Schwan­ger: Beim Sport auf den Kör­per hö­ren

Grund­sätz­lich ist fast al­les er­laubt – Es gibt je­doch Aus­nah­men

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - FAMILIE - Von No­ra Wanzke (dpa)

ie hat im­mer Sport ge­macht. Oft war sie lau­fen. Dann wur­de sie schwan­ger. Kein Grund für Ja­ni­na Gosch, mit dem Sport auf­zu­hö­ren – und trotz­dem än­der­te sich ei­ni­ges. Ih­re Jog­ging-Stre­cke be­zwang sie zum Bei­spiel in den ers­ten Mo­na­ten mit Nor­dic-Wal­king-Stö­cken. „Ir­gend­wie war das mein Bauch­ge­fühl. Die Er­schüt­te­rung war mir nicht so ge­heu­er“, sagt Gosch.

Auf den Bauch und auf sei­nen Kör­per zu hö­ren, ist beim Sport wäh­rend der Schwan­ger­schaft das Wich­tigs­te: „Wenn es der Mut­ter gut geht, dann auch dem Kind“, sagt Mar­ti­na Schul­ze vom Deut­schen Heb­am­men­ver­band.

Sport hat nor­ma­ler­wei­se nicht nur ei­ne po­si­ti­ve Wir­kung auf den Kör­per, son­dern auch auf die Psy­che: Psy­cho­lo­gin Ma­ri­on Sul­pri­zio hat das ge­mein­sam mit Sport­wis­sen­schaft­lern und Me­di­zi­nern an der Sport­hoch­schu­le Köln un­ter­sucht. „Das Kör­per­emp­fin­den der sport­li­chen Schwan­ge­ren ist häu­fig ein­fach bes­ser, sie sind selbst­be­wuss­ter. Ge­ra­de in den ers­ten Wo­chen nach der Ge­burt nei­gen sie zu we­ni­ger De­pres­sio­nen.“Auch Ja­ni­na Gosch hat das so emp­fun­den: „Das Wohl­be­fin­den ist mit Sport ein­fach an­ders.“

Laut Sul­pri­zio kann Sport wäh­rend der Schwan­ger­schaft so­gar die Ge­burt po­si­tiv be­ein­flus­sen. „Stu­di­en er­ge­ben, dass sport­li­che Frau­en zwar die glei­chen Schmer­zen er­le­ben, die­se aber bes­ser aus­hal­ten.“Vor al­lem stärkt Sport das Her­zK­reis­lauf­sys­tem, för­dert den Stoff­wech­sel, beugt Schwan­ger­schafts­dia­be­tes und Rü­cken­schmer­zen vor. Es kommt al­ler­dings auf die rich­ti­ge Do­sis an. Ei­ne St­un­de am Tag ist das Ma­xi­mum. „Man soll­te mo­de­rat und nicht im an­ae­ro­ben Be­reich trai­nie­ren“, sagt Sul­pri­zio. Ist die Herz­fre­quenz zu hoch, zieht der Kör­per Sau­er­stoff aus den Or­ga­nen ab. „Wenn man kei­ne Puls­uhr hat, kann man im­mer den Talk-Test ma­chen. Wenn ich mich noch un­ter­hal­ten kann, bin ich auf der si­che­ren Sei­te.“ Lie­ber ei­nen Gang zu­rück­schal­ten Ja­ni­na Gosch hat im­mer auf ih­ren Kör­per ge­hört. „Wenn mir et­was zu an­stren­gend war, ha­be ich ein­fach ei­nen Gang run­ter­ge­schal­tet.“Auch ih­re Heb­am­me Mar­ti­na Schul­ze ist Be­su­che, Ver­wand­te, Ba­by­sa­chen kau­fen – in den ers­ten Wo­chen mit ei­nem Neu­ge­bo­re­nen ha­ben vie­le El­tern ei­nen über­ra­schend vol­len Ter­min­plan. Doch um ein Ge­fühl für ihr Kind zu ent­wi­ckeln, soll­ten El­tern das bes­ser ver­mei­den, rät die aus­ge­bil­de­te Kin­der­kran­ken­schwes­ter Eri­ka Wüch­ner im Interview mit der Zeit­schrift „ El­tern“. sich si­cher, dass ei­ne Puls­uhr nicht zwin­gend nö­tig ist: „Wenn es dem Kör­per schlecht geht, sen­det er deut­li­che Si­gna­le.“Sie rät ih­ren Pa­ti­en­tin­nen, dass sie so­lan­ge Sport ma­chen, bis es nicht mehr geht.

Ir­gend­wann hemmt der run­de Bauch ein­fach je­de Be­we­gung. Aus die­sem Grund hat Ja­ni­na Gosch auch ir­gend­wann das Nor­dic Wal­king auf­ge­ge­ben und ist auf Yo­ga und Schwim­men um­ge­stie­gen. „Das Schwim­men hat mir sehr gut ge­fal­len. Man hat sich so leicht und schwe­re­los im Was­ser ge­fühlt“, er­zählt sie. „Nur am En­de kam dann der Schock, wenn man aus dem Was­ser ge­stie­gen ist.“Je­de Wo­che hat sie sich mit an­de­ren Schwan­ge­ren ge­trof­fen. Ein biss­chen Aqua-Jog­ging zum Auf­wär­men, an­schlie­ßend ein we­nig Gym­nas­tik. „Ich ha­be bei die­sen Kur­sen aber auch mit­ge­macht, um an­de­re Müt­ter ken­nen­zu­ler­nen. „ Man muss sich in den ers­ten Wo­chen ganz aufs Ba­by kon­zen­trie­ren, kei­ne Ter­mi­ne aus­ma­chen, kei­nen Be­such“, sagt die Ex­per­tin. Das fal­le vie­len El­tern schwer. Wüch­ner ar­bei­tet als so­ge­nann­te Ma­ter­ni­ty Nur­se, sie un­ter­stützt El­tern wäh­rend der ers­ten Wo­chen und Mo­na­te nach der Ge­burt. Wich­tig sei auch, schon vor der Ge­burt Mit ei­ni­gen tref­fe ich mich heu­te noch.“

Ma­ri­on Sul­pri­zio hat mit ei­nem Team der Sport­hoch­schu­le Köln ein In­ter­net­por­tal zum The­ma Sport in der Schwan­ger­schaft ent­wi­ckelt und zu ver­schie­de­nen Sport­ar­ten In­for­ma­tio­nen zu­sam­men­ge­stellt. Grund­sätz­lich gilt: Fast je­de Sport­art ist mach­bar. Al­ler­dings muss die Vor­ge­schich­te der Frau be­ach­tet wer­den. Ei­ne Spit­zen­sport­le­rin kann ih­ren Kör­per in der Schwan­ger­schaft mehr be­las­ten als ei­ne Frau, die bis­lang nur ge­le­gent­lich Sport ge­trie­ben hat. Vor­aus­set­zung: Ge­sund­heit­lich ist so­weit al­les in Ord­nung.

Und es gibt Aus­nah­men: „Von al­len Sport­ar­ten, die ag­gres­siv sind, ra­ten wir de­fi­ni­tiv ab, und man muss Ver­let­zun­gen mei­den“, sagt Sul­pri­zio. Und sie rät Rei­te­rin­nen, vor­sich­tig zu sein und wäh­rend der Schwan­ger­schaft viel­leicht nicht mehr in al­les zu or­ga­ni­sie­ren. „ Das Ba­by­zim­mer soll­te fer­tig sein, die Ge­frier­tru­he am bes­ten voll.“Wenn die El­tern vor­be­rei­tet sei­en und sich voll und ganz auf das Neu­ge­bo­re­ne kon­zen­trier­ten, lern­ten sie ih­ren Nach­wuchs so ge­nau ken­nen, dass sie schon bald je­den Mucks des Säug­lings ver­ste­hen könn­ten. ( dpa) den Sat­tel zu stei­gen. Ein Sturz muss zwar nicht zwin­gend ge­fähr­lich für das Kind sein – aber die fol­gen­den Be­hand­lun­gen und Ope­ra­tio­nen sind kom­pli­ziert. Am bes­ten be­spre­chen Frau­en das mit ih­rem Arzt. Nach der Ge­burt pau­sie­ren „Wenn man sein gan­zes Le­ben Sport treibt, ge­hört das ein­fach auch in der Schwan­ger­schaft da­zu“, er­zählt Ja­ni­na Gosch. Ih­re Heb­am­me Mar­ti­na Schul­ze rät auch je­der Frau, die vor­her kein Sport ge­macht hat, sich ak­tiv zu be­we­gen: Zü­gi­ge lan­ge Spa­zier­gän­ge oder Schwim­men sind da ihr Tipp. Nicht zu an­stren­gend – und trotz­dem kommt der Kreis­lauf in Schwung.

Nach der Ge­burt ist erst mal Pau­se an­ge­sagt. Der Kör­per muss sich von den Stra­pa­zen er­ho­len. „Auf kei­nen Fall zu früh an­fan­gen. Und wenn, dann mit der Heb­am­me oder ei­nem Phy­sio­the­ra­peu­ten trai­nie­ren“, rät Sul­pri­zio. Ja­ni­na Gosch ist nach zehn Wo­chen das ers­te Mal wie­der ak­tiv ge­wor­den. Der Rück­bil­dungs­kurs stand auf dem Pro­gramm. „Man kann da­vor auch schon mit ganz leich­ten Atem­übun­gen an­fan­gen“, sagt Heb­am­me Schul­ze. Mit Ba­by wird die Zeit für den Sport dann so­wie­so knapp. Ja­ni­na Gosch merkt es ge­ra­de. Ih­re ein­ein­halb­jäh­ri­ge Toch­ter for­dert sie. Da bleibt dann nur noch Zeit für ei­ne klei­ne Run­de Jog­gen oder ei­ne Ein­heit auf der Vi­bra­ti­ons­plat­te: „Das ist wirk­lich Sport für Fau­le.“

FOTO: DPAE

Haupt­sa­che in Be­we­gung blei­ben - in Sa­chen Sport soll­ten Schwan­ge­re auf ih­ren Kör­per hö­ren.

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