Pfle­ge­be­dürf­ti­ge sol­len bes­ser be­ra­ten wer­den

Gro­ße Ko­ali­ti­on be­schließt drit­tes Pfle­ge­stär­kungs­ge­setz – Pa­ti­en­ten­schüt­zer üben Kri­tik

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND -

BER­LIN (dpa) - Die 2,8 Mil­lio­nen Pfle­ge­be­dürf­ti­gen und ih­re An­ge­hö­ri­gen sol­len künf­tig bes­ser über Mög­lich­kei­ten der Pfle­ge be­ra­ten wer­den. Kom­mu­nen sol­len Be­ra­tung ver­stärkt ver­mit­teln und mit der Al­ten­hil­fe und an­de­ren Trä­gern ab­stim­men. Das sieht das drit­te Pfle­ge­stär­kungs­ge­setz vor, das die Ko­ali­ti­on am Don­ners­tag im Bun­des­tag be­schloss. Die Lin­ken und die Grü­nen üb­ten mas­si­ve Kri­tik und stimm­ten ge­gen das Ge­setz.

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Her­mann Grö­he (CDU) wies dar­auf hin, dass sich das Ge­setz in ei­ne Rei­he von Pfle­ge­re­for­men ein­glie­dert. So sol­len De­menz­kran­ke ab kom­men­dem Jahr glei­chen Zu­gang zu den Un­ter­stüt­zungs­an­ge­bo­ten er­hal­ten. Aus­rich­ten sol­le sich die Hil­fe im Zu­ge der Um­stel­lung der bis­he­ri­gen Pfle­ge­stu­fen auf Pfle­ge­gra­de stär­ker am per­sön­li­chen Be­darf. „Das macht aber auch bes­se­re Be­ra­tung er­for­der­lich.“Lin­ke und Grü­ne kri­ti­sier­ten die Schrit­te als un­zu­rei­chend.

Für ei­nen Aus­bau des Net­zes der Be­ra­tungs­stel­len sol­len Kom­mu­nen für die Dau­er von fünf Jah­ren ein Initia­tiv­recht zur Ein­rich­tung von Pfle­ge­stütz­punk­ten er­hal­ten. Be­ra­tung aus ei­ner Hand durch kom­mu­na­le Stel­len soll mo­dell­haft in bis zu 60 Land­krei­sen und kreis­frei­en Städ­ten er­probt wer­den.

Be­trü­gern in der am­bu­lan­ten Pfle­ge soll es schwe­rer ge­macht wer­den: Ge­gen Abrech­nungs­be­trug soll die ge­setz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung ein sys­te­ma­ti­sches Prüf­recht er­hal­ten. Bis­her konn­ten die Kon­trol­leu­re der Kran­ken­ver­si­che­rung nur bei Di­ens­ten der am­bu­lan­ten Al­ten­pfle­ge tä­tig wer­den, nicht aber bei sol­chen, die aus­schließ­lich häus­li­che Kran­ken­pfle­ge an­bie­ten. Fäl­le von Abrech­nungs­be­trug hat­ten für Schlag­zei­len ge­sorgt, bei de­nen sich Pfle­ge­be­dürf­ti­ge, An­ge­hö­ri­ge und be­trü­ge­ri­sche Di­ens­te zu­sam­men­ge­tan ha­ben sol­len.

Nach jüngs­ten To­des­fäl­len im Zu­ge von Heil­prak­ti­ker-Be­hand­lun­gen wird zu­dem ei­ne recht­li­che Grund­la­ge für Leit­li­ni­en zur Über­prü­fung von Heil­prak­ti­ker­an­wär­tern ge­schaf­fen.

An den Plä­nen für mehr Pfle­ge­be­ra­tung gab es Kri­tik. „Par­al­le­le Ver­sor­gungs­struk­tu­ren in der Pfle­ge­be­ra­tung hel­fen den be­trof­fe­nen Men­schen nicht wei­ter“, warn­te der Chef der ba­den-würt­tem­ber­gi­schen AOK, Chris­to­pher Her­mann.

Der Vor­stand der Deut­schen Stif­tung Pa­ti­en­ten­schutz, Eu­gen Brysch, be­män­gel­te: „Die Pfle­ge­be­ra­tung bleibt in­trans­pa­rent.“Das Ne­ben­ein­an­der von Pfle­ge­kas­sen, Pfle­ge­diens­ten oder Pfle­ge­stütz­punk­ten blei­be wei­ter­hin mög­lich.

FO­TO: DPA

De­menz­kran­ke er­hal­ten ab kom­men­dem Jahr den glei­chen Zu­gang zur Un­ter­stüt­zung wie Men­schen mit kör­per­li­chen Lei­den.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.