Welt­meis­ter Ros­berg be­en­det Kar­rie­re

For­mel-1-Welt­meis­ter Ni­co Ros­berg hört auf, die Nach­fol­ge bei Mer­ce­des ist of­fen

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE -

WI­EN (dpa) - Fünf Ta­ge nach dem Ge­winn sei­nes ers­ten WM-Ti­tels hat Ni­co Ros­berg (Fo­to: dpa) sei­ne Kar­rie­re in der For­mel 1 be­en­det. Der 31-Jäh­ri­ge ver­kün­de­te den Ent­schluss am Frei­tag via Face­book vor der Sai­son­ab­schluss-Ga­la des Welt­ver­bands in Wi­en. „Ich ha­be den Berg er­klom­men, bin an der Spit­ze an­ge­kom­men und es fühlt sich rich­tig an“, er­klär­te der ge­bür­ti­ge Wies­ba­de­ner. Sein Ar­beit­ge­ber Mer­ce­des zeig­te sich über­rascht.

WI­EN (sz/dpa/SID) - Welt­meis­ter Ni­co Ros­berg zieht sich auf dem Gip­fel sei­ner For­mel-1-Kar­rie­re völ­lig über­ra­schend ins Pri­vat­le­ben zu­rück. Der 31 Jah­re al­te Fa­mi­li­en­va­ter ver­blüff­te am Frei­tag kurz vor der Sai­son­ab­schluss-Ga­la des Welt­ver­bands FIA in Wi­en die Mo­tor­sport-Welt mit sei­ner Ent­schei­dung, sei­ne Lauf­bahn zu be­en­den. „Ich fol­ge ein­fach mei­nem Her­zen, das fühlt sich to­tal rich­tig an“, sag­te der Mer­ce­des-Pi­lot fünf Ta­ge nach sei­nem Ti­tel­ge­winn, ehe er am Abend den WM-Po­kal in die Hän­de neh­men durf­te. Künf­tig wol­le er sich ganz sei­ner Fa­mi­lie wid­men. „Das wer­den schö­ne Zei­ten“, sag­te Ros­berg, als er in der prunk­vol­len Wie­ner Hof­burg sicht­lich ge­rührt sei­nen Ent­schluss be­grün­de­te.

Mit sei­ner Ent­schei­dung traf der ge­bür­ti­ge Wies­ba­de­ner die Spit­ze sei­nes Renn­stalls völ­lig un­vor­be­rei­tet. Mit der Su­che ei­nes Nach­fol­gers will sich das Team Zeit las­sen. „Die Klar­heit, mit der er die­ses Ur­teil ge­fällt hat, hat mich da­zu be­wegt, sei­ne Ent­schei­dung so­fort voll zu ak­zep­tie­ren, nach­dem er mich in­for­miert hat­te“, sag­te Mer­ce­des-Mo­tor­sport­chef To­to Wolff. Ros­berg ist der ers­te Fah­rer seit Alain Prost 1993, der als am­tie­ren­der Welt­meis­ter zu­rück­tritt. FIA-Prä­si­dent Je­an Todt lob­te Ros­bergs Schritt als „un­ge­heu­er mu­tig“.

„Es wird sehr, sehr merk­wür­dig und es wird trau­rig, ihn nächs­tes Jahr nicht im Team zu ha­ben“, er­klär­te Team­kol­le­ge Le­wis Ha­mil­ton, mit dem sich Ros­berg in den letz­ten Jah­ren gif­ti­ge Du­el­le ge­lie­fert hat­te. Auch auf den letz­ten Me­tern der ge­mein­sa­men Zeit konn­te sich der Bri­te ei­ne Spit­ze ge­gen den eins­ti­gen Kart­kum­pel nicht ver­knei­fen. „Zum ers­ten Mal hat er in 18 Jah­ren ge­won­nen, da war es kei­ne Über­ra­schung, dass er auf­hört“, wit­zel­te Ha­mil­ton.

Im 206. Grand Prix sei­ner For­mel-1-Kar­rie­re, die 2006 in Bah­rain be­gon­nen hat­te, hat­te sich Ros­berg am Sonn­tag im Fi­na­le von Abu Dha­bi als Zwei­ter hin­ter Ha­mil­ton die WMKro­ne ge­holt. Als drit­ter deut­scher Pi­lot nach Re­kord­cham­pi­on Micha­el Schu­ma­cher und Se­bas­ti­an Vet­tel geht er in die Ge­schich­te der Kö­nigs­klas­se ein, als 33. Cham­pi­on ins­ge­samt und als bis­her ein­zi­ger Deut­scher in ei­nem deut­schen Au­to. „Ich ha­be den Berg er­klom­men, ich bin an der Spit­ze an­ge­kom­men und es fühlt sich rich­tig an“, sag­te Ros­berg. Nur im Fall ei­ner er­neu­ten WM-Nie­der­la­ge wä­re er wei­ter­ge­fah­ren, füg­te er hin­zu.

Noch nie hat­te ein Welt­meis­ter in der For­mel 1 so vie­le Ren­nen bis zum Pre­mie­ren-Tri­umph be­nö­tigt. 2014 und 2015 un­ter­lag Ros­berg im Mer­ce­des sei­nem Stall­ri­va­len Ha­mil­ton und wur­de je­weils WM-Zwei­ter. Nach der mit 21 Ren­nen längs­ten For­mel-1-Sai­son der His­to­rie er­reich­te Ros­berg end­lich das Ziel. „Ich hab al­les rein­ge­steckt, was ich hat­te. Ich bin me­ga­breit“, be­kann­te er nun.

Der Druck, 34 Jah­re nach sei­nem Va­ter Ke­ke auch Welt­meis­ter wer­den zu kön­nen, hat­te den 23-ma­li­gen Grand-Prix-Sie­ger zu­letzt an sei­ne Gren­zen ge­führt. „Wir ha­ben auf vie­le Din­ge ver­zich­tet für das ei­ne gro­ße Ziel, al­les wur­de ihm un­ter­ge­ord­net“, sag­te Ros­berg. Die­sen Stress, die­sen Auf­wand will er sich künf­tig nicht mehr zu­mu­ten und mehr Zeit mit Gat­tin Vi­vi­an und der ein Jahr al­ten Toch­ter Alaïa ver­brin­gen. „Am Mon­tag­abend ha­be ich mich dann end­gül­tig zu die­sem Schritt ent­schie­den.“ Wehr­lein wä­re die sim­ple Lö­sung 25 Jah­re dau­er­te das Ka­pi­tel Mo­tor­sport für Ros­berg, im­mer an­ge­trie­ben vom Welt­meis­ter-Traum. „Ich muss­te viel da­für op­fern, aber trotz all die­ser har­ten Ar­beit, die­ser Schmer­zen, und dem gan­zen Ver­zicht war dies im­mer mein Ziel ge­blie­ben“, sag­te Ros­berg. Von den ers­ten Run­den im Kart über die Nach­wuchs­meis­ter­schaf­ten schaff­te es Ros­berg 2006 zum For­mel-1-Team Wil­li­ams. Nach vier Jah­ren beim bri­ti­schen Mit­tel­klas­seTeam wech­sel­te er zu Mer­ce­des.

Das Werks­team aber stell­te ihm zu­nächst Su­per­star Schu­ma­cher vor die Na­se, nach des­sen Rück­tritt kam Ha­mil­ton als Top­star. Ros­berg, der 2012 in Chi­na sei­nen ers­ten Grand Prix ge­wann, schien auf die Rol­le des Schat­ten­manns abon­niert. Doch in die­ser Sai­son ließ er sich mit neu­er Stär­ke und un­bän­di­gem Wil­len auch von Ha­mil­ton nicht mehr auf­hal­ten. „Ich spü­re ei­ne gro­ße Er­leich­te­rung. In den nächs­ten Wo­chen wer­de ich be­stimmt noch mehr ver­ste­hen, was und wie die­ses Jahr al­les pas­siert ist“, sag­te Ros­berg. Ein Come­back schloss er aus: „Ich bin tau­send Pro­zent si­cher, weil ich das ein­fach spü­re.“

Sein sen­sa­tio­nel­ler Ent­schluss ver­ur­sacht auch Wel­len auf dem Fah­rer­markt der For­mel 1. Plötz­lich wird ein Cock­pit beim Se­ri­en­sie­ger der letz­ten drei Jah­re frei, der trotz kom­men­der Re­ge­län­de­run­gen auch 2017 als TopTi­tel­kan­di­dat gilt. Pas­cal Wehr­lein aus Worn­dorf bei Tutt­lin­gen, von Mer­ce­des zu­letzt ste­tig auf­ge­baut, wä­re die ein­fachs­te Wahl für die Sil­ber­pfei­le. Aber auch die gera­de ab­ge­tre­te­nen Rou­ti­niers Jen­son But­ton und Fe­li­pe Mas­sa so­wie Fer­nan­do Alon­so (McLa­ren), Se­bas­ti­an Vet­tel (Fer­ra­ri) und der hoch­ta­len­tier­te Senk­recht­star­ter Max Ver­stap­pen (Red Bull) wer­den ge­han­delt.

„Es ist ei­ne neue Chan­ce. To­to Wolff und ich wer­den ei­ne pas­sen­de Ent­schei­dung tref­fen. Es ist ein Neu­be­ginn mit ei­nem an­de­ren Fah­rer“, sag­te Team-Auf­sichts­rats­chef Ni­ki Lau­da. Ein paar Ta­ge will sich der Renn­stall Zeit für sei­ne Wahl neh­men. Bis En­de Fe­bru­ar 2017 macht die For­mel 1 Win­ter­pau­se, ehe sie mit neu­en, schnel­le­ren Au­tos die ers­ten Test­fahr­ten ab­sol­viert. Der Welt­meis­ter wird dann feh­len und mit sei­ner Toch­ter spie­len. Mit ih­rem Le­ben spie­len – denn auch das be­deu­ten die For­mel 1 und der Mo­tor­sport, zahl­rei­che To­des­fäl­le in den ver­gan­ge­nen Jah­ren be­le­gen es – wer­den dann an­de­re.

FO­TO: DPA

So soll­te man auf­hö­ren: Am Gip­fel, mit ei­nem Ur­schrei, die Frau im Arm: Ni­co Ros­berg und Vi­vi­an Si­bold fei­er­ten am Sonn­tag aus­ge­las­sen den WM-Ti­tel.

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