Nah­wär­me: Nun sind die Bür­ger ge­fragt

Bis zum 16. De­zem­ber soll­ten die Haus­hal­te in Hau­sen im Tal ih­ren Be­darf mit­tei­len

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MESSKIRCH - Von Ve­ra Ro­meu

HAU­SEN IM TAL - Die Bür­ger von Hau­sen be­schäf­ti­gen sich nun in­ten­siv mit dem Pro­jekt der Nah­wär­me. Ei­ne In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung im To­bel­haus am Mitt­woch­abend, zu der Bür­ger­meis­ter Ra­pha­el Os­ma­kow­ski-Mil­ler ein­ge­la­den hat­te, setz­te da­für den Grund­stein. Die Ge­sell­schaft „Nah­wär­me Re­gi­on Sig­ma­rin­gen“(NRS), die aus dem Zu­sam­men­schluss der Stadt­wer­ke Sig­ma­rin­gen und des Sin­ge­ner Un­ter­neh­mens So­lar Com­plex ent­stan­den ist, wird das Pro­jekt mit der Bio­gas­an­la­ge Wolf rea­li­sie­ren.

So­lar Com­plex hat be­reits 13 Bio­en­er­gie-Dör­fer in Be­trieb ge­nom­men, jüngst in Wald (Die SZ be­rich­te­te). Die Chan­cen sei­en sehr hoch, das Pro­jekt in Hau­sen zu rea­li­sie­ren. So­wohl Glas­fa­ser­ka­bel wie vi­el­leicht auch Strom­lei­tun­gen wer­den mit­ver­legt, be­rich­te­te Bür­ger­meis­ter Os­ma­kow­ski-Mil­ler. „So könn­ten die Kos­ten für den Tief­bau auf drei Un­ter­neh­men ver­teilt wer­den“, er­klär­te er.

Das Pro­jekt sei so ge­plant, dass So­lar Com­plex die In­fra­struk­tur baut und da­nach die Stadt­wer­ke Sig­ma­rin­gen die An­la­ge be­treu­en und die Abrech­nung über­neh­men wird, er­klär­te Oli­ver Dre­her, Ge­schäfts­füh­rer der NRS und kauf­män­ni­scher Lei­ter der Stadt­wer­ke Sig­ma­rin­gen. Die Stadt­wer­ke be­treu­en be­reits die Ge­mein­de des Do­nau­tals in den Be­rei­chen Was­ser und Ab­was­ser.

Jörg Dürr-Pu­cher von So­lar Com­plex er­klär­te den Bür­gern de­tail­liert, wie der Bau der Nah­wär­me um­ge­setzt wird. Aus­gangs­punkt ist die Klär­an­la­ge Wolf, die Ab­wär­me pro­du­ziert. Die­se Ab­wär­me wird bis­her zur Holz­trock­nung ge­nutzt, künf­tig wer­de man die Gä­rung und Pro­duk­ti­on von Ab­wär­me dem Heiz­be­darf an­pas­sen. Holz wer­de dann nur noch im Som­mer ge­trock­net. Mit der Ab­wär­me der Bio­gas­an­la­ge wer­de die Grund­last ab­ge­deckt, da­zu kommt zur Ab­de­ckung der Mit­tel­last ei­ne Hack­schnit­zel­an­la­ge und schließ­lich wer­de ein Spit­zen­last­kes­sel hin­zu­ge­fügt. „Das sorgt für ei­ne drei­fa­che Si­cher­heit“, sag­te Dürr-Pu­cher. Wo die­se Hack­schnit­zel­heiz­an­la­ge ste­hen wer­de, müs­se zu­sam­men mit Ver­wal­tung, Ge­mein­de­rat und Bür­ger noch ab­ge­stimmt wer­den.

So­lar Com­plex wird die Haupt­lei­tung mit ei­ner Län­ge von 1,4 Ki­lom­tern bis zum Dorf bau­en. Da­zu kom­men die Haupt­lei­tung im Dorf mit ei­ner Län­ge von 4,8 Ki­lo­me­ter und die Lei­tun­gen bis zu den Heiz­an­la­gen der Haus­hal­te, ins­ge­samt ma­xi­mal rund sechs Ki­lo­me­ter. Wer an­schlie­ße und die Wär­me ab­neh­me, be­zah­le kei­ne An­schluss­ge­bühr, nur den Hei­zungs­bau­er, der die al­te Heiz­an­la­ge ab­klem­me. „Wir ma­chen es so, da­mit al­le Haus­hal­te, auch je­ne, die nicht in­ves­tie­ren kön­nen, mit­ma­chen“, sag­te er. Nah­wär­me­kon­zep­te wür­den vom Staat sehr gut ge­för­dert. Min­des­tens 60 Pro­zent der Haus­hal­te müs­sen mit­ma­chen Den­noch sei das Nah­wär­me­kon­zept nur um­zu­set­zen, wenn ge­nü­gend Haus­hal­te, näm­lich min­des­tens 60 Pro­zent, an­schlie­ßen. Es be­ste­he aber auch die Mög­lich­keit, Lei­tun­gen in den Gar­ten für 1500 Eu­ro le­gen zu las­sen, um spä­ter an­zu­schlie­ßen. Wer die Lei­tung gleich ins Haus ver­le­gen lässt, um spä­ter die Wär­me ab­zu­neh­men, der be­zah­le 3000 Eu­ro. Die­se Be­trä­ge sei­en nicht kos­ten­de­ckend, der NRS sei es aber wich­tig, so vie­le Haus­hal­te mit­zu­neh­men wie mög­lich. Über den Preis der Wär­me woll­te Dürr-Pu­cher noch nichts sa­gen. Die­ser kön­ne erst be­rech­net wer­den, wenn die Haus­hal­te ih­ren Be­darf mit­ge­teilt ha­ben. Die­sen kön­nen die Bür­ger nun in ei­nem Fra­ge­bo­gen fest­hal­ten.

Nächs­te Wo­che sol­len die Bö­gen an al­le Haus­hal­te zu­ge­schickt wer­den. Bis zum 16. De­zem­ber müs­sen sie im Rat­haus, di­rekt bei den Stadt­wer­ken oder So­lar Com­plex ab­ge­ge­ben wer­den. „Auch wenn man nicht mit­ma­chen möch­te“, be­ton­te Dre­her. Es brau­che vie­le aus­ge­füll­te Fra­ge­bö­gen, um im Ja­nu­ar die Wirt­schaft­lich­keit des Pro­jekts be­rech­nen zu kön­nen, er­klär­te er. Er emp­fahl aber je­nen, die nicht mit­ma­chen möch­ten, den­noch ih­ren Be­darf an Wär­me mit­zu­tei­len, da­mit die Ka­pa­zi­tät der An­la­ge so groß ge­plant wer­den kön­ne, dass ein spä­te­rer An­schluss noch mög­lich blei­be.

Das Aus­fül­len des Fra­ge­bo­gens sei noch kei­ne end­gül­ti­ge Ver­pflich­tung. Erst nach ei­ner zwei­ten In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung, bei der auch über den Preis der Wär­me ge­spro­chen wer­de, be­gin­nen kon­kre­te Ge­sprä­che. Bür­ger­meis­ter Os­ma­kow­skiMil­ler zeig­te sich am Mitt­woch­abend zu­ver­sicht­lich, das Nah­wär­me­pro­jekt um­set­zen zu kön­nen. Die Chan­ce sei ein­ma­lig, be­ton­te er.

FO­TO: VE­RA RO­MEU

Prä­sen­tie­ren die Plä­ne für das Nah­wär­me­netz (von links): Oli­ver Dre­her, Ja­na Seiz, Jörg Dürr-Pu­cher und Bür­ger­meis­ter Ra­pha­el Os­ma­kow­ski-Mil­ler in Hau­sen im Tal.

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