Bay­ern ist am Kar­frei­tag zu streng

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zwingt Staats­re­gie­rung, das Fei­er­tags­ge­setz zu über­ar­bei­ten

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIR IM SÜDEN -

KARLSRUHE/MÜNCHEN (lby/sz) Der aus­nahms­lo­se Schutz des Kar­frei­tags in Bay­ern ver­stößt ge­gen das Grund­ge­setz. Das hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt mit ei­nem am Mitt­woch ver­öf­fent­lich­ten Be­schluss fest­ge­stellt. Die Karls­ru­her Rich­ter ga­ben da­mit ei­ner Ver­fas­sungs­be­schwer­de des Bun­des für Geis­tes­frei­heit statt.

Wie die Staats­re­gie­rung nach dem Ur­teil künf­tig mit der Ge­neh­mi­gung von öf­fent­li­chen Un­ter­hal­tungs­ver­an­stal­tun­gen an den so­ge­nann­ten stil­len Fei­er­ta­gen ver­fah­ren wird, ist of­fen. „Wir wer­den dem Schutz des Kar­frei­tags und der stil­len Ta­ge wei­ter­hin Vor­rang ein­räu­men“, sag­te der baye­ri­sche In­nen­mi­nis­ter Joa­chim Herr­mann (CSU). Die Staats­re­gie­rung wer­de „in Ru­he prü­fen“, wie die vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ge­for­der­ten Aus­nah­me­mög­lich­kei­ten ge­stal­tet wer­den kön­nen.

Der Bund für Geis­tes­frei­heit ver­tritt die In­ter­es­sen kon­fes­si­ons­lo­ser Men­schen und will die strik­te Tren­nung von Kir­che und Staat. Um die baye­ri­sche Re­ge­lung ge­richt­lich prü­fen zu las­sen, hat­te die Grup­pie­rung am Kar­frei­tag 2007 ei­ne Ver­an­stal­tung in ei­nem Münch­ner Thea­ter or­ga­ni­siert. Die zum Ab­schluss ge­plan­te „Hei­den­spaß-Par­ty“wur­de – wie ab­zu­se­hen war – un­ter­sagt.

Zu Un­recht, sag­te nun das Ver­fas­sungs­ge­richt. Zwar darf der Kar­frei­tag als „stil­ler Tag“laut Be­schluss be­son­ders ge­schützt wer­den. Je­de Be­frei­ungs­mög­lich­keit von vor­ne­her­ein aus­zu­schlie­ßen, sei aber un­ver­hält­nis­mä­ßig. Im Süd­wes­ten mehr Aus­nah­men Mit Aus­nah­me des Tags der Deut­schen Ein­heit sind die Fei­er­ta­ge in Deutsch­land durch Lan­des­ge­set­ze fest­ge­legt. Die so­ge­nann­ten stil­len Ta­ge ge­nie­ßen spe­zi­el­len Schutz. Die strik­tes­ten Re­geln gel­ten für den Kar­frei­tag. In Ba­den-Würt­tem­berg wa­ren die zu­vor stren­gen Re­geln 2015 von der da­ma­li­gen grün-ro­ten Lan­des­re­gie­rung ge­lo­ckert wor­den. Ein Tanz­ver­bot am Kar­frei­tag gilt aber wei­ter­hin – wenn­gleich die ak­tu­el­le Re­ge­lung mehr Aus­nah­men vor­sieht als in Bay­ern, wie ein Spre­cher des Stutt­gar­ter In­nen­mi­nis­te­ri­ums er­läu­ter­te. So dür­fen Ver­an­stal­tun­gen statt­fin­den, „die der Wür­de des Fei­er­tags“oder „hö­he­ren In­ter­es­sen der Kunst, Wis­sen­schaft oder Volks­bil­dung“die­nen. Des­we­gen sei das Ur­teil zu den baye­ri­schen Re­ge­lun­gen „nicht eins zu eins auf Ba­den-Würt­tem­berg zu über­tra­gen“, so der Mi­nis­te­ri­ums­spre­cher. Man wer­de nun die schrift­li­che Ur­teils­be­grün­dung ab­war­ten und dann prü­fen, ob die ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Re­ge­lun­gen über­ar­bei­tet wer­den müs­sen.

FOTO: DPA

Bay­ern darf Tanz­ver­an­stal­tun­gen am Kar­frei­tag nicht strikt ver­bie­ten.

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