Die Sel­ber­ma­cher

Ke­nia­ni­sche Tee­bau­ern ent­wi­ckeln neu­es Ge­schäfts­mo­dell – und we­cken In­ter­es­se in Deutsch­land

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT - Von Anja Ben­gel­storff

NAI­RO­BI - Ein Blick in sei­ne Tee­tas­se ge­nügt: Isaac Ro­no ist kein durch­schnitt­li­cher ke­nia­ni­scher Tee­trin­ker. Für ge­wöhn­lich wird in dem ost­afri­ka­ni­schen Land lo­ser Tee mit ei­ner Mi­schung aus Milch und Was­ser ge­kocht, durch ein Sieb ge­gos­sen und ser­viert. Isaac Ro­no, Ma­na­ger der Ma­ram­ba Tea Fac­to­ry in den hü­ge­li­gen Tee­fel­dern au­ßer­halb der Haupt­stadt Nai­ro­bi, lässt Tee und Milch se­pa­rat brin­gen.

Ro­no stellt seit 30 Jah­ren Tee her. Vor meh­re­ren Rei­hen mit Draht be­spann­ter Trö­ge er­klärt er den idea­len Feuch­tig­keits­ge­halt, auf den frisch ge­pflück­te Tee­blät­ter für die wei­te­re Pro­duk­ti­on ge­welkt wer­den müs­sen. Die Blät­ter wach­sen auf 1600 Hekt­ar grü­nen Tee­bü­schen um die Ma­ram­ba-Farm her­um. Tee für den Ex­port, lokale Prä­senz 28 Tee­bau­ern wur­den es im Jahr 2000 mü­de, ih­re fri­schen Blät­ter ge­gen ge­rin­ges Ent­gelt an frem­de Tee­fa­bri­ken zu ver­kau­fen und woll­ten ih­ren Tee selbst pro­du­zie­ren. Sie bün­del­ten ih­re Res­sour­cen und grün­de­ten ei­ne Gm­bH. Mit ei­nem Kre­dit von um­ge­rech­net 4,7 Mil­lio­nen Eu­ro grün­de­ten sie die Ma­ram­ba Tea Fac­to­ry in Li­mu­ru. 2002 ging sie in Pro­duk­ti­on. 2008 war der Kre­dit ab­be­zahlt. 105 An­ge­stell­te – vom Ar­bei­ter, der die wel­ken­den Tee­blät­ter mit den Hän­den auf­lo­ckert, bis zum In­ge­nieur, der sich mit sei­nem Team um die Wal­zen, Tro­cken­ma­schi­nen und Rüt­tel­sie­be küm­mert – ver­ar­bei­ten pro Sai­son et­wa neun Mil­lio­nen Ki­lo­gramm frisch ge­pflück­te Tee­blät­ter. Ne­ben den 28 An­teils­eig­nern lie­fern 222 Klein­bau­ern ih­re Ern­te zu. Tee wird im Jahr von Ju­ni bis Fe­bru­ar pro­du­ziert, da­nach wer­den bis An­fang April die Tee­bü­sche tur­nus­mä­ßig be­schnit­ten. In der Hochsaison, so Ma­na­ger Ro­no, ver­ar­bei­tet die Ma­ram­ba Tea Fac­to­ry pro Tag bis zu 100 000 Ki­lo­gramm Tee­blät­ter zu et­wa 23 000 Ki­lo­gramm Tee.

Das Tee­land Ke­nia pro­du­ziert jähr­lich et­wa 400 Mil­lio­nen Ki­lo­gramm schwar­zen Tee in et­wa 120Tee­fa­bri­ken. Wie auch bei den an­de­ren Tee­far­men wird bei Ma­ram­ba fast al­les ex­por­tiert. Was üb­rig bleibt, reicht für den lo­ka­len Kon­sum. In der Ha­fen­stadt Mom­ba­sa wird der Tee zu­nächst ge­mischt und dann über ei­ne Tee­bör­se ver­kauft, „nach Eu­ro­pa und Russ­land, aber auch in den Su­dan und nach Ägyp­ten“, sagt der Ma­na­ger. Nur et­wa fünf Pro­zent des Ma­ram­ba-Tees fin­den ih­ren Weg in die Lä­den der nä­he­ren Um­ge­bung. „Die Ver­brau­cher dür­fen nicht ver­ges­sen, dass es uns gibt“, sagt Isaac Ro­no schmun­zelnd. Der un­prä­ten­tiö­se Che­mi­ker hat frü­her in den Nach­bar­län­dern Ugan­da und Äthio­pi­en beim Auf­bau der Tee­in­dus­trie mit­ge­hol­fen, die heu­te in Kon­kur­renz zu Ke­nia ste­hen. Vor acht Jah­ren zog es ihn nach­hau­se. „Ich woll­te ei­ne ke­nia­ni­sche Tee­fa­brik lei­ten“, sagt er.

Wäh­rend der vier­mo­na­ti­gen Sai­son be­kom­men die Bau­ern als Zu­lie­fe­rer 16 Eu­ro­cent pro Ki­lo Tee. Nach der Ern­te wer­den sie als An­teils­eig­ner be­zahlt und er­hal­ten ab­hän­gig von der Pro­duk­ti­on der Sai­son ei­ne Aus­schüt­tung. Das soll ein sta­bi­les Ein­kom­men über das Jahr ga­ran­tie­ren. Kei­ne staat­li­che Un­ter­stüt­zung Staat­li­che Un­ter­stüt­zung für die Grün­dung des Un­ter­neh­mens gab es nicht. Ihr Gläu­bi­ger war selbst Tee­pro­du­zent, der bis zur Til­gung des Kre­dits An­teils­eig­ner wur­de. Heu­te sei es viel ein­fa­cher, ei­nen Kre­dit zu be­kom­men, ist Isaac Ro­no über­zeugt. „Tee ist ein wich­ti­ges Ex­port­pro­dukt für Ke­nia, da­her soll­te der Staat den Sek­tor för­dern und schüt­zen“, fin­det er. „Aber die Steu­ern sind zu hoch.“Die Zu­kunft von Ma­ram­ba sieht er den­noch op­ti­mis­tisch, „auch wenn die Pro­duk­ti­ons­kos­ten schnel­ler stei­gen als der Tee­preis, den wir er­zie­len. Un­ser Tee ist gut, die Nach­fra­ge sta­bil.“

In­go Ba­dor­eck, De­le­gier­ter der deut­schen Wirt­schaft in Ke­nia, be­dau­ert die feh­len­de Un­ter­stüt­zung des ke­nia­ni­schen Staa­tes für sei­nen Mit­tel­stand. „Es gibt hier kei­ne tra­di­tio­nel­le Un­ter­neh­mer­kul­tur, wie wir sie aus Deutsch­land ken­nen“, sagt er. „Die Un­ter­schei­dung von Mit­tel­stand und In­dus­trie wird noch gar nicht wahr­ge­nom­men.“

Die ke­nia­ni­sche Wirt­schaft wächst seit Jah­ren um rund fünf Pro­zent. Deut­sche Mit­tel­ständ­ler ha­ben Ke­nia für sich ent­deckt. „Wir ha­ben so vie­le An­fra­gen, dass wir kaum hin­ter­her­kom­men“, er­zählt In­go Ba­dor­eck. „Die Be­rüh­rungs­ängs­te mit Afri­ka ge­hen stän­dig zu­rück. Das Wis­sen in­ner­halb des deut­schen Mit­tel­stan­des über den Kon­ti­nent wächst. Die Fir­men, die sich um­schau­en, über­le­gen sich sehr ge­nau, ob sie hier tä­tig wer­den – und sind meist sehr er­folg­reich.“

FOTO: SIEG­FRIED MODOLA

Ei­ne Frau pflückt fri­sche Tee­blät­ter in der Ma­ram­ba Tea Fac­to­ry in Li­mu­ru, Ke­nia.

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