Die CSU ist be­reits im Kreuth-Mo­dus

Par­tei for­dert Ein­rei­sestopp für Flücht­lin­ge oh­ne Aus­weis­pa­pie­re – De Mai­ziè­re winkt ab

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Ras­mus Buch­stei­ner und Ben­no Müch­ler

BER­LIN - Vie­le Flücht­lin­ge ge­lan­gen oh­ne Pass nach Deutsch­land. Die CSU will das nicht län­ger dul­den – und ern­tet Wi­der­spruch. Auch die Ab­sa­ge aus dem Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um ist deut­lich: „Hin­sicht­lich der CSU-For­de­run­gen nach ei­ner Zu­rück­wei­sung von Flücht­lin­gen oh­ne gül­ti­ge Aus­weis­do­ku­men­te sind zur­zeit kei­ne wei­te­ren Än­de­run­gen ge­plant“, sag­te In­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re am Mitt­woch. Der CDUPo­li­ti­ker ver­wies auf Fort­schrit­te bei der Re­du­zie­rung der Flücht­lings­zah­len.

De Mai­ziè­re be­kann­te sich aus­drück­lich zum Kampf ge­gen die Schleu­ser­kri­mi­na­li­tät, zum Schutz der EU-Au­ßen­gren­zen, zum Auf­bau von Hots­pots un­ter an­de­rem in Grie­chen­land und zu den be­ste­hen­den Kon­trol­len an der deutsch-ös­ter­rei­chi­schen Gren­ze. Da­bei soll es erst ein­mal blei­ben.

Die CSU-Ab­ge­ord­ne­ten for­dern da­ge­gen: Ei­ne Ein­rei­se nach Deutsch­land sol­le nur noch dann mög­lich sein, „wenn auch gül­ti­ge Aus­weis­do­ku­men­te vor­ge­zeigt wer­den kön­nen“. An­dern­falls sei­en die Per­so­nen be­reits an der Gren­ze zu­rück­zu­wei­sen: „Die Be­schaf­fung von Er­satz­pa­pie­ren kann schließ­lich auch in un­se­ren si­che­ren Nach­bar­staa­ten er­fol­gen.“Durch die be­wuss­te Ver­nich­tung von Aus­weis­pa­pie­ren und fal­sche An­ga­ben von An­trag­stel­lern wür­den Asyl­ver­fah­ren nicht nur ver­schleppt, son­dern oft­mals voll­stän­dig un­mög­lich ge­macht: „Dies kann un­ser Rechts­staat nicht län­ger hin­neh­men, will er auf Dau­er ein Rechts­staat blei­ben.“

In die­sem Jahr sind fast 1,1 Mil­lio­nen Flücht­lin­ge nach Deutsch­land ge­kom­men, be­stä­tig­te die baye­ri­sche Staats­re­gie­rung am Mitt­woch. Zu­vor hat­te die CSU ein­mal mehr mit ei­nem spek­ta­ku­lä­ren Vor­stoß über­rascht und vor ih­rer tra­di­tio­nel­len Neu­jahrs­klau­sur im ober­baye­ri­schen Wild­bad Kreuth Freund und Feind ge­gen sich auf­ge­bracht. Ein vier­sei­ti­ges Pa­pier mit der For­de­rung nach ei­nem Ein­rei­se­ver­bot für Flücht­lin­ge oh­ne Aus­weis­pa­pie­re – und schon steht der Burg­frie­de der Uni­on in der Flücht­lings­po­li­tik wie­der auf der Kip­pe. Der Asyl­streit der Schwes­ter­par­tei­en geht in die nächs­te Run­de. SPD spricht von Au­gen­wi­sche­rei Auch die Kri­tik von SPD und Op­po­si­ti­on ließ nicht lan­ge auf sich war­ten. „Im Auf­ent­halts­ge­setz ist aus­drück­lich ge­re­gelt, dass Schutz­su­chen­de na­tür­lich auch oh­ne Pa­pie­re bei uns um Asyl bit­ten kön­nen“, sag­te die Flücht­lings­be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung Ay­dan Özo­guz (SPD) am Mitt­woch im Ge­spräch mit der „Schwä­bi­schen Zei­tung“. „Die CSU bleibt be­dau­er­li­cher­wei­se Jahr um Jahr bei Au­gen­wi­sche­rei­en und stiehlt sich an­ge­sichts gro­ßer Her­aus­for­de­run­gen im­mer mehr da­von.“Er­neut stel­le sich die CSU ge­gen die Kanz­le­rin, die um ei­ne eu­ro­päi­sche Lö­sung rin­ge. Schutz­su­chen­de oh­ne gül­ti­ge Aus­weis­pa­pie­re zu­rück­zu­wei­sen und so­mit in die deut­schen EU-Nach­bar­län­der zu ver­schie­ben, „wä­re die end­gül­ti­ge Ka­pi­tu­la­ti­on der EU in Sa­chen ge­mein­sa­mer Asyl­po­li­tik“. Auch CDU geht auf Dis­tanz Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel ließ den CSU-Vor­stoß un­kom­men­tiert. Füh­ren­de CDU-Po­li­ti­ker gin­gen al­ler­dings auf Dis­tanz zur For­de­rung der Schwes­ter­par­tei. Par­tei­vi­ze Ar­min La­schet er­in­ner­te an die Be­schlüs­se des CDU-Bun­des­par­tei­tags vom De­zem­ber. „Wir wol­len dem, der schutz­be­dürf­tig ist, Schutz ge­wäh­ren, sag­te La­schet. Gleich­zei­tig ge­he es dar­um, im nächs­ten Jahr die ho­he Zahl von Flücht­lin­gen zu re­du­zie­ren, „durch eu­ro­päi­sche und in­ter­na­tio­na­le Lö­sun­gen und durch na­tio­na­le Maß­nah­men“. Von Zu­rück­wei­sen an der Gren­ze sei nicht die Re­de ge­we­sen. „Je­der hat ein Recht, dass sein An­spruch auf Asyl ge­prüft wird, und ich den­ke, das ist auch Kon­sens mit der CSU“, so der Chef der NRW-CDU. Kon­sens mit der CSU?

Dass die CSU der­zeit mit zu­ge­spitz­ten For­de­run­gen da­her­kommt, ge­hört zum Ri­tu­al vor der jähr­li­chen Klau­sur­ta­gung in Wild­bad Kreuth, die nächs­te Wo­che be­ginnt. Für die CDU und die Kanz­le­rin kommt die neue De­bat­te da­ge­gen zur Un­zeit. Hat­te in der Uni­on nach dem Streit über die Ober­gren­zen und dem Eklat bei Mer­kels Be­such auf dem CSUPar­tei­tag doch ge­ra­de erst wie­der et­was Har­mo­nie ge­herrscht. Die For­de­rung der Christ­so­zia­len nach ei­ner In­te­gra­ti­ons­pflicht für Flücht­lin­ge hat­ten füh­ren­de CDU-Po­li­ti­ker zu­vor noch un­ter­stützt. Schließ­lich hat­te die Kanz­le­rin­nen-Par­tei zu­vor ein ähn­li­ches Kon­zept be­schlos­sen.

FOTO: DPA

Wenn die Klau­sur­ta­gung der CSU in Wild­bad Kreuth naht, wer­den tra­di­tio­nell die For­de­run­gen der Par­tei mar­ki­ger: Jetzt ver­lan­gen christ­so­zia­le Ab­ge­ord­ne­te ei­nen Auf­nah­me­stopp von Flücht­lin­gen oh­ne Pa­pie­re.

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