ZF setzt auf au­to­no­mes Fah­ren

Fried­richs­ha­fe­ner Tech­no­lo­gie­kon­zern erst­mals auf der CES in Las Ve­gas – TRW-Tech­nik steht dort im Fo­kus

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT - Von Mar­tin Hen­nings

FRIED­RICHS­HA­FEN - Schö­ne neue Welt: Die ZF Fried­richs­ha­fen AG ist An­fang Ja­nu­ar erst­mals bei der CES in Las Ve­gas (USA) ver­tre­ten, ei­ner der größ­ten Mes­sen für Un­ter­hal­tungs­elek­tro­nik welt­weit. Der Zu­lie­fe­rer zeigt dort, wel­chen Bei­trag er fürs au­to­no­me Fah­ren leis­ten kann – und wel­che Rol­le die Über­nah­me des US-Kon­zerns TRW da­bei spielt.

Vor al­lem seit der Über­nah­me von TRW im Mai 2015 macht der Auf­tritt des Ge­trie­be­bau­ers Sinn. „Sh­a­ping the next de­ca­de of au­to­ma­ted dri­ving“(das nächs­te Jahr­zehnt au­to­ma­ti­sier­ten Fah­rens ge­stal­ten ) – un­ter die­sem Mot­to steht der Auf­tritt des Tech­no­lo­gie­kon­zerns vom 6. bis 9. Ja­nu­ar auf der Fach­mes­se CES in Las Ve­gas. ZF ist in der­sel­ben Hal­le wie Goog­le, Bosch und To­yo­ta.

„In den kom­men­den zehn Jah­ren wer­den wir mit un­se­ren Tech­no­lo­gi­en den Weg hin zum au­to­no­men Fah­ren maß­geb­lich ge­stal­ten“, gibt sich ZF-Vor­stands­vor­sit­zen­der Ste­fan Som­mer im Vor­feld der CES 2016 selbst­be­wusst. Ein Spre­cher er­gänzt: „Wir ha­ben al­le we­sent­li­chen Ele­men­te fürs au­to­ma­ti­sier­te Fah­ren im An­ge­bot: Sen­so­ren, Al­go­rith­men und Ide­en für die Schnitt­stel­le zwi­schen Mensch und Ma­schi­ne.“Vor al­lem die 9,5 Mil­li­ar­den Eu­ro schwe­re Über­nah­me des US-Kon­zerns TRW hat ZF in punc­to au­to­no­mes Fah­ren ei­nen gro­ßen Schritt vor­an­ge­bracht. Drei tech­ni­sche Gr­und­an­for­de­run­gen sind auf dem Weg zum au­to­no­men Au­to zu be­wäl­ti­gen. Zum ei­nen muss das Um­feld des Au­tos zu­ver­läs­sig über­wacht wer­den. Hier­zu lie­fert ZF dank TRW Ka­me­ras und Ra­dar­tech­nik. Dann müs­sen die­se Da­ten ver­ar­bei­tet wer­den, zum Bei­spiel im Rech­ner SDE Gen1, der die Gr­und­flä­che ei­nes iPho­ne 6 hat und zum Bei­spiel im 7er BMW ein­ge­setzt wird. Und schließ­lich muss die­ser Rech­ner Ak­tio­nen in An­trieb und Fahr­werk aus­lö­sen, ei­ne Not­brem­sung et­wa oder das recht­zei­ti­ge Her­un­ter­schal­ten ei­nes Ge­trie­bes. „Se­hen, den­ken, han­deln“, nennt der ZFSpre­cher den Drei­klang.

Auch zeigt ZF im „Con­cept Cock­pit“auf der CES, wie sich der Kon­zern ei­ne Mensch-Ma­schineSchnitt­stel­le im Au­to vor­stellt. Dies sind al­ler­dings Stu­di­en, die erst in ei­ni­gen Jah­ren se­ri­en­reif sein wer­den. Nicht nur bei ZF ist man sich si­cher: Der Markt für As­sis­tenz­sys­te­me in Au­tos wird stark wach­sen. „Wir wer­den Tech­nik für au­to­ma­ti­sier­te Fahr­funk­tio­nen für al­le Fahr­zeug­seg­men­te an­bie­ten. Nur durch ei­ne ho­he Markt­durch­drin­gung wird die Ver­kehrs­si­cher­heit ins­ge­samt deut­lich stei­gen“, sagt ZF-Chef Som­mer. Zu­nächst auf Au­to­bah­nen Grün­de für das er­war­te­te Wachs­tum gibt es vie­le. Weil die meis­ten As­sis­tenz­sys­te­me der Si­cher­heit die­nen, wer­den sie nach und nach für Neu­fahr­zeu­ge vor­ge­schrie­ben wer­den. Ge­ra­de in Chi­na , wo schät­zungs­wei­se 200 000 Men­schen pro Jahr im Stra­ßen­ver­kehr ster­ben – fast zehn mal so vie­le wie in der ge­sam­ten EU – ist au­to­no­mes Fah­ren be­son­ders wich­tig. Auch die im­mer äl­ter wer­den­de Be­völ­ke­rung wird tech­ni­sche Hil­fe im Fahr­zeug ger­ne be­nut­zen, wenn sie da­durch län­ger mo­bil blei­ben kann. Und schließ­lich tra­gen in­tel­li­gen­te As­sis­tenz­sys­te­me auch da­zu bei, Kraft­stoff zu spa­ren.

Au­to­ma­ti­sier­tes Fah­ren wird zu­nächst vor al­lem auf Au­to­bah­nen statt­fin­den, weil dort die La­ge über­sicht­lich und die Re­geln glasklar sind. Mit­tel­fris­tig wird sich aber auch die Stadt für in­tel­li­gen­te Au­tos öff­nen, meint ZF. Was für die ur­ba­ne Mo­bi­li­tät der Zu­kunft durch in­tel­li­gen­te Ver­net­zung von Fahr­werk-, An­triebs- und Fah­re­ras­sis­tenz­sys­te­men mög­lich ist, zeigt ZF mit dem rein elek­trisch an­ge­trie­be­nen, teil­au­to­ma­ti­siert fah­ren­den und ver­netz­ten Ad­van­ced Ur­ban Ve­hi­cle (AUV), das auch schon auf der IAA in Frankfurt zu se­hen war. Zu­gleich zeigt der Kon­zern mit dem AUV aber auch, an wel­chen Stel­len ZF alt und ZF TRW zu­sam­men­pas­sen und sich er­gän­zen. Auf dem nord­ame­ri­ka­ni­schen Markt ist ZF seit fast 40 Jah­ren ak­tiv. 50 Stand­or­te – da­von 34 in den USA, 12 in Me­xi­ko und vier in Ka­na­da – zählt der Tech­no­lo­gie­kon­zern dort. Die Zahl der ZF- Be­schäf­tig­ten in Nord­ame­ri­ka lag En­de 2015 bei rund 30 800 Mit­ar­bei­tern. Da­von ar­bei­ten et­wa 12 600 Men­schen in den USA. 2014 hat ZF mit 3,7 Mil­li­ar­den Eu­ro na­he­zu ein Fünf­tel des Um­sat­zes von 18,4 Mil­li­ar­den Eu­ro in Nord­ame­ri­ka er­wirt­schaf­tet. Nach der TRWÜber­nah­me wird der Um­satz­an­teil von Nord­ame­ri­ka im Jahr 2015 deut­lich grö­ßer sein. ( sz)

FOTO: PR

ZF- Chef Ste­fan Som­mer

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