ist Pe­ter Pre­vc ganz oben. Mit Ab­stand: sie­ben Wett­be­wer­be bis­her, ein elf­ter Rang, drei zwei­te Plät­ze, die Er­fol­ge in Nizh­ny Ta­gil und (zwei­mal) in En­gel­berg, 165 Punk­te Vor­sprung auf Se­ve­rin Freund. Wer­ner Schuster: „Er hat echt ein gu­tes Pa­ket zu­sam­men. Er ist si­cher der Mann, den es zu schla­gen gilt.“

Nicht nur in Oberst­dorf, bei sei­nem 146. Welt­cup-Start. Neun ers­te, 15 lei­tung soll es ge­we­sen sein, am Schat­ten­berg trat Plan B in Kraft: den ers­ten Trai­nings­durch­gang fort­set­zen, den zwei­ten ab­sa­gen, die Qua­li­fi­ka­ti­on mit 15 Mi­nu­ten Ver­spä­tung be­gin­nen. Hat funk­tio­niert. Und Welt­cup- Do­mi­na­tor Pe­ter Pre­vc um ei­nen 2000- Eu­ro- Scheck rei­cher wer­den las­sen. Der Slo­we­ne, oh­ne­hin vor­qua­li­fi­ziert, ge­wann mit 136,5 Me­tern und 159,2 Punk­ten vor Se­ve­rin Freund ( 134,5/ 153). „ Der war sehr nah dran“, ur­teil­te der zwei­te und neun drit­te Rän­ge zeu­gen von Konstanz auf höchs­tem Ni­veau. Auf dem möch­te Pe­ter Pre­vc „die gan­ze Sai­son sprin­gen. Das ist mein Ziel.“Die Vier­schan­zen­tour­nee bloß Etap­pe? Wohl kaum. Ein­mal erst fin­det sich ein Slo­we­ne in ih­ren Sie­ger­lis­ten: Pri­mož Pe­ter­ka, 1997. Lan­ge her. Für ei­nen, der im glei­chen Ver­ein springt, Ansporn ge­nug.

Apro­pos Ver­ein: Der SK Trik­lav Kranj darf sich seit Mitt­woch ver­gan- Nie­der­bay­er über sei­nen Ver­such. Noch nä­her dran war Bun­des­trai­ner Wer­ner Schuster mit sei­ner Ein­schät­zung, acht bis zehn der 13 DSV- Sprin­ger könn­ten es ins Auf­takt­sprin­gen ( heu­te, 17.15 Uhr/ ARD, Eu­ro­sport) schaf­fen. Zehn wa­ren es. Ih­re K. o.- Du­el­le im ers­ten Durch­gang: Freund – Zy­la, Wel­lin­ger – Col­lore­do, Frei­tag – Hla­va, Wank – Stoch, Gei­ger – Ko­ba­ya­shi, Pasch­ke – Te­pes, Ne­u­may­er – D. Pre­vc, Ley­he – Sa­ku­yama, Ei­sen­bich­ler – Hay­böck, Kraus – For­fang. ( lin) ge­ner Wo­che „Slo­we­ni­scher Meis­ter 2015“nen­nen. Groß­schan­ze, Mann­schafts­wett­be­werb. So­lo hat­te sich Pe­ter Pre­vc am glei­chen Tag schon ge­kürt, jetzt durf­te er mit Zi­ga Jelar ju­beln. Und mit sei­nen Brü­dern: dem 16-jäh­ri­gen Do­men, dem 19-jäh­ri­gen Ce­ne. Der Äl­te­re, mit der Er­fah­rung von sie­ben Welt­cup-Ein­sät­zen, wid­met sich ak­tu­ell ver­stärkt sei­nem Stu­di­um. Der Jün­ge­re ist seit En­gel­berg hin­rei­chend be­kannt: Zwei­ter hin­ter Pe­ter erst, Fünf­ter dann; als Welt­cup­Ach­ter kommt der Schü­ler zu sei­ner ers­ten Tour­nee. Noch „viel ag­gres­si­ver“als er selbst sprin­ge Do­men ab, sagt Pe­ter Pre­vc. „Flie­ge­risch wahr­schein­lich das Bes­te, was es je ge­ge­ben hat“, schwärm­te Wer­ner Schuster vor Wo­chen­frist. „Das ist Pre­vc 2.0.“

Passt treff­lich zu ei­nem Satz von Pre­vc 1.0. Lä­chelnd for­mu­liert bei – ei­ner Pres­se­kon­fe­renz. Nach dem jüngs­ten Neu­jahrs­sprin­gen in Gar­misch-Par­ten­kir­chen soll­te der Ta­ges­drit­te Pe­ter Pre­vc sei­ne Tour­nee­Chan­cen 2014/15 ein­schät­zen. Kein ge­nerv­ter Blick, flie­ßend das Eng­lisch. Und sehr ver­bind­lich das „Ich ma­che mei­ne Ar­beit, für die Er­geb­nis­se ist der Com­pu­ter zu­stän­dig“.

FOTO: RO­LAND RASEMANN

Macht in Oberst­dorf da wei­ter, wo er in En­gel­berg auf­ge­hört hat­te: Qua­li­fi­ka­ti­ons­sie­ger Pe­ter Pre­vc aus Slo­we­ni­en.

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