ZF über­nimmt TRW: Som­mers Groß­tat

Der ZF-Chef hat die Über­nah­me von TRW bra­vou­rös durch­ge­zo­gen – Das Zu­sam­men­wach­sen wird Kraft kos­ten

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SPORT - Von Stef­fen Ran­ge

FRIED­RICHS­HA­FEN - Der US-Zu­lie­fe­rer ge­hört seit Frei­tag zum schwä­bi­schen Tech­no­lo­gie­kon­zern ZF. Die mil­li­ar­den­schwe­re Über­nah­me ist ein Tri­umph für Kon­zern­chef Ste­fan Som­mer. Doch nun be­ginnt die Ar­beit erst.

Der 10. Ju­li 2014 war ein schlech­ter Tag für ZF-Chef Ste­fan Som­mer. An je­nem Don­ners­tag mel­de­te die Nach­rich­ten­agen­tur Bloom­berg, ZF sei an der Über­nah­me des US-Zu­lie­fe­rers TRW in­ter­es­siert. Som­mer groll­te. Er hat­te das Ge­schäft zu­nächst ge­heim hal­ten wol­len. Mi­nu­ti­ös hat­te er das Vor­ge­hen vor­be­rei­tet, nur we­ni­ge Ver­trau­te wa­ren ein­ge­weiht. Nun aber durch­kreuz­ten in­dis­kre­te In­for­man­ten sei­nen Plan, wo­mög­lich um den Preis für TRW in die Hö­he zu trei­ben.

Es soll­te die ein­zi­ge gro­ße Pan­ne blei­ben. In­ner­halb ei­nes Jah­res hat Ste­fan Som­mer ei­ne der größ­ten Über­nah­men in der Zu­lie­fer­bran­che durch­ge­zo­gen: ge­schmei­dig, be­harr­lich und um­sich­tig. ZF zählt nun zu den größ­ten Aus­rüs­tern der Au­to­in­dus­trie. Der tra­di­ti­ons­rei­che schwä­bi­sche Kon­zern wird sich in den kom­men­den Jah­ren von Grund auf wan­deln; auch ZF-Chef Som­mer ha­be sich ver­än­dert, be­rich­ten Weg­ge­fähr­ten. Sie lern­ten den 52-Jäh­ri­gen in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten von ei­ner an­de­ren Sei­te ken­nen. Scho­nungs­lo­se Analyse Am An­fang der TRW-Über­nah­me stand ei­ne scho­nungs­lo­se Analyse. An­dert­halb Jah­re nach­dem Som­mer den Chef­pos­ten bei ZF an­ge­tre­ten hat­te, kam er En­de 2013 zum Er­geb­nis, dass das Ge­schäft mit Ge­trie­ben, Ach­sen und Stan­gen nicht mehr ge­nü­ge, um den Kon­zern in die Zu­kunft zu füh­ren. Das fah­rer­lo­se, di­gi­ta­le Au­to wer­de kom­men, Elek­trik und Elek­tro­nik spiel­ten ei­ne im­mer grö­ße­re Rol­le: um Si­cher­heits­sys­te­me zu steu­ern, Sprit zu spa­ren und Staus zu ver­mei­den. Som­mer sah sich nach mög­li­chen Part­nern um, die ZF die­ses Wis­sen ver­schaf­fen könn­ten – und fand in TRW ei­ne idea­le Er­gän­zung. Er muss über­zeu­gend auf­ge­tre­ten sein im Mai 2014, als er TRWChef John C. Plant traf. Der bri­ti­sche Topma­na­ger – Jah­res­ge­halt: 77 Mil­lio­nen Dol­lar – je­den­falls be­auf­trag­te kurz nach Som­mers Be­such die In­vest­ment­bank Gold­man Sachs, die auf Fir­men­zu­sam­men­schlüs­se spe­zia­li­siert ist. Auch Som­mer schal­te­te Be­ra­ter der Spit­zen­klas­se ein. Er

Achs­ge­trie­be

Fried­richs­ha­fen

Fahr­werk­kom­po­nen­ten

Ge­trie­be

Achs­sys­te­me

Elek­tri­sche An­trie­be

fand sie bei der Deut­schen Bank und in der Kanz­lei Gleiss Lutz. Ih­nen fiel die Auf­ga­be zu, Bör­sen­auf­sicht, Wett­be­werbs­hü­ter und Fi­nanz­mak­ler von dem Bünd­nis zu über­zeu­gen.

Qu­el­le: „Auf bei­den Sei­ten ha­ben sehr gu­te An­wäl­te ge­ar­bei­tet“, ana­ly­siert USWirt­schafts­an­walt Ja­mes Black.

Som­mer selbst er­wies sich als ge­wand­ter Di­plo­mat. Er ver­bün­de­te sich mit Auf­sichts­rats­chef Gior­gio Behr und ge­wann den Fried­richs­ha­fe­ner OB Andre­as Brand, der im Auf­sichts­rat die Zep­pe­lin-Stif­tung ver­tritt. Sie wird von der Stadt Fried­richs­ha­fen ver­wal­tet und hält 93,8 Pro­zent der An­tei­le an ZF. Som­mer zog den mäch­ti­gen Be­triebs­rats­chef Achim Dietrich-Ste­phan auf sei­ne Sei­te und zer­streu­te Be­den­ken der Ge­werk­schaft IG Me­tall. Die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung leg­te so­gar ein Gut­ach­ten der ge­werk­schafts­na­hen Hans-Böck­ler-Stif­tung vor. Kern­aus­sa­ge: Die TRW-Über­nah­me ist sinn­voll und zu be­wäl­ti­gen. Da­mit war die Ar­beit­neh­mer­sei­te be­frie­det. Ge­spür be­wies Som­mer auch bei der Fi­nan­zie­rung. Sein Vor­stands­kol­le­ge Kon­stan­tin Sau­er er­ar­bei­te­te ei­nen Fi­nan­zie­rungs­plan, der kon­ser­va­tiv bis auf die Kno­chen war. Die Ei­gen­tü­mer konn­ten der Trans­ak­ti­on gu­ten Ge­wis­sens zu­stim­men. Am 15. Sep­tem­ber schließ­lich be­kun­de­te ZF öf­fent­lich, TRW kau­fen zu wol- len.

Man­che sa­gen, Som­mer be­we­ge sich seit­dem in an­de­ren Sphä­ren. Nicht mehr die An­er­ken­nung der Men­schen vom Bo­den­see sei ihm wich­tig, son­dern der Er­folg an den Fi­nanz­plät­zen New York und Lon­don. Ei­ni­ge Ge­schäfts­freun­de aus frü­he­ren Ta­gen grü­ßen Som­mer an­geb­lich nicht mehr. An­de­re wis­sen zu be­rich­ten, Som­mer sei hart zu sich selbst und zu an­de­ren ge­wor­den, schnei­den­der, und er hö­re sel­te­ner auf Rat­schlä­ge. Der Kon­zern­chef ha­be nur noch we­nig ge­mein mit dem ju­gend­lich wir­ken­den Ma­na­ger, der kurz nach sei­nem Amts­an­tritt ver­sprach: „Bei mir kann je­der sa­gen, was er denkt.“ Die Mü­hen der Ebe­ne Der ver­meint­lich sanf­te Er­neue­rer hat sich als kühl­kal­ku­lie­ren­der Re­vo­lu­tio­när ent­puppt. Auf den Er­folg der Über­nah­me fol­gen nun die Mü­hen der Ebe­ne. „Es ist ein di­cker Bro­cken, der ver­daut wer­den will“, sagt Ma­nage­ment­ex­per­te Pro­fes­sor Ste­fan Brat­zel. Zwei grund­ver­schie­de­ne Un­ter­neh­men müss­ten zu­sam­men­ge­fügt wer­den. „Ein lang­fris­tig ori-

Fah­re­ras­sis­tenz­sys­te­me

Li­vo­nia

In­sas­sen­schutz­sys­te­me

Lenk­sys­te­me

Elek­trik und Sen­so­ren

Brems­sys­te­me

en­t­ier­tes deut­sches Un­ter­neh­men trifft auf ame­ri­ka­ni­sche Kul­tur, die ein Stück weit kurz­at­mi­ger ist.“An die­sem Punkt sind schon vie­le Fir­men ge­schei­tert. Daim­lerChrys­ler ist das ab­schre­cken­de Vor­bild. Der ZF-Chef will es bes­ser ma­chen. Er hat ei­nen Un­ter­neh­mens­be­ra­ter als In­te­gra­ti­ons­ma­na­ger be­ru­fen und mit dem TRW-Ma­na­ger Pe­ter La­ke ei­nen Ame­ri­ka­ner in den Vor­stand ge­holt.

Som­mer be­greift das Bünd­nis mit den Ame­ri­ka­nern als Chan­ce, sei­nen Kon­zern zu ver­bes­sern. Denn die in Jahr­zehn­ten ge­wach­se­ne ZF-Kul­tur för­dert auch be­stimm­te Ei­gen­hei­ten, die das Un­ter­neh­men schwer­fäl­lig ma­chen: ein mäch­ti­ger Be­triebs­rat, der wie ei­ne Ne­ben­re­gie­rung auf­tritt, und selbst­be­wuss­te Un­ter­fürs­ten, die bis­wei­len Vor­stands­be­schlüs­se tor­pe­die­ren. Som­mer sä­he es ger­ne, wenn die ZF schnel­ler zu Ent­schei­dun­gen kä­me, wenn sich der Kon­zern ra­scher auf Be­dürf­nis­se des Mas­sen­markts ein­stell­te. Das be­herr­sche TRW bes­ser. Am Frei­tag be­kräf­tig­te der ZF-Chef: „Wir wol­len das Bes­te aus bei­den Wel­ten zu­sam­men­füh­ren.“

FOTO: DPA

ZF-Chef Ste­fan Som­mer

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.