15-Jäh­ri­ger zer­reißt sei­ne Ur­kun­de der Sport­ler­wahl

Zahl­rei­che Ti­tel von Tim Groo­ther­der wer­den ver­ges­sen – Sport­kreis räumt Feh­ler ein

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SIGMARINGEN - Von An­na-Le­na Buch­mai­er

SIG­MA­RIN­GEN - Es soll­te ein schö­nes Er­eig­nis wer­den, bei dem Tim Groo­ther­ders sport­li­che Leis­tun­gen im Kick­bo­xen ge­büh­rend ge­ehrt wer­den soll­ten. Es folg­te ein un­sport­li­ches Nach­spiel. Bei der Sport­ler­eh­rung in Sig­ma­rin­gen Mit­te No­vem­ber er­hielt der 15-Jäh­ri­ge aus Her­ber­tin­gen den fünf­ten Platz in der Ka­te­go­rie Ju­gend­sport­ler/ Jun­gen. Die Plat­zie­rung er­folg­te je­doch auf Grund­la­ge der Er­fol­ge des Ju­gend­li­chen aus dem Jahr 2015 – sämt­li­che Ti­tel aus 2016, dar­un­ter sein Deut­scher-Meis­ter-Ti­tel, wur­den ver­ges­sen und konn­ten nicht als Grund­la­ge für ei­ne hö­he­re Plat­zie­rung ge­wer­tet wer­den.

Vom Sport­kreis gab es ei­ne Ent­schul­di­gung – und Geld. Tims Va­ter wirft Ei­se­mann vor, den Jun­gen da­mit „kau­fen“zu wol­len. Sport­kreisPrä­si­den­tin Sven­ja Ei­se­mann gibt ge­gen­über der SZ ei­nen Feh­ler zu, strei­tet aber ab, dass es sich bei dem Be­trag von 300 Eu­ro um Schwei­ge­geld ge­han­delt ha­ben soll.

Die Vor­schlä­ge der Ver­ei­ne wer­den vom Sport­kreis an ei­ne et­wa 20köp­fi­ge Ju­ry wei­ter­ge­ge­ben, dar­un­ter Bür­ger­meis­ter, Spon­so­ren­ver­tre­ter, Sport­kreis­ver­tre­ter, die Land­rä­tin, der frü­he­re Land­rat und der Re­dak­ti­ons­lei­ter der Schwä­bi­schen Zei­tung Sig­ma­rin­gen. „Die ge­hei­me Wahl er­folgt auf Grund­la­ge der er­ziel­ten Er­fol­ge“, sagt Tims Va­ter und Trai­ner Ro­land Groo­ther­der. Tims Ti­tel wur­den vom Kick­box-Ver­ein Mar­bach kor­rekt ein­ge­reicht. Der 15Jäh­ri­ge wur­de no­mi­niert und sei er­war­tungs­voll zu der Ver­an­stal­tung ge­gan­gen. Bei der Vor­stel­lung der Kan­di­da­ten wur­den ein Bild und die Er­fol­ge des Sport­lers ein­ge­blen­det. „Bei Tim war die Prä­sen­ta­ti­on un­voll­stän­dig“, sagt Groo­ther­der . Es reich­te nur für den fünf­ten Platz. Die Ju­ry wuss­te von Tims Er­fol­gen aus dem Jahr 2015: 1. Platz Ba­va­ria Open (Leicht­kon­takt Kick­bo­xen), 1. Platz Ma­nus Tro­phy, Ju­gend A (LK), 3. Platz Deut­sche Meis­ter­schaft (Po­int­fight­ing Kick­bo­xen) so­wie 2. Platz Baye­ri­sche Meis­ter­schaft (PF). Fol­gen­de Ti­tel aus dem Jahr 2016 wur­den ver­ges­sen: 1. Platz Ba­va­ria Open, Ju­gend A (PF), 1. Platz Adi­das

„Tim war der ein­zi­ge Deut­sche Meis­ter auf der Büh­ne“, sagt Tims Va­ter, der da­von über­zeugt ist, dass es sein Sohn un­ter Be­rück­sich­ti­gung al­ler Er­fol­ge auf Platz eins ge­schafft und so­mit 500 Eu­ro Preis­geld er­hal­ten hät­te. An­spruch dar­auf er­he­be er frei­lich nicht. „Mei­ne Frau und ich ha­ben Frau Ei­se­mann so­fort auf den Feh­ler hin­ge­wie­sen, doch es hat sie erst ein­mal nicht in­ter­es­siert“, be­rich­tet der Her­ber­tin­ger. Im An­schluss an die Ver­an­stal­tung sei Ei­se­mann auf die Fa­mi­lie zu­ge­kom­men und hät­te sich ent­schul­digt.

„Tim war sehr ent­täuscht“, be­rich­tet Groo­ther­der. „Ich se­he, was er leis­tet, er hat fast sei­ne ge­sam­ten Fe­ri­en fürs Trai­ning ge­op­fert.“Tim ha­be am Abend der Wahl auf sei­ne Ur­kun­de ge­schrie­ben: ,Gruß vom Wart­burg Clas­sic 2016, Ju­gend A (PF), 1. Platz Ma­nus Tro­phy (Hes­sen Cup), Ju­gend A (PF), 1. Platz Deut­sche Meis­ter­schaft, Ju­gend A (PF), 3. Platz Deut­sche Meis­ter­schaft, Ju­gend A (LK), 1. Platz Baye­ri­sche Meis­ter­schaft, Ju­gend A (LK), 3. Platz Baye­ri­sche Meis­ter­schaft, Ju­gend A (PF) und der 2. Platz Of­fe­ner Bay­ern­po­kal, Ju­gend A (PF). ein­zi­gen Deut­scher Meis­ter’ und woll­te sie vor den Au­gen der Land­rä­tin zer­rei­ßen, be­rich­tet Groo­ther­der. Das ha­be sich der 15-Jäh­ri­ge dann doch nicht ge­traut. „Zer­ris­sen hat er sie aber trotz­dem.“Tims Va­ter schrieb Sven­ja Ei­se­mann ei­nen Brief, in wel­chem er sei­nen Frust kund­tat. „Sie hat sich in ei­nem Ant­wort­brief auf­rich­tig ent­schul­digt. Man hat ge­merkt, dass es ihr leid­tat“, er­zählt Groo­ther­der. Dem Brief sei­en 300 Eu­ro bei­ge­legt ge­we­sen. „Ich fin­de die Art und Wei­se schlimm, das Geld mit­zu­schi­cken, nach dem Mot­to: Jetzt bist du ru­hig“, sagt Groo­ther­der. Das Geld hät­ten sie ge­spen­det. „Ich will nicht die Prei­se der An­de­ren in­fra­ge stel­len“„Ich weiß, ich ha­be ei­nen Feh­ler ge­macht und es tut mir un­end­lich leid“, sagt Sven­ja Ei­se­mann, von der SZ auf die Vor­wür­fe an­ge­spro­chen. Aus­schlag­ge­bend für die Ent­schei­dung, die Wahl nicht zu wie­der­ho­len und den Feh­ler pu­blik zu ma­chen, sei ihr Wunsch ge­we­sen, die an­de­ren Sport­ler nicht her­ab­zu­wür­di­gen. „Ich ha­be ei­nen Sport­ler un­end­lich ver­letzt. Ich möch­te nicht auch noch die Prei­se der an­de­ren in­fra­ge stel­len“, so Ei­se­mann. Am Abend der Sport­ler­wahl ha­be sie nicht mehr die Mög­lich­keit ge­habt, die Ti­tel zu über­prü­fen. Ei­se­mann gibt zu, dass die Ju­ry ver­se­hent­lich un­voll­stän­di­ge In­for­ma­tio­nen über Tim Groo­ther­der er­hal­ten ha­be und der Sport­kreis Schuld dar­an ge­we­sen sei. „Ei­ne Mit­ar­bei­te­rin, die mitt­ler­wei­le nicht mehr für den Sport­kreis ar­bei­tet, hat es ver­säumt, ab­zu­tip­pen. Mein Feh­ler war, das nicht mehr über­prüft zu ha­ben.“Im Sport­kreis wüss­ten „ei­ni­ge“Ver­ant­wort­li­che Be­scheid.

Dass Ei­se­mann Tim Geld ge­schickt hat, be­grün­det sie mit der For­de­rung des Va­ters, die der SZ vor­liegt, sich „mal was an­de­res als (ei­nen Brief zu) über­le­gen und mit Dei­nen Spon­so­ren zu re­den“. „Ich woll­te Tim Geld für sei­nen Sport zu­kom­men las­sen, 300 Eu­ro ent­spricht in et­wa dem mitt­le­ren Preis“, so Ei­se­mann. Das Geld stam­me aus der Kas­se des Sport­krei­ses. Ro­land Groo­ther­der wie­der­um sagt, er ha­be Ei­se­mann mit der Be­mer­kung auf­for­dern wol­len, die Sa­che rich­tig zu stel­len und ei­ne Neu­wahl zu in­iti­ie­ren.

FO­TO: PR

Tim Groo­ther­der ist pas­sio­nier­ter Kick­bo­xer. Bei der Sport­ler­wahl lan­de­te er auf Platz fünf von fünf sei­ner Al­ters­klas­se. Sein Va­ter hat­te mit ei­ner hö­he­ren Plat­zie­rung ge­rech­net aber die Ju­ry hat­te wich­ti­ge sport­li­che Er­fol­ge des Ju­gend­li­chen nicht mit­ge­teilt be­kom­men.

FO­TO: AR­CHIV

Sven­ja Ei­se­mann

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