Be­hut­sam auf rich­ti­gem Weg

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Sa­bi­ne Lenn­artz

Blin­de schwim­men in der Spree, Roll­stuhl­fah­rer ket­ten sich an. Der Pro­test ge­gen das Bun­des­teil­ha­be­ge­setz ist emo­tio­nal. Es ist mit gro­ßen Ängs­ten ver­bun­den. Das ist kein Wun­der, denn gera­de Be­hin­der­te sind be­son­ders auf den Staat an­ge­wie­sen. Doch man­che Sor­gen schei­nen un­be­grün­det. Denn das Teil­ha­be­ge­setz ist kein Ge­setz, das Kos­ten ein­spa­ren will, son­dern ei­nes, das 800 Mil­lio­nen Eu­ro zu­sätz­lich be­reit­stellt, um be­hin­der­te Men­schen bes­ser zu ver­sor­gen, ih­nen mehr Teil­ha­be zu er­mög­li­chen.

Be­hin­der­te wur­den bei den Be­ra­tun­gen ge­hört, und vie­les im par­la­men­ta­ri­schen Ver­fah­ren noch ge­än­dert. Zum Bei­spiel sind die Hür­den, dass ein Be­hin­der­ter, wenn sein Part­ner stirbt, sei­ne ge­wohn­te Um­ge­bung ver­las­sen und in ein Heim zie­hen muss, sehr hoch ge­legt wor­den. Ar­beits­mi­nis­te­rin Andrea Nah­les hat ver­si­chert, dass sich noch man­che Ängs­te bis 2023 auf­lö­sen wer­den. Wenn nicht, muss die Po­li­tik nach­bes­sern, denn gera­de Be­hin­der­te ha­ben die größ­te Auf­merk­sam­keit ver­dient.

An man­chen Stel­len je­doch ist die Kri­tik am neu­en Ge­setz et­was über­zo­gen. So wen­den sich die glei­chen Be­hin­der­ten, die ganz selbst­ver­ständ­lich im ge­mein­sa­men Bus zur De­mons­tra­ti­on nach Ber­lin kom­men, ge­gen je­de Zwangs­fahr­ge­mein­schaf­ten, wenn sie ins Ki­no wol­len. s.lenn­artz@schwa­ebi­sche.de

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