Auf­ga­ben im In­land

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von Lud­ger Möllers l. mo­el­lers@ schwa­ebi­sche. de

Schwer be­waff­ne­te Sol­da­ten am Eif­fel­turm in Pa­ris, Mi­li­tär­pa­trouil­len auf der Piaz­za Na­vo­na in Rom: Nach den jüngs­ten Ter­ror­an­schlä­gen set­zen vie­le Staa­ten ih­re Ar­me­en ein, um wei­te­re An­schlä­ge zu ver­hin­dern und um das Si­cher­heits­ge­fühl der Bür­ger zu er­hö­hen. In Deutsch­land da­ge­gen gilt im­mer noch der Vor­be­halt, die Bun­des­wehr nur zur Lan­des­ver­tei­di­gung ein­zu­set­zen. Aus­nah­me­si­tua­tio­nen wie Sturm­flut-Ka­ta­stro­phen, Wald­brän­de und der­zeit die Flücht­lings­hil­fe blei­ben Aus­nah­men. Der Kampf ge­gen or­ga­ni­sier­te und mi­li­tä­risch be­waff­ne­te Ter­ro­ris­ten ist nur er­laubt, wenn die Po­li­zei über­for­dert ist.

Na­tür­lich ist die in­ne­re Si­cher­heit zu­vor­derst ei­ne Auf­ga­be der Po­li­zei. Und na­tür­lich gibt es po­li­zei­li­che Auf­ga­ben, für die kein Sol­dat aus­ge­bil­det ist. Und vor ei­nem Ein­satz der Bun­des­wehr zur Ter­ror­be­kämp­fung im In­nern gilt es die­sen klar zu de­fi­nie­ren. Wer die Ar­mee ein­set­zen will, muss sie zu­vor re­for­mie­ren, ent­rüm­peln, bes­ser aus­stat­ten.

Es gibt nach­voll­zieh­ba­re his­to­ri­sche Grün­de, war­um Bun­des­wehrEin­sät­ze nach au­ßen wie in­nen zu be­schrän­ken sind. Doch die Le­bens­wirk­lich­keit des Jah­res 2015 sieht an­ders aus als die der 1960er- und 1970er-Jah­re ei­nes ge­teil­ten Deutsch­land mit zwei ein­an­der be­kämp­fen­den Ar­me­en. Bun­des­prä­si­dent Joa­chim Gauck hat in sei­ner be­rühm­ten Münch­ner Re­de ge­for­dert, dass Deutsch­land nicht mehr ab­seits­ste­hen dür­fe. Auf in­ter­na­tio­na­lem Par­kett wird der Zwei­fel an der Bünd­nis­fä­hig­keit der Deut­schen mit je­der Dis­kus­si­on um ei­ne deut­sche Be­tei­li­gung an Aus­lands­ein­sät­zen grö­ßer. Auch in­nen­po­li­tisch dürf­te die Er­klä­rung, war­um die Bun­des­wehr an­ge­sichts zwar abs­trak­ter, aber rea­lis­ti­scher Be­dro­hung in den Ka­ser­nen blei­ben muss, schwie­ri­ger wer­den.

Der Ter­ro­ris­mus kennt kei­ne Gren­zen. Er re­spek­tiert kein Grund­ge­setz und nimmt kei­ne Rück­sicht auf his­to­ri­sche deut­sche Vor­be­hal­te. In Sy­ri­en darf die Bun­des­wehr sich am An­ti-Ter­ror-Ein­satz be­tei­li­gen, muss den Ein­satz aber an den deut­schen Gren­zen be­en­den. Lo­gisch klingt das nicht.

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