„Die­ser Vor­schlag ist nicht ziel­füh­rend“

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND -

BER­LIN - Rai­ner Wendt, Vor­sit­zen­der der Deut­schen Po­li­zei­ge­werk­schaft (Foto: dpa), hält nichts von der neu­es­ten CSUFor­de­rung, Flücht­lin­gen oh­ne Pa­pie­re die Ein­rei­se zu ver­bie­ten. Das sag­te er im Ge­spräch mit Ras­mus Buch­stei­ner. Herr Wendt, was sa­gen Sie zu dem neu­en Asyl-Vor­stoß der CSU? Die­ser Vor­schlag ist nicht ziel­füh­rend. Wir wis­sen, dass 70 Pro­zent de­rer, die kom­men, kei­ne Pa­pie­re bei sich ha­ben. Sie al­le zu­rück­zu­wei­sen, oh­ne ein Asyl­ver­fah­ren durch­zu­füh­ren, wird mit dem Eu­ro­pa­recht nicht zu ver­ein­ba­ren sein. Das ist so nicht prak­ti­ka­bel. Die Ko­ali­ti­on hat ver­ein­bart, Schnell­ver­fah­ren für Flücht­lin­ge mit of­fen­sicht­lich un­be­grün­de­ten An­trä­gen auf Schutz ein­zu­füh­ren. Was spricht da­ge­gen? Da­ge­gen spricht nichts. Erst woll­te die Uni­on Tran­sit­zo­nen, dann hat man sich in der Ko­ali­ti­on auf Ein­rei­se­zen­tren ver­stän­digt. Das ist der Weg, der jetzt end­lich ge­gan­gen wer­den soll­te. Wir brau­chen ei­ne kom­plet­te Er­fas­sung der Flücht­lin­ge, schnel­le Ver­fah­ren in den Ein­rei­se­zen­tren und ei­ne kon­se­quen­te Rück­füh­rung de­rer, die kein Blei­be­recht er­hal­ten. Jetzt wie­der neue Vor­schlä­ge zu ma­chen, sorgt für noch mehr Durch­ein­an­der. Wie wol­len Sie mit den­je­ni­gen ver­fah­ren, die ih­re Aus­weis­pa­pie­re weg­schmei­ßen? Da­für gibt es so­wohl beim Bun­des­amt für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge als auch bei der Bun­des­po­li­zei Spe­zia­lis­ten. Sie kön­nen durch Be­fra­gun­gen und ei­ne er­ken­nungs­dienst­li­che Be­hand­lung die Her­kunft durch­aus fest­stel­len. Da­für ist ein Aus­weis­do­ku­ment nicht er­for­der­lich. Die­ses Ver­fah­ren hal­te ich für prak­ti­ka­bel. Vor­aus­set­zung ist je­doch, dass kurz­fris­tig min­des­tens 1000 Ta­rif­be­schäf­tig­te bei der Bun­des­po­li­zei ein­ge­stellt wer­den. Die CSU ar­gu­men­tiert, Flücht­lin­ge oh­ne Pa­pie­re könn­ten sich in un­se­ren si­che­ren Nach­bar­län­dern Er­satz­do­ku­men­te be­schaf­fen. Das wä­re doch auch ein Weg, oder? Das hört sich plau­si­bel an, geht aber an der Le­bens­wirk­lich­keit vor­bei. Die Flücht­lin­ge wä­ren dann in Ös­ter­reich. Und für die Be­hör­den dort wür­de das eben­so ei­ne Über­for­de­rung be­deu­ten wie für uns. Wir kön­nen die Pro­ble­me nicht ein­fach in un­ser Nach­bar­land ver­schie­ben. Wenn wir Flücht­lin­ge schnell er­fas­sen und Un­be­rech­tig­te zü­gig zu­rück­füh­ren, wä­re es in je­dem Fall bes­ser. Bei Stich­pro­ben kam her­aus, dass zehn Pro­zent der Flücht­lin­ge, die sich als Sy­rer aus­ga­ben, kei­ne wa­ren. Das ist si­cher­lich kein Mas­sen­phä­no­men. Wenn man die Bun­des­po­li­zei in die La­ge ver­setzt, ih­re Auf­ga­ben wahr­zu­neh­men, lässt sich das Pro­blem be­wäl­ti­gen und die Iden­ti­tät von Flücht­lin­gen fest­stel­len. Da­für braucht man nicht die­se Vor­schlä­ge der CSU.

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