Da­ten­klau am Geld­au­to­ma­ten auf dem Rück­zug

Mil­li­ar­den­in­ves­ti­tio­nen in Si­cher­heit zei­gen Wir­kung – Kon­takt­lo­ses Be­zah­len könn­te neu­es An­griffs­ziel sein

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT - Von Jörn Ben­der

FRANKFURT (dpa) - Ge­klau­te Kar­ten­da­ten von Bank­kun­den las­sen sich in Eu­ro­pa kaum noch zu Geld ma­chen – ei­gent­lich. Dass in Spa­ni­en ei­ne gro­ße Bank ei­nen Teil ih­rer Geld­au­to­ma­ten noch nicht auf die mo­der­ne EMV-Tech­nik um­ge­stellt hat­te, nutz­ten die Tä­ter gna­den­los aus. Sie setz­ten in der Re­gi­on ge­zielt Kar­ten­du­blet­ten ein. Das sei ein Aus­rei­ßer, heißt es in der Bran­che. Doch der Fall be­legt: Der Wett­lauf um si­che­res Plas­tik­geld ist für die Ban­ken trotz rück­läu­fi­ger „Skim­ming“-Zah­len noch nicht ge­won­nen. Rund 2,5 Mil­lio­nen Eu­ro Scha­den Den­noch zei­gen die Mil­li­ar­den­in­ves­ti­tio­nen von Fi­nanz­in­dus­trie und Han­del in mehr Si­cher­heit beim Plas­tik­geld Wir­kung. In Deutsch­land kom­men Kri­mi­nel­le an Geld­au­to­ma­ten im­mer sel­te­ner zum Zug, wie jüngs­te Zah­len zei­gen: Von Ja­nu­ar bis En­de No­vem­ber 2015 ma­ni­pu­lier­ten Kri­mi­nel­le nach Bran­chen­an­ga­ben bun­des­weit 111 Au­to­ma­ten, um Kar­ten­da­ten und Ge­heim­num­mern (PIN) von Bank­kun­den aus­zu­spä­hen. Nach den Er­fah­run­gen der ver­gan­ge­nen Jah­re steigt die Zahl im De­zem­ber, wenn über­haupt, kaum noch an. Im Jahr 2014 wur­den 145 ma­ni­pu­lier­te Geld­au­to­ma­ten ge­zählt.

Der Brut­to­scha­den durch sol­che „Skim­ming“-An­grif­fe sank im lau­fen­den Jahr auf das Re­kord­tief von 2,5 Mil­lio­nen Eu­ro. „Im Ge­samt­jahr wer­den wir beim Scha­den al­ler Vor­aus­sicht nach un­ter drei Mil­lio­nen Eu­ro blei­ben“, sag­te Su­san­ne Kreu­zer von Eu­ro Kar­ten­sys­te­me. Die Frank­fur­ter Ein­rich­tung küm­mert sich im Auf­trag der deut­schen Kre­dit­wirt­schaft um das Si­cher­heits­ma­nage­ment für Zah­lungs­kar­ten. Rück­gang um ein Drit­tel Zum Ver­gleich: Im Ge­samt­jahr 2013 wur­den Da­ten an 341 Geld­au­to­ma­ten aus­ge­späht, der Scha­den be­lief sich auf 11,3 Mil­lio­nen Eu­ro. Im ver­gan­ge­nen Jahr ver­ur­sach­te der Da­ten­klau an deut­schen Geld­au­to­ma­ten 3,1 Mil­lio­nen Eu­ro Scha­den.

Im lau­fen­den Jahr schlu­gen Da­ten­die­be mit wei­tem Ab­stand am häu­figs­ten in Ber­lin zu. Kei­ne „Skim­ming“-Fäl­le wur­den nach An­ga­ben von Eu­ro Kar­ten­sys­te­me in Bran­den­burg, Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Rhein­land-Pfalz, Sach­sen, Sach­senAn­halt und Thü­rin­gen re­gis­triert. Vor al­lem die Ein­füh­rung der EMVTech­nik hat nach Ein­schät­zung der Bran­che Kri­mi­nel­len das Hand­werk

AN­ZEI­GE er­schwert. EMV-Kar­ten sind mit ei­ner Art Mi­ni-Com­pu­ter aus­ge­stat­tet: Der Da­ten­satz wird ver­schlüs­selt, die Kar­te bei Ge­brauch auf Echt­heit ge­prüft – und zwar bei je­dem Ein­satz so­wohl am Geld­au­to­ma­ten als auch an der La­den­kas­se. In Deutsch­land sind seit En­de 2010 al­le rund 94 Mil­lio­nen Gi­ro­cards mit EMV-Chip aus­ge­stat­tet, eben­so sämt­li­che knapp 60 000 Geld­au­to­ma­ten und 720 000 Ter­mi­nals im Han­del. Weil sich die Tech­nik welt­weit im­mer mehr ge­gen die als un­si­cher gel­ten­den Ma­gnet­strei­fen durch­setzt, müs­sen Krimi- nel­le weit rei­sen, um in Deutsch­land gestoh­le­ne Bank­da­ten zum Be­zah­len oder Ein­kau­fen zu miss­brau­chen. Vor al­lem in den USA, In­do­ne­si­en, Tai­wan und Bra­si­li­en wur­den in den ers­ten elf Mo­na­ten 2015 Um­sät­ze mit hier­zu­lan­de aus­ge­späh­ten Da­ten fest­ge­stellt. Hin­zu kam der Son­der­fall Spa­ni­en. Neue An­griffs­sze­na­ri­en Das Bun­des­kri­mi­nal­amt (BKA) warnt in sei­nem jüngs­ten Be­richt zum The­ma „Skim­ming“(„La­ge­bild Zah­lungs­kar­ten­kri­mi­na­li­tät 2014“) da­vor, dass auch die Tä­ter er­fin­de­risch wer­den könn­ten: „Künf­tig wird mit tech­nisch ver­fei­ner­ten und teil­wei­se gänz­lich neu­en An­griffs­sze­na­ri­en zu rech­nen sein, wo­bei ins­be­son­de­re mög­li­che Schwach­stel­len im NFC-Be­reich ein noch weit­ge­hend un­er­forsch­tes Ge­biet dar­stel­len.“Die Funk­tech­nik NFC („Ne­ar Field Com­mu­ni­ca­ti­on“) kommt beim kon­takt­lo­sen Be­zah­len zum Ein­satz: Qua­si im Vor­bei­ge­hen wird da­bei der Chip in EC- und Kre­dit­kar­ten an der Kas­se aus­ge­le­sen. Kri­ti­ker arg­wöh­nen, dass da­durch sen­si­ble Da­ten in fal­sche Hän­de ge­ra­ten könn­ten.

FOTO: DPA

Be­trug durch so­ge­nann­tes „ Skim­ming“, et­wa durch ei­ne Zu­satz­tas­ta­tur oder Kar­ten­schlitz- Vor­satz­ge­rä­te, wird sel­te­ner be­trie­ben.

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