Wich­ti­ge BGH-Ur­tei­le zum Woh­nen

Bun­des­ge­richts­hof stärk­te 2015 Rech­te von Mie­tern – In man­chen Fäl­len ha­ben sie aber auch das Nach­se­hen

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - JOURNAL - Von Dia­na Nie­dern­hö­fer

KARLS­RU­HE (dpa) - Wel­che Rech­te ha­ben die Mie­ter und Ei­gen­tü­mer ei­ner Woh­nung ei­gent­lich? Ob sie auf dem Bal­kon rau­chen, bol­zen­de Kin­der vor dem Haus ver­ja­gen und oben le­ben­den Nach­barn ei­nen lei­sen Tep­pich­bo­den ver­ord­nen dür­fen – das und wei­te­re Fra­gen klär­te 2015 der Bun­des­ge­richts­hof (BGH).

Rau­chen: Es war 2015 ei­nes der Top-The­men beim BGH: Ein Ehe­paar aus dem bran­den­bur­gi­schen Prem­nitz stör­te sich an sei­nen auf dem Bal­kon rau­chen­den Nach­barn. Man kön­ne ja gar nicht mehr rich­tig drau­ßen sit­zen, schimpf­ten sie. Die Ent­schei­dung der Rich­ter dürf­te sie nur zur Hälf­te zu­frie­den­stel­len: Denn Rau­cher dür­fen auch auf dem Bal­kon zum Glimm­stän­gel grei­fen – kön­nen aber da­zu ver­pflich­tet wer­den, dies nur zu be­stimm­ten Zei­ten zu tun, wie Karls­ru­he ent­schied. All­ge­mein­gül­ti­ge rauch­freie Zei­ten leg­ten die Ju­ris­ten nicht fest – wei­te­re Pro­zes­se um De­tails zum Bal­kon-Rauch dürf­ten da­her fol­gen. (Az.: V ZR 110/14)

Re­no­vie­rung: Die In­stand­hal­tung ei­ner Miet­woh­nung sorgt häu­fig für Streit. Der ty­pi­sche Fall: Der Mie­ter zieht aus. Sein Ver­mie­ter meint aber, dass die Woh­nung ent­we­der noch re­no­viert oder für die In­stand­hal­tung ge­zahlt wer­den müs­se. Was dann gilt, muss­te der BGH im März klä­ren. In sei­ner Grund­satz­ent­schei­dung schlug das Ge­richt sich auf die Sei­te der Mie­ter. Die­se müs­sen beim Aus­zug dem­nach nicht mehr au­to­ma- tisch ei­nen An­teil der Re­no­vie­rungs­kos­ten über­neh­men, wenn sie vor Ablauf der ver­ein­bar­ten Re­no­vie­rungs­fris­ten aus­zie­hen. Au­ßer­dem dür­fen Ver­mie­ter ih­re Mie­ter nur dann pau­schal zu In­stand­hal­tun­gen ver­pflich­ten, wenn sie die Woh­nung auch frisch re­no­viert über­ge­ben. (Az.: VIII ZR 185/14 u.a.)

Kin­der: Fuß­ball ist zwar Volks­sport Num­mer eins. Doch bol­zen­de Kin­der und Ju­gend­li­che vor dem Haus nerv­ten ein Ham­bur­ger Paar so sehr, dass es die Mie­te um 20 Pro­zent kürz­te. Das Ur­teil aus Karls­ru­he dürf­te lärm­ge­plag­ten Mie­tern Kür­zun­gen des Miet­zin­ses je­doch ge­ne­rell er­schwert ha­ben: Neu auf­tre­ten­der Lärm be­rech­ti­ge in der Re­gel nicht zu Miet­kür­zun­gen, hieß es. Und die Le­bens­äu­ße­run­gen von Kin- dern müs­sen dem BGH zu­fol­ge der Re­gel so­wie­so ak­zep­tiert wer­den, denn: „Kin­der­lärm ist Mu­sik“. (Az.: VIII ZR 197/14)

Bäu­me: Es mu­te­te an wie die bo­ta­ni­sche Va­ri­an­te von „Da­vid ge­gen Go­li­ath“: Ein Ehe­paar woll­te die Stadt Bie­le­feld zwin­gen, zwei 25 Me­ter ho­he, ge­sun­de Eschen zu fäl­len, die ih­ren klei­nen Rei­hen­haus­gar­ten in Schat­ten tauch­ten. Ih­re Bon­saiBäum­chen ge­die­hen nicht rich­tig und auch den Men­schen selbst fehl­te Licht und Son­ne. Sie müs­sen die gro­ßen Bäu­me aber wei­ter er­tra­gen, denn: So­ge­nann­te ne­ga­ti­ve Emis­sio­nen – wie der Ent­zug von Licht und Luft durch Bau­ten oder Bäu­me – müs­sen ge­dul­det wer­den, wenn sie nicht un­er­träg­lich sind, wie der BGH klar­stell­te. (Az.: V ZR 229/14)

Par­kett: Neue Woh­nungs­ei­gen­tü­mer er­setz­ten ih­ren Tep­pich­bo­den durch Par­kett. Da­durch wur­de es um ei­ni­ges lau­ter für ein schon lan­ge im Haus woh­nen­des Rent­ner-Paar. Es gab Streit. Nach dem BGH-Ur­teil vom Fe­bru­ar müs­sen sich die bei­den aber auch in Zu­kunft mit den lau­te­ren Ge­räu­schen aus der Nach­bar­woh­nung ab­fin­den. Und un­zäh­li­ge an­de­re Men­schen auch, die sich an Schrit­ten, lau­tem Schnar­chen oder lär­men­den Un­ter­hal­tun­gen ih­rer Nach­barn in Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern stö­ren. Denn maß­geb­lich für die Beur­tei­lung, ob der Nach­bar zu laut ist, sind die Schall­schutz­grenz­wer­te, die im Zeit­punkt des Baus des je­wei­li­gen Ge­bäu­des gal­ten. Die­se Grenz­wer­te wur­den trotz Par­kett bei dem aus den 1970er-Jah­ren stam­men­den Haus ein­ge­hal­ten. (Az.: V ZR 73/14)

FOTO: DPA

Rau­chen auf dem ei­ge­nen Bal­kon – nur ein Streit­punkt, mit dem sich der BGH 2015 be­schäf­tigt hat.

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