Ge­duld, Freun­de!

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SPORT - Von Bernd Hüt­ten­ho­fer

Laut tönt das Weh­kla­gen durchs Sport­land, wenn sich ei­ner der Prot­ago­nis­ten als Spiel­ver­der­ber er­weist und dem Sport den schein­bar ent­schei­den­den Fak­tor nimmt: die Un­vor­her­seh­bar­keit. Von Fuß­ball-Dau­er­sie­ger FC Bay­ern sind vie­le so ex­trem ge­nervt, dass sie die Mün­che­ner lan­ge vor der Win­ter­pau­se zum Meis­ter er­klä­ren wol­len, spä­tes­tens aber, wenn sie mehr als drei Punk­te Vor­sprung ha­ben.

Dass die Münch­ner Po­kal­sie­ger wer­den, war auch schon ab­ge­mach­te Sa­che, als sie En­de April im Halb­fi­na­le Bo­rus­sia Dort­mund im ei­ge­nen Sta­di­on emp­fin­gen. Guar­dio­las Star­auf­ge­bot war tat­säch­lich auch in die­sem Spiel die bes­se­re Mann­schaft, aber ge­won­nen ha­ben die Dort­mun­der. Of­fen­sicht­lich hat­te je­mand et­was da­ge­gen, dass die Bay­ern an die­sem Tag als Sie­ger vom Platz ge­hen; ger­ne wird in sol­chen Fäl­len der Fuß­ball­gott be­müht.

Je­den­falls hat­te sich die­ses Spiel ei­ne un­ver­gess­li­che Schluss­poin­te auf­be­wahrt, denn die Bay­ern ab­sol­vier­ten nicht nur das be­schei­dens­te Elf­me­ter­schie­ßen ih­rer ruhm­rei­chen Vereinsgeschichte, son­dern auch das ku­rio­ses­te. Slap­stick in Rein­kul­tur. Dass ei­ner bei ei­nem wich­ti­gen Elf­me­ter­schuss aus­rutscht, kann­te die Welt seit dem Cham­pi­ons-Le­ague-Fi­na­le 2008, als Chel­seas John Terry ge­gen Man­ches­ter Uni­ted den ver­dien­ten Sieg ver­gab. Neu war, dass zwei Spie­ler ex­akt den­sel­ben Fehl­schuss prä­sen­tie­ren, nach­ein­an­der: an der­sel­ben Stel­le aus­rut­schen, mit rechts drü­ber – an der­sel­ben Stel­le überm Bal­ken. Phil­ipp Lahm und Xa­bi Alon­so ge­bührt der ver­gif­te­te Re­spekt für die­ses Kunst­stück, das ab­sicht­lich der­art per­fekt nie­mals wie­der­hol­bar wä­re. Fuß­ball ist ein selt­sa­mes Spiel – und wahr­schein­lich des­halb der ein­zi­ge Sport, der ei­nen ei­ge­nen Gott be­an­sprucht.

Im Bo­xen braucht's kei­nen, da ha­ben sie Ring­rich­ter. Aber nicht ein­mal die wa­ren En­de No­vem­ber in der La­ge, die Pro­gno­sen beim be­reits zu­vor ent­schie­de­nen Kampf zwi­schen Meis­ter­bo­xer Wla­di­mir Klitsch­ko und dem chan­cen­lo­sen Ty­son Fu­ry zu be­stä­ti­gen. Über­ra­schen­der­wei­se ent­pupp­te sich der Bri­te mit sei­nen Zwei­me­ter­sechs, sei­nen lan­gen Ar­men und sei­nem un­kon­ven­tio­nel­len Stil je­doch als ex­trem sper­ri­ger Ge­sel­le und ließ den sonst so do­mi­nan­ten Ukrai­ner ur­alt aus­se­hen – und rat­los. Dass Klitsch­ko so schlecht bo­xen kann, wuss­te man gar nicht.

Ist halt Sport: Oft ge­winnt der Bes­se­re und meist der Fa­vo­rit, aber halt nicht im­mer. Man muss nur war­ten kön­nen.

FOTOS: DPA

Und wie­der heißt es hoch das Bein: Erst schei­tert Xa­bi Alon­so, dann auch noch Phil­ipp Lahm.

FOTO: RO­LAND RASEMANN

Spä­ter vom Sturm hin­weg­ge­fegt, im April noch als Bun­des­trai­ner im Amt: Pat Cor­ti­na in der Ra­vens­bur­ger Eis­sport­hal­le.

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