At­ten­tä­ter woll­ten in der Sil­ves­ter­nacht zu­schla­gen

Bei ei­nem An­titer­ror­ein­satz wer­den meh­re­re Ver­däch­ti­ge fest­ge­nom­men – Ver­schärf­te Si­cher­heits­vor­keh­run­gen

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Mar­ti­na Her­zog

BRÜSSEL - Die Be­woh­ner der bel­gi­schen Haupt­stadt Brüssel wer­den wohl nicht un­be­schwert auf das neue Jahr an­sto­ßen. Ter­ro­ris­ten woll­ten in der Sil­ves­ter­nacht An­schlä­ge in Brüssel ver­üben. Bei ei­nem An­titer­ror­ein­satz ist der Plan auf­ge­flo­gen.

An meh­re­ren „sym­bol­träch­ti­gen Or­ten“wa­ren nach Er­mitt­lun­gen der Staats­an­walt­schaft An­schlä­ge in Brüssel ge­plant. Nach meh­re­ren Haus­durch­su­chun­gen und Fest­nah­men ka­men zwei Ter­ror­ver­däch­ti­ge in Haft. Die Wach­sam­keit der Be­hör­den rich­tet sich nun vor al­lem auf grö­ße­re Men­schen­an­samm­lun­gen, wie das Na­tio­na­le Kri­sen­zen­trum mit­teil­te. Auch die Po­li­zei gilt of­fen­bar als Ziel.

Ei­nen Zu­sam­men­hang zu den Pa­ri­ser Ter­ror­an­schlä­gen vom No­vem­ber mit 130 To­des­op­fern gibt es nicht, teil­te die Staats­an­walt­schaft am Di­ens­tag mit. Bei Haus­durch­su­chun­gen wur­de Pro­pa­gan­da­ma­te­ri­al der Ter­ror­mi­liz Is­la­mi­scher Staat (IS) si­cher­ge­stellt. Ei­ner der bei­den Fest­ge­nom­me­nen gilt als Draht­zie­her ei­ner Ter­ror­grup­pe. Er soll sich um die An­wer­bung neu­er Mit­glie­der zur Be­ge­hung ter­ro­ris­ti­scher Ta­ten ge­küm­mert ha­ben. Die zwei­te Person wird laut Staats­an­walt­schaft als Tä­ter oder Mit­tä­ter ei­ner Ter­ror­grup­pe ein­ge­stuft. Vier wei­te­re Fest­ge­nom­me­ne sei­en mitt­ler­wei­le wie­der auf frei­em Fuß. Kei­ne Waf­fen oder Spreng­stoff Die Durch­su­chun­gen und Fest­nah­men sei­en be­reits am Sonn­tag und Mon­tag in Brüssel, der Re­gi­on Flä­misch-Bra­bant um die bel­gi­sche Haupt­stadt und in der Re­gi­on Lüt­tich im Os­ten des Lan­des er­folgt. Bei den Haus­durch­su­chun­gen wur­den ne­ben dem Pro­pa­gan­da­ma­te­ri­al auch Mi­li­tärklei­dung so­wie Ma­te­ri­al zur Da­ten­ver­ar­bei­tung si­cher­ge­stellt. Waf­fen oder Spreng­stoff sei­en nicht ge­fun­den wor­den.

Die Warn­stu­fe für die Brüs­se­ler Po­li­zei­dienst­stel­len ist nach Me- dien­be­rich­ten an­ge­ho­ben wor­den, eben­so für die Po­li­zis­ten und Sol­da­ten, die auf den Stra­ßen pa­trouil­lie­ren. In ei­nem in­ter­nen Schrei­ben an die Brüs­se­ler Po­li­zei, das die bel­gi­sche Nach­rich­ten­agen­tur Bel­ga ein­se­hen konn­te, ist von ei­ner „kon­kre­ten Be­dro­hung“die Re­de – „im glei­chen Stil wie die An­schlä­ge von Pa­ris“. In Bel­gi­en herrscht der­zeit die zweit­höchs­te von vier Ter­ror­warn­stu­fen. Da­mit gilt die Be­dro­hung durch ei­nen An­schlag als „mög­lich und wahr­schein­lich“.

Die Po­li­zei in der bel­gi­schen Haupt­stadt ver­schärft nun ih­re Si­cher­heits­vor­keh­run­gen. Vor den Kom­mis­sa­ria­ten sol­len Be­waff­ne­te ste­hen, wie der Po­li­zei­chef der west­li­chen Brüs­se­ler Stadtteile, Jo­han De Becker, dem Sen­der RTBF sag­te. Zu­dem sol­len die Be­am­ten et­wa nicht mehr al­lein auf Strei­fe ge­hen, son­dern in Teams von zwei Per­so­nen, von de­nen min­des­tens ei­ne be­waff­net sein muss.

Brüs­sels Bür­ger­meis­ter Yvan Ma­y­eur will heu­te Abend ent­schei­den, ob das gro­ße Feu­er­werk der Stadt statt­fin­den wird. „Ich will nicht zu schnell ent­schei­den, al­les ab­zu­sa­gen“, sag­te Ma­y­eur der Zei­tung „Le Soir“. „Und au­ßer­dem will ich nicht zur Psy­cho­se der Be­völ­ke­rung bei- tra­gen.“Selbst bei ei­ner Ab­sa­ge sei da­mit zu rech­nen, dass in der Sil­ves­ter­nacht vie­le Men­schen auf die Stra­ße gin­gen.

Bel­gi­en gilt als ei­nes der am stärks­ten durch Ter­ro­ris­mus ge­fähr­de­ten Län­der in Eu­ro­pa. Hin­ter­grund ist die im Ver­hält­nis zur Be­völ­ke­rungs­grö­ße ho­he Zahl von Men­schen, die als Dschi­ha­dis­ten in das Bür­ger­kriegs­land Sy­ri­en ge­zo­gen sind. Nach Schät­zun­gen von Si­cher­heits­be­hör­den von En­de Ok­to­ber stam­men rund 500 Kämp­fer in dem Kri­sen­ge­biet aus Bel­gi­en. Die Pa­risAt­ten­tä­ter hat­ten Ver­bin­dun­gen in das Land.

FOTO: IMAGO

In Bel­gi­en gilt die zweit­höchs­te von vier Ter­ror­warn­stu­fen. Auch vor dem Rat­haus in Brüssel ste­hen schwer be­waff­ne­te Po­li­zis­ten. Ob das gro­ße Sil­ves­ter- Feu­er­werk trotz der Ter­ror­be­dro­hung statt­fin­det, ist of­fen.

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