„Grüne Weih­nach­ten sind durch­aus nor­mal“

Ro­land Roth über ex­tre­me Tem­pe­ra­tu­ren am Nord­pol und die Aus­sich­ten auf ei­nen ver­schnei­ten Win­ter

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - JOURNAL -

RA­VENS­BURG - Ei­gent­lich herrscht der­zeit am Nord­pol Win­ter – üb­li­cher­wei­se mit mi­nus 30 bis mi­nus 40 Grad. Tat­säch­lich ist es aber zwei bis vier Grad warm. Es könn­te so­gar so warm wer­den, dass die Tem­pe­ra­tu­ren 50 Grad hö­her lie­gen als sonst. Wie das kommt, was es be­deu­tet und ob der Win­ter hier­zu­lan­de noch Schnee brin­gen wird, dar­über hat Da­ni­el Dre­scher mit SZ-Wet­ter­ex­per­te Ro­land Roth ge­spro­chen. Tem­pe­ra­tu­ren am Nord­pol, die um 50 Grad hö­her lie­gen als üb­lich – was er­le­ben wir da ge­ra­de? Die ho­hen Tem­pe­ra­tu­ren in Mit­te­lund We­st­eu­ro­pa und die­se ex­trem ho­hen Tem­pe­ra­tu­ren im Raum Nord­pol/Spitz­ber­gen ha­ben die glei­che Ur­sa­che. Über dem nörd­li­chen At­lan­tik liegt seit Wo­chen ein rie­si­ger Tief­druck­wir­bel, der auf sei­ner Vor­der­sei­te war­me Luft­weit von Sü­den aus der Nord-Sa­ha­ra über Spa­ni­en nach Nor­den schau­felt. Die­se war­me Luft er­reicht auch die Nord­po­lar­re­gi­on und führt zu den enorm ho­hen Tem­pe­ra­tu­ren. Wie kommt es zu die­sem Wet­ter­phä­no­men? Ich will jetzt nicht sa­gen, es hängt mit dem Kli­ma­wan­del zu­sam­men. Es ist ei­ne ein­ge­fah­re­ne Wet­ter­la­ge. Wir be­ob­ach­ten seit ei­ni­gen Jah­ren, dass sich Groß­wet­ter­la­gen be­harr­li­cher zei­gen. Wir ha­ben län­ge­re Zeit tro­cke­nes, war­mes Wetter und dann wie­der län­ge­re Zeit feucht-küh­les Wetter. Die­ser Tief­druck­wir­bel über dem At­lan­tik ist schon seit ei­ni­ger Zeit an

AN­ZEI­GEN der glei­chen Stel­le. Das ist die ei­gent­li­che Ur­sa­che. Nor­ma­ler­wei­se zie­hen die Tief­druck­ge­bie­te wei­ter über den Kon­ti­nent hin­weg nach Os­ten. Das ist in den letz­ten Wo­chen nicht ge­sche­hen. Wir ha­ben ein blo­ckie­ren­des Hoch­druck­ge­biet über Russ­land und Skan­di­na­vi­en, das hält da­ge­gen. Die Groß­wet­ter­la­ge ist un­ge­wöhn­lich sta­bil. Wir wirkt sich das kurz­fris­tig aus? Schmilzt am Nord­pol Eis, was dann zu hö­he­ren Pe­gel­stän­den an­ders­wo führt? Nein, in die Rich­tung braucht man sich kei­ne Ge­dan­ken zu ma­chen. Wir ha­ben im zen­tra­len Po­lar­ge­biet wei­ter ei­si­ge Tem­pe­ra­tu­ren. Aber im Ver­gleich zum lang­jäh­ri­gen Mit­tel sind die Tem­pe­ra­tu­ren viel zu hoch. Wä­re das ein Dau­er­zu­stand über Jah­re hin­weg, müss­te man sich Sor­gen ma­chen. Da war eher der Som­mer ein The­ma. Wir ha­ben in die­sem Som­mer mit die ge­rings­te Eis­aus­deh­nung seit Be­ginn der Auf­zeich­nun­gen ge­habt. Wenn die jet­zi­ge Wet­ter­la­ge an­hält, star­ten wir im Früh­jahr mit we­ni­ger Eis. Dann wür­de sich das im nächs­ten Som­mer aus­wir­ken. Sie ha­ben ge­sagt, Sie wol­len die ho­hen Tem­pe­ra­tu­ren am Nord­pol nicht mit dem Kli­ma­wan­del in Zu­sam­men­hang stel­len. Das heißt, die­se deut­li­che Ab­wei­chung von der Norm ist tat­säch­lich kei­ne di­rek­te Aus­wir­kung des Kli­ma­wan­dels? Es ist im­mer schwie­rig zu sa­gen, wel­che Wet­ter­ex­tre­me man auf den Kli­ma­wan­del zu­rück­führt. Der Kli­ma­wan­del ist häu­fig noch ein Sah­ne­häub­chen auf ei­ne be­son­de­re Wet­ter­la­ge. Wir ha­ben der­zeit wie des Öf­te­ren um Weih­nach­ten her­um ho­he Tem­pe­ra­tu­ren. Grüne Weih­nach- ten sind durch­aus ein Nor­mal­fall. In den letz­ten 50 Jah­ren ver­buch­ten wir hier an der Wet­ter­zen­tra­le Bad Schus­sen­ried ge­ra­de mal 15 Weih­nach­ten mit Schnee. Aber dass wir jetzt an Weih­nach­ten so­gar in ei­ner Hö­he von 1500 Me­tern noch nicht ein­mal Ski fah­ren konn­ten, das ist schon sehr be­mer­kens­wert. Be­stel­len Sie te­le­fo­nisch un­ter 0751 - 2955 5500 oder online un­ter schwä­bi­sche.de/schlem­mer­sei­ten-be­stel­len. Die Schlem­mer­sei­ten sind au­ßer­dem in den Ge­schäfts­stel­len des Schwä­bi­schen Ver­lags und in aus­ge­wähl­ten Ge­schäf­ten er­hält­lich. In ei­ner ame­ri­ka­ni­schen Zei­tung war von ei­nem „Mons­ter­sturm über Is­land“die Re­de ... kön­nen Sie da­zu et­was sa­gen? Mit dem Be­griff „Mons­ter­sturm“muss man vor­sich­tig sein. Is­land und Grön­land sind die Ge­burts­stät­ten der Tief­druck­ge­bie­te, die un­ser Wetter maß­geb­lich be­ein­flus­sen. Wich­ti­ger Hin­weis für un­se­re An­zei­gen­kun­den Dort trifft kal­te und war­me Luft auf­ein­an­der. Das kann dann schon ex­tre­me For­men an­neh­men, wie jetzt ge­ra­de. Das ist für die Is­län­der aber nichts völ­lig Un­ge­wöhn­li­ches. Über­schwem­mun­gen in En­g­land, To­te in den USA: Ak­tu­ell scheint das Wetter welt­weit ver­rückt zu spie­len. Ist das noch nor­mal? Oder sind das Warn­si­gna­le, die uns in punk­to Kli­ma zum Um­den­ken ani­mie­ren soll­ten? Im Zei­t­raum um Weih­nach­ten und Neu­jahr her­um be­ob­ach­ten wir welt­weit ge­se­hen ver­mehrt ei­ne Zu­nah­me der Wet­ter­ex­tre­me. Das kommt da­her, dass wir in die­ser Zeit auch grö­ße­re Tem­pe­ra­tur­ge­gen­sät­ze ver­zeich­nen. So ha­ben wir bei­spiels­wei­se in Aus­tra­li­en ab Weih­nach­ten die ers­ten Hit­ze­wel­len und Dür­ren, ge­nau­so wie Über­schwem­mun­gen in Nord­eng­land. Das kommt in die­ser Zeit im­mer wie­der vor, eben­so wie die au­ßer­ge­wöhn­li­chen Wet­ter­ge­gen­sät­ze in den USA. Bleibt die­se ein­ge­fah­re­ne Wet­ter­la­ge den Win­ter hin­durch so? Und wie sieht es in un­se­rer Re­gi­on mit Schnee aus? Das kann na­tür­lich nicht über Mo­na­te hin­weg so blei­ben. Wenn man sich die füh­ren­den Wet­ter­mo­del­le für Mit­tel­eu­ro­pa an­schaut, deu­tet sich ei­ne Um­stel­lung der Wet­ter­la­ge an. An Sil­ves­ter kommt die ers­te Front, die Re­gen und wei­ter oben Schnee bringt. Zu Drei­kö­nig hin kommt mehr Be­we­gung ins Wet­ter­ge­sche­hen. Dann über­neh­men Tief­druck­ge­bie­te auch in Mit­tel­eu­ro­pa wie­der das Ru­der. Suk­zes­si­ve wird das käl­ter, und da wird ne­ben Re­gen auch mal Schnee da­bei sein. Es wird stür­mi­scher und un­ge­müt­li­cher. Aber so rich­tig Ein­win­tern über meh­re­re Ta­ge – das se­he ich noch nicht.

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Die Son­ne über der Eis­de­cke auf dem Ark­ti­schen Oze­an am Nord­pol: Dort ist es der­zeit viel zu warm.

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Ro­land Roth

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