In­ner­halb von vier Wo­chen zum Fach­arzt

Im Ja­nu­ar star­ten die Ter­min­ser­vice­stel­len für Kas­sen­pa­ti­en­ten – Nächst ver­füg­ba­rer Arzt wird ver­mit­telt

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND -

BER­LIN - Schnel­ler zum Fach­arzt – vom 23. Ja­nu­ar an sol­len Kas­sen­pa­ti­en­ten in al­len Bun­des­län­dern in­ner­halb von vier Wo­chen ei­nen Ter­min er­hal­ten, ver­mit­telt über so­ge­nann­te Ser­vice­stel­len. Wie funk­tio­niert das Ver­fah­ren? Ben­no Müch­ler er­klärt die Hin­ter­grün­de zu den neu­en Ter­min­ser­vice­stel­len.

Was ist der Grund für das neue Sys­tem? Mit dem Ver­sor­gungs­tär­kungs­ge­setz will die Bun­des­re­gie­rung die Ver­sor­gung ge­setz­li­cher Ver­si­cher­ter ver­bes­sern. Rund 87 Pro­zent, 70,4 Mil­lio­nen Deut­sche, sind in ei­ner ge­setz­li­chen Kas­se ver­si­chert. Oft wer­den sie bei der Ver­ga­be von Fach­arzt­ter­mi­nen ge­gen­über Pri­vat­pa­ti­en­ten (rund 8,8 Mil­lio­nen) be- nach­tei­ligt. So er­gab vor Kur­zem ei­ne Um­fra­ge der Grü­nen-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Beate Mül­ler-Gem­me­ke, dass Kas­sen­pa­ti­en­ten in Ba­den-Würt­tem­berg im Schnitt 19 Ta­ge län­ger auf ei­nen Fach­arzt­ter­min war­ten müs­sen, ins­ge­samt 27 Ta­ge im Schnitt. Da­ge­gen be­kä­men rund 60 Pro­zent der Pri­vat­pa­ti­en­ten schon in­ner­halb der ers­ten drei Ta­ge ei­nen Ter­min. Grund sei­en die Ho­no­ra­re, die für Pri­vat­pa­ti­en­ten dop­pelt so hoch sind.

Wie funk­tio­nie­ren die neu­en Ter­min­ser­vice­stel­len? Kas­sen­pa­ti­en­ten, die an ei­nen Fach­arzt über­wie­sen wur­den – da­zu zäh­len Au­gen­ärz­te, Frau­en­ärz­te, Chir­ur­gen, Haut­ärz­te, HNO-Ärz­te, Ner­ven­ärz­te, Or­tho­pä­den, Uro­lo­gen so­wie spe­zia­li­sier­te Ärz­te wie Kin­der- und Ju­gend­psych­ia­ter und Neu­ro­chir­ur­gen – kön­nen vom 23. Ja­nu­ar an bei den neu­en Ter­min­ser­vice­stel­len in ih­rem Bun­des­land an­ru­fen. Sie wer­den von den ört­li­chen Kas­sen­ver­ei­ni­gun­gen ein­ge­rich­tet. Die Ser­vice­stel­len sol­len dem Pa­ti­en­ten in­ner­halb von vier Wo­chen ei­nen Ter­min ver­mit­teln. Ge­lingt das nicht, über­weist die Ser­vice­stel­le den Pa­ti­en­ten an ei­nen Arzt in ei­nem Kran­ken­haus. Das geht auf Kos­ten der kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gun­gen. Das soll den Druck auf die Fach­ärz­te er­hö­hen, Kas­sen­pa­ti­en­ten an­zu­neh­men. Nie­der­ge­las­se­ne Ärz­te sind nicht ver­pflich­tet, den Ser­vice­stel­len freie Ter­mi­ne mit­zu­tei­len.

Was müs­sen Pa­ti­en­ten be­ach­ten? Ei­ne gan­ze Rei­he von Din­gen ist vor dem An­ruf bei der Ser­vice­stel­le wich­tig: Der Kas­sen­pa­ti­ent kann die neue Stel­le nur ein­schal­ten, wenn ihm sein Haus­arzt vor­her auf ei­nem Schein be­stä­tigt, dass er zur Be­hand­lung an ei­nen Fach­arzt über­wie­sen wer­den soll. Auf die­sem Über­wei­sungs­schein wird ein Co­de ver­merkt, den der Pa­ti­ent am Te­le­fon bei der Ser­vice­stel­le an­ge­ben muss. Es gibt aber auch Aus­nah­men: Im Fal­le ei­nes Au­gen- und Frau­en­arz­tes ist kei­ne Über­wei­sung nö­tig. Die Ser­vice­stel­len ver­mit­teln grund­sätz­lich kei­ne Wunsch­ter­mi­ne. Pa­ti­en­ten müs­sen dar­auf ge­fasst sein, ei­nen Ter­min beim nächst ver­füg­ba­ren Arzt in ih­rer Um­ge­bung zu er­hal­ten. Bei all­ge­mei­nen Fach­ärz­ten soll die Fahr­zeit nicht mehr als 30 Mi­nu­ten über­schrei­ten, bei spe­zia­li­sier­ten Ärz­ten nicht mehr als 60 Mi­nu­ten. Ins­be­son­de­re auf dem Land sind Ab­wei­chun­gen von den Vor­ga­ben mög­lich.

Für wel­che Ärz­te gibt es kei­ne Ter­mi­ne? Kei­ne Ter­mi­ne ver­mit­teln die Ser­vice­stel­len für Zahn­ärz­te und Kie­fer­or­tho­pä­den so­wie für Haus-, Kin­de­r­und Ju­gend­ärz­te. Auch Psy­cho­the­ra­peu­ten sind mo­men­tan aus­ge­nom­men. Bei Rou­ti­ne­un­ter­su­chun­gen und ver­schieb­ba­ren Be­hand­lun­gen von Ba­ga­tel­ler­kran­kun­gen wie Hus­ten oder ei­ner leich­ten Er­käl­tung gilt die Ver­mitt­lung ei­nes Ter­mins in­ner­halb von vier Wo­chen nicht. Hier sol­len Ter­mi­ne in ei­ner an­ge­mes­sen Frist ver­mit­telt wer­den.

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