„Wenn die Un­ge­wiss­heit bleibt, sie­deln sich kei­ne Fir­men an“

Or­ga­ni­sa­to­ren der Kund­ge­bung spre­chen über Beweggründe – Dau­er­haf­te Un­ter­brin­gung von Flücht­lin­gen scha­de der Ent­wick­lung der Stadt

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SIGMARINGEN -

SIG­MA­RIN­GEN - Am Sams­tag möch­te die Bür­ger­initia­ti­ve „Ge­mein­sam für Sig­ma­rin­gen“die For­de­run­gen der Stadt in Be­zug auf die Lan­des­erst­auf­nah­me­stel­le (LEA) mit ei­ner Kund­ge­bung un­ter­mau­ern (11 Uhr vor dem neu­en Rat­haus). Nach dem Auf­takt mit Re­den zie­hen die Teil­neh­mer mit Trans­pa­ren­ten durch die Stadt. SZ-Re­dak­teur Micha­el He­scheler hat mit den Or­ga­ni­sa­to­rin­nen Ste­fa­nie Ull­rich-Co­lai­a­co­mo und Ani­ka Schae­fer ge­spro­chen. Sie möch­ten mit Ih­rer Kund­ge­bung die For­de­run­gen der Stadt un­ter­stüt­zen, die im We­sent­li­chen lau­ten: Zeit­li­che Be­fris­tung der LEA bis 2020 und ma­xi­ma­le Un­ter­brin­gung von 500 Flücht­lin­gen. In der ehe­ma­li­gen Ka­ser­ne gä­be es Platz für mehr als 1250 Flücht­lin­ge. War­um se­hen Sie die Lan­des­erst­auf­nah­me­stel­le kri­tisch? Schae­fer: Die Stadt Sig­ma­rin­gen hat gro­ße Pro­ble­me, ein Wirt­schafts­stand­ort zu wer­den. Der Bür­ger­meis­ter hat in der jüngs­ten Ge­mein­de­rats­sit­zung ge­sagt, dass Wirt­schafts­för­de­rung par­al­lel zur LEA prak­tisch un­mög­lich ist. Aber es ist doch so, dass die Erst­auf­nah­me­stel­le nur ei­nen Teil des Ge­län­des be­legt. Ull­rich: Wenn die Un­ge­wiss­heit durch die LEA wei­ter be­ste­hen bleibt, sie­deln sich in Sig­ma­rin­gen kei­ne Fir­men an. Die Wirt­schafts­kraft der Stadt Sig­ma­rin­gen ist das ei­ne. Ha­ben Sie noch an­de­re Beweggründe, wo­zu es sich aus Ih­rer Sicht lohnt, auf die Stra­ße zu ge­hen? Ull­rich: Wir ge­hen vor al­lem auf die Stra­ße, weil auch bei die­sem The­ma in un­se­rer de­mo­kra­ti­schen Ge­sell­schaft ein Bür­ger­pro­test und ei­ne of­fe­ne Mei­nungs­äu­ße­rung mög­lich sein müs­sen.

Sie schrei­ben in Ih­rer An­kün­di­gung, dass Sie nichts ge­gen Flücht­lin­ge und Aus­län­der, dass ra­di­ka­le Pa­ro­len bei Ih­rer Ver­an­stal­tung kei­nen Platz ha­ben. Wie wol­len Sie dies si­cher­stel­len? Schae­fer: Wir ha­ben in un­se­ren Rei­hen nie­man­den, der Hass pre­digt, und wir wür­den es auch nicht ak­zep­tie­ren, wenn je­mand ras­sis­tisch wä­re. Wie wol­len Sie dies im kon­kre­ten Fall ver­hin­dern? Ull­rich: Spre­chen dür­fen nur wir. Wenn je­mand un­ge­wünsch­te Pa­ro­len ruft, dann ru­fen die Ord­ner die Po­li­zei. Nur weil man Angst hat, darf man sich nicht vom Recht der De­mons­tra­ti­ons­frei­heit ab­brin­gen las­sen. In Face­book hat die Sei­te „To­le­ranz für Sig­ma­rin­gen“da­zu auf­ge­ru­fen, die Kund­ge­bung zu boy­kot­tie­ren und statt­des­sen die Fens­ter in der In­nen­stadt mit bun­ten Luft­bal­lons oder Tü­chern zu schmü­cken. Ull­rich: Das hin­dert uns nicht dar­an, den For­de­rungs­ka­ta­log des Ge­mein­de­rats mit hof­fent­lich vie­len Teil­neh­mern zu un­ter­stüt­zen. Im Üb­ri­gen le­ben auch wir ger­ne in ei­nem bun­ten Sig­ma­rin­gen. Ih­rer Bür­ger­initia­ti­ve ha­ben sich sechs Mit­glie­der an­ge­schlos­sen. War­um so we­nig? Schae­fer: Wir ha­ben uns ja erst am ver­gan­ge­nen Sonn­tag ge­grün­det, aber ich ha­be nicht den Ein­druck, dass wir mit un­se­rer Mei­nung al­lei­ne sind. Vie­le sind bei uns. Al­le re­den das Glei­che, aber in der Öf­fent­lich­keit sind die Leu­te zu­rück­hal­tend. Mit wie vie­len Teil­neh­mern rech­nen Sie bei Ih­rer Kund­ge­bung am Sams­tag? Schae­fer: Wir wis­sen es nicht. Wir ha­ben 1000 Fly­er ver­teilt, wir ha­ben An­zei­gen ge­schal­tet. In den Stadt­spie­gel zu kom­men, war gar nicht so ein­fach, weil der Ver­lag Be­den­ken hat­te. Wir ha­ben meh­re­re An­läu­fe ge­braucht, ob­wohl wir in stän­di­gem Kon­takt mit dem Rat­haus ste­hen und uns eng ab­stim­men. Bür­ger­meis­ter Schä­rer will auch kom­men.

Ani­ka Schae­fer

FO­TOS: FXH

Ste­fa­nie Ull­rich

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