So­zi­al­ver­si­che­rungs­be­trug in 100 Fäl­len

Mann und des­sen Ehe­frau er­hal­ten Be­wäh­rungs­stra­fen – Mehr als 100 000 Eu­ro ver­un­treut

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - RUND UM SIGMARINGEN - Von Patrick Laabs

RUND UM SIGMARINGEN - Der Ge­schäfts­füh­rer ei­nes Hand­werks­be­triebs aus ei­ner der Nach­bar­ge­mein­den Sig­ma­rin­gens und des­sen Ehe­frau ha­ben vor dem Sig­ma­rin­ger Amts­ge­richt Frei­heits­stra­fen be­kom­men, aus­ge­setzt zu zwei Jah­ren Be­wäh­rung. Ih­nen wur­de vor­ge­wor­fen, im Zei­t­raum zwi­schen 2009 und 2014 in mehr als 100 Fäl­len So­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge nicht ord­nungs­ge­mäß ab­ge­führt zu ha­ben. Der Scha­den be­lief sich ins­ge­samt auf mehr als 100 000 Eu­ro.

Die bei­den An­ge­klag­ten zeig­ten sich vor Ge­richt ge­stän­dig. Da sie zu­dem in der Zwi­schen­zeit be­reits ei­nen gro­ßen Teil der Scha­dens­sum­me nach­ge­zahlt hät­ten – nur noch rund 35 000 Eu­ro sei­en üb­rig – ver­stän­dig­ten sich Staats­an­walt­schaft und Ver­tei­di­ger dar­auf, kei­ne Haupt­ver­hand­lung zu füh­ren, son­dern die Ur­teils­fin­dung mit­tels der Aus­stel­lung zwei­er Straf­be­feh­le zu be­schleu­ni­gen. Ehe­frau küm­mert sich um die Buch­füh­rung Dies ist nur mög­lich, wenn die Frei­heits­stra­fe elf Mo­na­te nicht über­steigt. Staats­an­walt und Ver­tei­di­ger ei­nig­ten sich ver­gleichs­wei­se schnell auf elf Mo­na­te für den 59-jäh­ri­gen Ge­schäfts­füh­rer, der sich im Be­trieb für die tech­ni­sche Sei­te ver­ant­wort­lich zeich­ne­te, und auf sechs Mo­na­te für die 51-jäh­ri­ge Ehe­frau, die die Buch­hal­tung in­ne­hat­te. Zahl­rei­che fik­ti­ve Be­schäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se Wes­halb die bei­den An­ge­klag­ten ei­nen so im­men­sen So­zi­al­ver­si­che­rungs­be­trug be­gin­gen, klär­te das Ge­richt nicht. Der Staats­an­walt mach­te aber deut­lich, dass er ei­nen sol­chen Fall sel­ten er­lebt ha­be, die bei­den hät­ten „enorm ge­trickst“, um So­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge ein­zu­spa­ren. So hät­ten sie bei­spiels­wei­se fik­ti­ve Be­schäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se in­iti­iert und es ha­be Lohn­split­ting ge­ge­ben, da­mit die Be­schäf­tig­ten of­fi­zi­ell nicht auf mehr als 450 Eu­ro Mo­nats­lohn ka­men. Die „Art und Wei­se des kri­mi­nel­len Un­rechts“fand auch Rich­te­rin Na­di­ne Zie­her ver­blüf­fend. Sie war aber auch der Mei­nung, dass ei­ne Geld­stra­fe zu­sätz­lich zur Be­wäh­rungs­stra­fe we­nig brin­ge, schließ­lich soll­ten die bei­den An­ge­klag­ten jetzt ver­su­chen, „den La­den wie­der zum Lau­fen zu brin­gen“.

Der Ver­tei­di­ger der Frau ließ durch­bli­cken, dass es die bei­den An­ge­klag­ten größ­te Mü­hen ge­kos­tet ha­be, den Be­trieb bis zum heu­ti­gen Ta­ge auf­recht­zu­er­hal­ten, die In­sol­venz ha­be ge­droht: „Noch aber be­steht die Fir­ma“, sag­te er.

FOTO: DPA

Ei­nen So­zi­al­ver­si­che­rungs­be­trug in Hö­he von rund 100 000 Eu­ro ha­ben sich die Be­trei­ber ei­ner Hand­werks­fir­ma zu­schul­den kom­men las­sen.

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