Grü­nen-Po­li­ti­ker zeigt Pe­gi­da we­gen Mord­dro­hun­gen an

Vol­ker Beck for­dert kon­se­quen­te Straf­ver­fol­gung von Het­ze im In­ter­net – Bie­den­kopf äu­ßert in­di­rekt Ver­ständ­nis für De­mons­tra­tio­nen

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND -

BER­LIN (dpa) - Die is­lam- und frem­den­feind­li­che Pe­gi­da-Be­we­gung ist er­neut mit Hass­ti­ra­den in die Schlag­zei­len ge­ra­ten. Grü­nen-Po­li­ti­ker Vol­ker Beck er­stat­te­te Straf­an­zei­ge we­gen Mord­dro­hun­gen auf der Pe­gi­daFace­book-Sei­te. Das be­stä­tig­ten die Grü­nen im Bun­des­tag.

„Die Pe­gi­da-Sei­te ist ein brau­nes Bio­top, in dem Hass und Ge­walt ge­gen An­ders­den­ken­de frei aus­ge­lebt wer­den kön­nen“, zitiert die Fun­keMe­di­en­grup­pe den Po­li­ti­ker. „Un­ter ei­nem Bei­trag über mich fan­den sich in 430 Kom­men­ta­ren 35 Mord­dro­hun­gen und Ge­walt­fan­ta­si­en, oh­ne ei­nen Ver­such des Wi­der­spruchs oder der Mä­ßi­gung durch die Ver­ant­wort­li­chen.“Jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD) for­der­te ei­ne kon­se­quen­te Re­ak­ti­on: „Mord­auf­ru­fe ge­hö­ren nicht ins Netz, son­dern vor ei­nen Rich­ter.“

„Jus­tiz­mi­nis­ter Maas soll nicht nur for­dern, er ist Mi­nis­ter. Un­se­re Ge­set­ze ge­gen den Hass rei­chen aus, al­ler­dings müs­sen sie auch an­ge­wandt wer­den“, sag­te Beck. Er schlug vor, dies zum The­ma der Jus- tiz­mi­nis­ter­kon­fe­renz zu ma­chen. „Wenn straf­ba­re Het­ze re­gel­mä­ßig nicht straf­ver­folgt wird, wer­den wir un­se­re Ge­sell­schaft in ei­ni­gen Jah­ren nicht wie­der­er­ken­nen“, so Vol­ker Beck.

Die selbst er­nann­ten „Pa­trio­ti­schen Eu­ro­pä­er ge­gen die Is­la­mi­sie­rung des Abend­lan­des“neh­men für sich in An­spruch, ge­walt­frei und fried­lich zu de­mons­trie­ren. Tat­säch­lich nahm die Het­ze in die­sem Jahr zu. Auch ge­gen Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) gab es be­reits Dro­hun­gen. Am Ran­de der De­mos wur­den wie­der­holt Jour­na­lis­ten at­ta­ckiert. „Aus­übung ei­nes Grund­rechts“Sach­sens Ex-Re­gie­rungs­chef Kurt Bie­den­kopf (CDU) sorg­te der­weil mit ei­nem Interview bei Deutsch­land­ra­dio Kul­tur für Un­ver­ständ­nis. Dar­in äu­ßer­te er in­di­rekt Ver­ständ­nis für die Kund­ge­bun­gen von Pe­gi­da und sah kei­nen Zu­sam­men­hang zwi­schen den De­mos und An­grif­fen auf Flücht­lings­un­ter­künf­te. „Die Pe­gi­daDe­mons­tra­tio­nen sind Aus­übung ei- nes ganz ent­schei­den­den de­mo­kra­ti­schen Grund­rechts, näm­lich de­mons­trie­ren zu dür­fen. Und es gibt ge­nug Grün­de in Ost­deutsch­land, nicht nur in Sach­sen, son­dern in Ost­deutsch­land, war­um die Be­völ­ke­rung über die­sen star­ken Flücht­lings­zu­strom be­un­ru­higt ist“, sag­te er.

Der säch­si­sche Grü­nen-Frak­ti­ons­chef Volk­mar Zscho­cke zeig­te sich nicht über­rascht, dass Bie­den­kopf kei­ne Ver­bin­dung zwi­schen „Brand­stif­ter-Re­den“bei Pe­gi­da und rea­len Brand­stif­tun­gen se­he. Er er­in­ner­te an ei­nen Aus­spruch Bie­den­kopfs, wo­nach die Sach­sen im­mun ge­gen Rechts­ex­tre­mis­mus sei­en. Da­mit ha­be er zur Ver­harm­lo­sung des Rechts­ex­tre­mis­mus’ bei­ge­tra­gen, sag­te Zscho­cke: „In sei­ner Re­gie­rungs­zeit konn­te sich Sach­sen zum Hin­ter­land für Neo­na­zis ent­wi­ckeln.“

FOTO: DPA

Er­stat­te­te Straf­an­zei­ge: Grü­nen- Po­li­ti­ker Vol­ker Beck.

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