Aus­stel­lung „Twist“: Ga­le­rie Wohl­hü­ter wird zum Re­fle­xi­ons­raum

Bis zum 18. De­zem­ber sind die Wer­ke von Sa­ti Zech und Wer­ner Mal­ly zu se­hen

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MESSKIRCH -

THALHEIM (vr) - Ei­ne Ver­nis­sa­ge mit vie­len Be­su­chern hat die Aus­stel­lung „Twist“mit Wer­ken von Sa­ti Zech und Wer­ner Mal­ly in der Ga­le­rie Wohl­hü­ter er­öff­net. Bei­de Künst­ler könn­ten un­ter­schied­li­cher nicht sein, doch ge­hen ih­re Wer­ke in ei­nen Dia­log, den die Ga­le­ris­ten ge­konnt in­sze­niert ha­ben.

Die ro­ten Bol­len von Sa­ti Zech ru­fen ei­nem et­was zu. Da­ge­gen sind die ge­säg­ten Holz­win­dun­gen von Wer­ner Mal­ly lei­se und ver­füh­ren zum ru­hi­gen In­ne­hal­ten. Der Be­su­cher fragt sich, wie ist das tech­nisch ge­macht, dass aus ei­nem Stamm über­haupt et­was Drei-Ge­glie­der­tes her­aus­kris­tal­li­siert wer­den kann, das der Baum aber be­reits in sich trug.

In sei­ner Lau­da­tio führ­te der Kunst­his­to­ri­ker Ste­fan Graupner das Pu­bli­kum in die Schaf­fens­welt und künst­le­ri­sche Po­si­tio­nen bei­der Künst­ler ein. Er be­schrieb die Stim­mung in den Ate­liers der Künst­ler: in Berlin, wo­hin Sa­ti Zech vor der ba­di­schen En­ge ent­flo­hen ist, ein Ate­lier, in dem Wer­ke par­al­lel wie Bau­stel­len vor­an­ge­trie­ben wer­den. Hier schnei­det sie et­was her­aus, dort fügt sie et­was an, tas­tend und in Schich­ten. Wer­ner Mal­ly ha­be ein sehr struk­tu­rier­tes und ge­nau ge­ord­ne­tes Ate­lier, ver­riet Graupner. Dort ent­ste­hen die Wer­ke mit Be­dacht, ge­dank­lich ge­nau vor­be­rei­tet, weil ein falsch ge­setz­ter Schnitt das Werk kom­plett zer­stö­re. Für Wer­ner Mal­ly ist es die Durch­sicht, was an ei­ner Skulp­tur re­le­vant ist, be­rich­tet Graupner. „Bei der drei­fa­chen ’He­lix’ ist ei­ne ge­wis­se Un­über­sicht­lich­keit oder Kom­ple­xi­tät wich­tig, bei der man fast den Über­blick ver­liert, wie vie­le Tei­le an die­ser Be­we­gung be­tei­ligt sind. Man muss ste­hen blei­ben und die drei Punk­te oder den Be­ginn und das En­de ei­ner Be­we­gung ab­zäh­len, um zu se­hen, dass es drei ro­tie­ren­de Wen­del sind“, zi­tiert Graupner den Künst­ler Mal­ly.

So wird der Aus­stel­lungs­raum zum Re­fle­xi­ons­raum, aber nicht nur für den Be­su­cher, son­dern auch für Sa­ti Zech, die dort die tat­säch­li­che Wir­kung ih­rer Wer­ke aus der Dis­tanz ge­nießt. Im Ate­lier ist zu viel Dy­na­mik in der Luft, über­la­gern sich die Ar­bei­ten zu sehr. In der Ga­le­rie Wohl­hü­ter ist die Gestal­tung der Aus­stel­lung sehr ge­lun­gen. Von Sa­ti Zech hängt ein gro­ßes Tuch mit vie­len klei­nen an­ein­an­der ge­reih­ten ro­ten Bol­len, die wie ei­ne Viel­zahl von Sie­geln an­mu­ten, aber auch Wor­te, ei­ne Bot­schaft oder Ge­sich­ter sein könn­ten. „Bei den Bol­len han­delt es sich um Rhyth­mus, um Spra­che, um Luft­ho­len, es sind teil­wei­se Ge­sän­ge, kurz­um: ge­ball­te Spra­che“, er­klärt Graupner. Das Werk ist ei­ne Ge­schich­te, mit Lü­cken, die je­der Be­trach­ter für sich ent­zif­fern kann. Der Blick ist von Sa­ti Zechs Text wie ge­bannt und an­ge­zo­gen. Der Be­su­cher nimmt Platz auf der gel­ben Couch, um sich dar­auf ein­zu­las­sen. Dann ver­nimmt er aber die lei­se Stim­me der „Ice blau­en Wol­ke“, die der Ga­le­rist ein­fach auf dem Bo­den plat­ziert hat, vor den Fü­ßen des Be­su­chers. Und jetzt ent­steht ein neu­er Dia­log, ein Dia­log zu Dritt. Die Aus­stel­lung „Twist“ist bis Sonn­tag, 18. De­zem­ber zu se­hen. Öff­nungs­zei­ten sind frei­tags 13 bis 18 Uhr, sams­tags 10 bis 13 Uhr und an den Sonn­ta­gen, 11. und 18. De­zem­ber, so­wie nach Ver­ein­ba­rung (Te­le­fon: 07575/1370).

FOTO: VR

Bis 18. De­zem­ber ist die Aus­stel­lung „Twist“in Thalheim zu se­hen.

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