Rio vor den Spie­len in Fi­nanz­not

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MEINUNG & DIALOG -

n knapp sie­ben Mo­na­ten be­gin­nen die Olym­pi­schen Spie­le, und seit sechs Jah­ren wird da­für hek­tisch ge­baut. Das Olympia-Bud­get be­läuft sich auf um­ge­rech­net knapp zehn Mil­li­ar­den Eu­ro. Dar­in ent­hal­ten sind auch die Kos­ten für so­ge­nann­te In­fra­struk­tur-In­ter­ven­tio­nen, die den chao­ti­schen Verkehr ord­nen sol­len. Ri­os Re­gie­ren­de müs­sen das Pro­blem rasch lö­sen, um ei­nen Ima­ge­scha­den zu ver­hin­dern.

Der Bun­des­staat Rio de Janei­ro hängt am Tropf des halb­staat­li­chen Öl­kon­zerns Pe­tro­bras, der sei­nen Fir­men­sitz im Zen­trum der Stadt hat. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren war­fen die Ak­ti­vi­tä­ten des Un­ter­neh­mens Mil­li­ar­den­ein­nah­men für die öf­fent­li­che Hand ab. Dank der spru­deln­den Öl­gel­der wur­de der Be­am­ten­ap­pa­rat auf­ge­bläht, nun herrscht Ka­ter­stim­mung. Man ha­be mit ei­nem Öl­preis von über 100 US-Dol­lar pro Bar­rel kal­ku­liert, so die Lan­des­re­gie­rung. Jetzt liegt er bei 40 US-Dol­lar.

Pe­tro­bras lei­det auch un­ter den seit zwei Jah­ren lau­fen­den Un­ter­su­chun­gen zu ei­nem gi­gan­ti­schen Kor­rup­ti­ons­skan­dal, durch den das Un­ter­neh­men Mil­li­ar­den Eu­ro und viel Ver­trau­en ver­lo­ren hat. Ma­na­ger und Un­ter­neh­mer sit­zen in Haft, ge­gen vie­le Spit­zen­po­li­ti­ker wird er­mit­telt. Der Skan­dal lähmt Bra­si­li­en, die Wirt­schaft tau­mel­te 2015 ei­nem Mi­nus­wachs­tum von vier Pro­zent ent­ge­gen.

Die rasch stei­gen­de Ar­beits­lo­sig­keit macht der Stadt Rio zu schaf­fen. Sie muss ne­ben dem Bund die Haupt­last der Olympia-Aus­ga­ben stem­men. Bür­ger­meis­ter Edu­ar­do Pa­es ver­si­cher­te zu­letzt, dass es um den städ­ti­schen Haus­halt bes­ser ste­he als um die Lan­des­kas­sen. „Die Stadt Rio geht nicht plei­te“, so sein Man­tra.

Man ha­be be­reits zu Jah­res­be­ginn den städ­ti­schen Haus­halt um 15 Pro­zent ge­kürzt, so Pa­es. Zu­gu­te kom­me der Stadt auch, dass mehr als 60 Pro­zent der Olympia-Kos­ten von der Pri­vat­wirt­schaft, haupt­säch­lich Im­mo­bi­li­en­fir­men, über­nom­men wür­den. Die be­kom­men da­für Bau­li­zen­zen auf öf­fent­li­chem Grund.

Der Bund hat sei­ne Fi­nanz­zu­sa­gen trotz weg­bre­chen­der Steu­er­ein­nah­men bis­lang eben­so ein­ge­hal­ten. Die Olympia-Bau­ten ste­hen kurz vor der Fer­tig­stel­lung. Ein­zig dort, wo das Land ver­ant­wort­lich ist, wie beim Ru­der­sta­di­on und der Me­tro­an­bin­dung des Olym­pia­parks, sieht es kri­tisch aus. Ge­nau wie im Ge­sund­heits­sek­tor wird wohl die Zen­tral­re­gie­rung ein­sprin­gen müs­sen.

Spa­ren muss un­ter­des­sen auch das Or­ga­ni­sa­ti­ons­ko­mi­tee, und das setzt am Kom­fort der Sport­ler an. Die sol­len für Es­sen und Kli­ma­an­la­gen selbst zah­len; die Fern­se­her auf den Zim­mern sind ge­stri­chen. Die ge­plan­te Säu­be­rung der Guana­ba­raBucht, in der im Au­gust die olym­pi­schen Seg­ler star­ten sol­len, fiel eben­falls den Ein­spa­run­gen zum Op­fer. Bei Test­ver­an­stal­tun­gen er­krank­ten we­gen des stark ver­schmutz­ten Was­sers schon meh­re­re Sport­ler. (KNA)

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