Bür­ger für mehr Bun­des­wehr im In­land

Wehr­be­auf­trag­ter Bar­tels regt Grund­ge­setz­än­de­rung an – SPD und Op­po­si­ti­on da­ge­gen

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND -

BER­LIN (dpa) - Die Bun­des­wehr ist zur Ver­tei­di­gung ge­gen An­grif­fe von au­ßen da. Im In­land setzt ihr das Grund­ge­setz en­ge Gren­zen. Seit den Pa­ri­ser An­schlä­gen wird ver­stärkt dis­ku­tiert, ob das noch zeit­ge­mäß ist. Die Vor­be­hal­te in der Be­völ­ke­rung ge­gen Ein­sät­ze im In­ne­ren sind ge­ring.

In ei­ner Um­fra­ge des Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tuts You­Gov ha­ben nur sie­ben Pro­zent ei­nen sol­chen Ein­satz grund­sätz­lich ab. 53 Pro­zent sag­ten da­ge­gen, sie sei­en „auf je­den Fall“da­für, dass Sol­da­ten im Erst­fall bei­spiels­wei­se Ge­bäu­de in In­nen­städ­ten schüt­zen. Wei­te­re 35 Pro­zent mein­ten, sie wür­den ei­nen Bun­des­wehr­ein­satz im In­ne­ren mit „klar be­grenz­ten Auf­ga­ben“un­ter­stüt­zen.

Der Wehr­be­auf­trag­te Hans-Pe­ter Bar­tels plä­dier­te für ei­ne Stär­kung der Bun­des­wehr­rech­te bei Groß­ein­sät­zen wie der Flücht­lings­hil­fe und reg­te ei­ne Grund­ge­setz­än­de­rung an. Auch Uni­ons­po­li­ti­ker plä­dier­ten für ei­ne Klar­stel­lung der Ver­fas­sung. An der Flücht­lings­hil­fe sind der­zeit rund 7000 Sol­da­ten be­tei­ligt.

Die Bun­des­wehr darf als Kon­se­quenz aus den Er­fah­run­gen der Zeit im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus im In­land nur in Aus­nah­me­fäl­len ein­ge­setzt wer­den, die im Grund­ge­setz ge­re­gelt sind (sie­he Stichwort). Da­zu zählt auch die Amts­hil­fe für ei­ne an­de­re Be­hör­de wie jetzt bei der Flücht­lings­kri­se. Seit vie­len Jah­ren gibt es im­mer wie­der Dis­kus­sio­nen dar­über, ob die Re­ge­lun­gen im Grund­ge­setz noch zeit­ge­mäß sind.

Bar­tels meint, die Sol­da­ten soll­ten bei der Amts­hil­fe nicht mehr ein­zel­nen Mit­ar­bei­tern zi­vi­ler Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen oder ei­ner an­de­ren Be­hör­de un­ter­stellt wer­den. „Wenn die Bun­des­wehr ei­ne Auf­ga­be im In­ne­ren über­nimmt, soll­te sie die als Ar­beits­pa­ket auch ganz über­neh­men.“Um ei­ne sol­che Re­ge­lung zu er­mög­li­chen, könn­te ei­ne Über­prü­fung des Ar­ti­kels 35, Ab­satz 1 des Grund­ge­set­zes sinn­voll sein, der die Amts­hil­fe re­gelt. Wi­der­spruch aus der SPD SPD-Ver­tei­di­gungs­ex­per­te Rai­ner Ar­nold sag­te, er tei­le die Auf­fas­sung des Wehr­be­auf­trag­ten ab­so­lut nicht. „Es wä­re aben­teu­er­lich, der Bun­des­wehr auch die Steue­rung sol­cher Ein­sät­ze zu über­tra­gen“, sag­te er. „Ich woll­te um­ge­kehrt auch nicht, dass die Bun­des­wehr an­de­re Be­hör- den kom­man­die­ren kann.“Die Dis­kus­si­on über ei­ne Grund­ge­setz­än­de­rung hal­te er für „Un­sinn“. „Wir soll­ten grund­sätz­lich nicht bei je­der tem­po­rä­ren La­ge über Ver­fas­sungs­än­de­run­gen re­den“, sag­te er.

Ähn­lich äu­ßer­te sich der stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de der Links­frak­ti­on, Jan Kor­te. „Ei­ne Grund­ge­setz­än­de­rung ist über­flüs­sig“, sag­te er. „Die ak­tu­el­le Flücht­lings­de­bat­te soll­te nicht miss­braucht wer­den, um die Schran­ken für ei­nen Bun­des­wehr­ein­satz im In­nern nie­der­zu­rei­ßen.“Auch die Grü­nen-Ver­tei­di­gungs­ex­per­tin Agnies­z­ka Brugger sprach sich für ei­ne Bei­be­hal­tung der bis­he­ri­gen Re­geln aus.

FOTO: DPA

Mit 7000 Sol­da­ten un­ter­stützt der­zeit die Bun­des­wehr das Bun­des­amt für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge. Der Wehr­be­auf­trag­te Hans- Pe­ter Bar­tels plä­diert für ei­ne Stär­kung der Bun­des­wehr­rech­te.

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