Kein Jahr für Op­ti­mis­ten

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SPORT - Von Hen­drik Groth

er welt­wei­te Ter­ror und Krie­ge ha­ben 2015 ge­prägt: Af­gha­nis­tan, Frank­reich, Ni­ge­ria, Li­by­en, Irak, Sy­ri­en und auch noch die Ukrai­ne. Die­se Auf­lis­tung ist un­voll­stän­dig und zeigt doch, vor wel­chen Schwie­rig­kei­ten die Mensch­heit steht. Und auch für bun­des­deut­sche Ver­hält­nis­se war 2015 ein aus­ge­spro­chen pro­ble­ma­ti­sches Jahr. Vor al­lem die Flücht­lings­kri­se mit über ei­ner Mil­li­on Schutz­su­chen­den hat das Land wie die Be­völ­ke­rung ge­for­dert.

Die Hilfs­be­reit­schaft der Deut­schen war über­ra­gend. Un­ab­hän­gig von der pau­sen­lo­sen Not­hil­fe vie­ler Frei­wil­li­ger ge­riet die Po­li­tik je­doch ins Sch­lin­gern. 2014 noch völ­lig un­denk­bar, wur­de teils mas­si­ve Kri­tik aus der Uni­on an der CDU-Vor­sit­zen­den An­ge­la Mer­kel laut. Doch nicht nur in Deutsch­land, auch in Eu­ro­pa wur­de über die Po­si­tio­nie­rung der Bun­des­kanz­le­rin hef­tig de­bat­tiert. Oh­ne­hin be­fand sich im ab­ge­lau­fe­nen Jahr die EU in ei­nem kläg­li­chen Zu­stand. Ein­zel­in­ter­es­sen und of­fe­ne Eu­ro­pa-Skep­sis bis -Feind­schaft be­droh­ten den eu­ro­päi­schen Ge­dan­ken. Grie­chen­land, Un­garn, Groß­bri­tan­ni­en oder die Wah­l­er­fol­ge der Rechts­ex­tre­men in Frank­reich und Ös­ter­reich sei­en nur als Bei­spie­le ge­nannt. Der Kon­ti­nent steht des­halb 2016 am Schei­de­weg.

Wer sich zur Ablen­kung von die­sen Ent­wick­lun­gen dem Sport zu- wen­de­te, der merk­te recht schnell: Al­les beim al­ten. Der FC Bay­ern do­mi­nier­te die Fuß­ball-Bun­des­li­ga und spiel­te je nach Be­lie­ben (fast) je­den Geg­ner an die Wand. Ähn­li­ches gab es aus der For­mel 1 zu be­rich­ten. Mer­ce­des-Benz zeig­te der Kon­kur­renz re­gel­mä­ßig die Heck­spoi­ler und fei­er­te ei­nen Dop­pel­sieg nach dem an­de­ren. Span­nung geht an­ders. Die gab es hin­ge­gen bei der Fi­fa. Kor­rup­ti­ons­skan­da­le brach­ten den all­mäch­tig wir­ken­den Prä­si­den­ten Jo­seph Blat­ter ins Wan­ken. Blat­ter wur­de sus­pen­diert, ho­he Fi­fa-Funk­tio­nä­re wur­den mit­ten in Zü­rich ver­haf­tet. Vor kur­zer Zeit war das noch un­denk­bar. Es braucht kei­ne Glas­ku­gel, um zu ah­nen, dass die­se Ge­schich­te um viel Geld wei­ter­ge­hen wird. Und auch wenn es man­che Deut­sche nicht ger­ne hö­ren mö­gen, rund um das „Som­mer­mär­chen“- die WM in Deutsch­land 2006 – lief eben auch nicht al­les sau­ber.

Im No­vem­ber starb Hel­mut Schmidt. Für Deutsch­land war das ein schwe­rer Ver­lust. Be­we­gend der Staats­akt im Ham­bur­ger Mi­chel, als Ex-US-Au­ßen­mi­nis­ter Hen­ry Kis­sin­ger an den Bun­des­kanz­ler von 1974 bis 1982 er­in­ner­te. Fas­sungs­lo­sig­keit und viel An­teil­nah­me gab es, als im März ei­ne Ger­m­anwings-Ma­schi­ne in den fran­zö­si­schen Al­pen zer­schell­te. Al­le 150 In­sas­sen wur­den ge­tö­tet. Aus­lö­ser der Ka­ta­stro­phe wa­ren of­fen­bar psy­chi­sche Pro­ble­me des Co-Pi­lo­ten. Kurz­um: 2015 war kein Jahr für Op­ti­mis­ten.

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