Spi­ri­tu­el­le und kul­tu­rel­le Strahl­kraft

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - RUND UM SIGMARINGEN -

Der Kreis­ar­chi­var Ed­win Ernst We­ber hat sich in­ten­siv mit der Ge­schich­te des Klos­ters Inzigkofen be­schäf­tigt, das der Klos­ter­chro­nik zu­fol­ge 1354 von zwei Sig­ma­rin­ger Bür­ger­töch­tern ge­grün­det und 1356 erst­mals ur­kund­lich er­wähnt wor­den war.

Auf der In­ter­net­sei­te der Volks­hoch­schu­le Inzigkofen, die be­reits seit 1948 die Kon­vents­bau­ten als Stät­te über­re­gio­na­ler Er­wach­se­nen­bil­dung das nur in der Weih­nachts­zeit er­laubt sei. Und die Pröps­tin las­se sie ge­wäh­ren. Schwes­ter Mo­ni­ka wünscht sich die Zei­ten zu­rück, als die Schwes­tern mehr in der Ge­mein­schaft un­ter­nah­men und we­ni­ger Zeit in in­di­vi­du­el­le Ar­beit steck­ten. mit Über­nach­tungs­mög­lich­keit in den ehe­ma­li­gen Non­nen­zel­len nutzt, schreibt er: „Inzigkofen ist von der Mit­te des 14. bis zur Mit­te des 19. Jahr­hun­derts der Sitz ei­nes Frau­en­klos­ters, das mit sei­ner wirt­schaft­li­chen Be­deu­tung so­wie sei­ner spi­ri­tu­el­len und kul­tu­rel­len Strahl­kraft sei­ne Um­ge­bung ein hal­bes Jahr­hun­dert lang nach­hal­tig prägt.“(pl)

Do­ro­thea Keu­ler ur­teilt in ih­rem Ka­pi­tel über Ma­ria Mo­ni­ka Haf­ner (sie­he Kas­ten links), dass die Kla­ge­schrift den Zu­sam­men­prall zwei­er Fröm­mig­keits­for­men zei­ge, in de­nen sich wohl auch ein Ge­ne­ra­tio­nen­kon­flikt spie­ge­le: auf der ei­nen Sei­te die star­re, stren­ge, re­gel­ge­lei­te­te Got­tes­furcht, die Schwes­ter Mo­ni­ka mit ei­ni­gen an­de­ren, äl­te­ren Schwes­tern hoch­hält, auf der an­de­ren Sei­te ei­ne in­di­vi­du­el­le­re, freie­re Fröm­mig­keits­pra­xis.

Doch was wur­de aus der Kla­ge­schrift? Konn­te ei­ne Non­ne im 18. Jahr­hun­dert tat­säch­lich et­was aus­rich­ten? Als der Bi­schof von Kon­stanz, un­ter des­sen Ge­richts­bar­keit das Stift stand, den Män­gel­be­richt zu le­sen be­kam, re­agier­te er un­ge­hal­ten. Der Pröps­tin ge­lang es je­doch, den Bi­schof zu über­zeu­gen, dass in Inzigkofen al­les sei­ne Ord­nung ha­be.

Um­sonst war das Werk der Schwes­ter Mo­ni­ka aus drei Grün­den aber den­noch nicht:

Der Bi­schof re­du­zier­te die Ge­bets­ver­pflich­tun­gen des In­zig­ko­fer Au­gus­ti­ner­chor­frau­en­stifts und ver­bot, sehr zum Leid­we­sen der Pröps­tin, die ewi­ge An­be­tung des Al­tar­sa­kra­ments.

Die Pröps­tin nahm ei­ni­ge der jün­ge­ren Schwes­tern, die es mit der klös­ter­li­chen Dis­zi­plin nicht ganz so ernst nah­men, ex­tra ins Ge­bet, wor­auf­hin die­se un­ter Trä­nen Bes­se­rung ge­lob­ten.

Und nicht zu­letzt gibt die Kla­ge­schrift der Ma­ria Mo­ni­ka Haf­ner uns, die wir ein Vier­tel­jahr­tau­send spä­ter auf die­se grund­le­gend an­de­re und im­mer auch et­was fremd­blei­ben­de Zeit schau­en, ei­nen Ein­blick in die In­nen­welt klös­ter­li­chen Le­bens im 18. Jahr­hun­dert. Sig­ma­rin­gens Kreis­ar­chi­var Ed­win Ernst We­ber be­rei­tet ei­ne Edi­ti­on der Schrift vor, was al­ler­dings ein „lang­fris­ti­ges Pro­jekt“sei, wie er auf Nach­fra­ge der „Schwä­bi­schen Zei­tung“be­tont.

Schwes­ter Mo­ni­ka stirbt am 13. De­zem­ber 1771, ein hal­bes Jahr vor ih­rem gol­de­nen Pro­fess­ju­bi­lä­um.

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