Ei­ne Ge­burts­tags­tor­te für den Fürs­ten

Im Ca­fé See­los wird seit 1961 die Ho­hen­zol­l­ern­tor­te nach ei­nem ge­hei­men Fa­mi­li­en­re­zept ge­ba­cken

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von An­na-Le­na Buch­mai­er

Kon­di­tor Ste­fan Huth­ma­cher lüf­tet das Ge­heim­nis um die Ho­hen­zol­l­ern­tor­te.

SIG­MA­RIN­GEN - Ein gut ge­hü­te­tes Ge­heim­nis ist das Re­zept der Ho­hen­zol­l­ern­tor­te, die im Ca­fé See­los, der heu­ti­gen Hof­kon­di­to­rei Huth­ma­cher, er­fun­den wor­den ist: Nur die Brü­der Ste­fan und Micha­el Huth­ma­cher und de­ren Va­ter Kon­rad Huth­ma­cher wis­sen, was in der mäch­ti­gen Tor­te steckt, die an das Ho­hen­zol­lern-Wap­pen er­in­nert. Kon­di­tor­meis­ter Ste­fan Huth­ma­cher hat sich beim Ba­cken der Tor­te über die Schul­ter bli­cken las­sen. „Alois See­los, der frü­he­re Be­sit­zer des Ca­fé See­los, woll­te Fürst Fried­rich Vik­tor zu sei­nem 70. Ge­burts­tag im Jahr 1961 ei­ne be­son­de­re Freude ma­chen und be­auf­trag­te un­se­ren Va­ter, der bei ihm den Meis­ter mach­te, ei­ne Tor­te zu ba­cken“, be­rich­tet Ste­fan Huth­ma­cher. Die bei­den Kon­di­to­ren sei­en sich ei­nig ge­we­sen, dass die Tor­te an das Ho­hen­zol­lern-Wap­pen er­in­nern soll­te. Weil Fürst Fried­rich Vik­tor re­gel­mä­ßig im See­los zu Gast war, und dort im­mer ei­ne hei­ße Scho­ko­la­de mit Rum trank, soll­te die Tor­te auch die­se bei­den Zu­ta­ten ent­hal­ten.

Was da­bei her­aus­kam, ist nicht nur le­cker, son­dern auch ei­ne Au­gen­wei­de: In je­dem Tor­ten­stück ist das Ho­hen­zol­lern­wap­pen zu er­ken­nen. Das be­darf nicht nur geo­me­tri­schen Ta­l­ents, son­dern auch Kon­zen­tra­ti­on beim Zu­sam­men­set­zen. Weil nie nur ei­ne Tor­te ge­ba­cken wird, kann es beim Ent­ste­hungs­pro­zess des Schach­brett­mus­ters zu Ver­wechs­lun­gen kom­men: „Wir ba­cken meis­tens acht auf ein­mal, min­des­tens aber zwei“, sagt Huth­ma­cher. Die gera­de Tor­ten­an­zahl ist re­le­vant, weil ab­wech­selnd wei­ße und dunk­le Bis­kuit­bö­den kom­bi­niert wer­den, aus de­ren In­ne­ren mit ei­ner run­den Form Krei­se aus­ge­sto­chen wer­den. In die Lö­cher wird der je­weils an­ders­far­bi­ge Kreis ein­ge­legt. Nach zwei hel­len Bö­den fol­gen zwei dunk­le. Da­zwi­schen kommt reich­hal­ti­ge Cre­me: Ei­ne hel­le, be­ste­hend aus But­ter, Va­nille­pud­ding und Rum so­wie ei­ne dunk­le, un­ter die Huth­ma­cher noch flüs­si­ge Scho­ko­la­de rührt. Die schwarz-wei­ßen Bö­den wer­den auf ei­nem Mürb­tei­g­loch­bo­den über­ein­an­der ge­sta­pelt, der mit Mar­me­la­de be­stri­chen ist. „Die Säu­re ist ein gu­ter Kon­trast“, fin­det der 43-Jäh­ri­ge. Nach vier Schich­ten wird die Tor­te mit wei­ßer Cre­me über­zo­gen. Auf den Rand streut Huth­ma­cher Scho­kostreu­sel. Oben bringt er ei­ne run­de Mar­zi­pan­plat­te an, die er zu­vor mit Scho­ko­la­de be­stri­chen hat, und mit wei­ßen und dunk­len Scho­ko­la­den­streu­seln be­streut. Die Plat­te wird mit ei­nem Ein­tei­ler in Tor­ten­stü­cke zer­schnit­ten und auf der Tor­te ar­ran­giert. 2600 Gramm wiegt ei­ne Tor­te et­wa. Huth­ma­cher be­nö­tigt 2,5 St­un­den für acht Stück. Das Ge­heim­nis der Tor­te liegt in der Trän­ke Das Ge­heim­nis im Re­zept der Ho­hen­zol­l­ern­tor­te liegt in der Trän­ke, die groß­zü­gig auf die Bis­kuit­bö­den ge­träu­felt wird: „Sie be­steht aus Rum – und noch wei­te­ren Zu­ta­ten, die aber nur un­se­re Mit­ar­bei­ter ken­nen“, sagt Huth­ma­cher. In zwei Tor­ten kom­men et­wa 300 Mil­li­li­ter Rum. Die Mit­ar­bei­ter hät­ten so­gar ei­ne Ver­schwie­gen­heits­er­klä­rung un­ter­schrei­ben müs­sen. „Die Tor­te ist der Stolz des Hau­ses“, sagt Huth­ma­cher. Ein Pa­tent auf die Tor­te gibt es nicht, wes­halb sie auch im Ca­fé Schön an­ge­bo­ten wird. 15 Ho­hen­zol­l­ern­tor­ten backt das Ca­fée See­los in der Som­mer­sai­son pro Wo­che, sechs bis acht im Win­ter. „Wir tra­gen un­se­ren Teil da­zu bei, Be­su­chern die Sig­ma­rin­ger Ge­schich­te nä­her zu brin­gen“, sagt der Kon­di­tor­meis­ter und ver­weist auf die Spei­se­kar­te mit Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen zur Tor­te. Die Ho­hen­zol­l­ern­tor­te wird in ver­schie­de­ner Aus­füh­rung her­ge­stellt: Mehr­stö­ckig, als al­ko­hol­freie Ver­si­on für Kin­der, in ver­schie­de­nen De­signs – je nach Wunsch des Auf­trag­ge­bers. Nur an der Re­zep­tur wer­de nicht ge­rüt­telt. Be­son­ders auf­wen­dig ist ei­ne Ver­si­on mit Mar­zi­pan­de­ckel, auf den zu­vor ein Ab­bild des Schlos­ses ge­prägt wird. Da­zu be­nutzt Huth­ma­cher ei­ne 200 Jah­re al­te, hand­ge­schnitz­te Gips­ma­trit­ze. „Die be­han­deln wir wie ein ro­hes Ei“, sagt der 43-Jäh­ri­ge. Sie wird nur vom Meis­ter per­sön­lich be­nutzt. Ei­ne wei­te­re Gips­ma­trit­ze mit dem Ab­bild der Ho­hen­zol­lern-Burg sei vor Jah­ren ab­han­den ge­kom­men, als das Ca­fé See­los noch ei­nen an­de­ren Be­sit­zer hat­te. In die­ser Zeit wur­de die Ho­hen­zol­l­ern­tor­te auch nicht mehr ver­kauft – erst wie­der, als Ste­fan Huth­ma­cher das Ca­fé mit sei­nem Bru­der vor 20 Jah­ren über­nom­men hat­te. Bis vor fünf Jah­ren ver­zier­ten sie die Tor­te au­ßen noch mit But­ter­creme: „Jetzt ist sie mo­der­ner und leich­ter“, sagt Huth­ma­cher. Der Preis va­ri­iert je nach Auf­wand Die her­kömm­li­che Va­ri­an­te kos­tet 37 Eu­ro. Je nach Auf­wand kann die Ho­hen­zol­l­ern­tor­te aber auch 150 Eu­ro kos­ten. Das Fürs­ten­haus be­stellt die Tor­te im­mer noch zu be­son­de­ren An­läs­sen, eben­so Ver­ei­ne und Zünf­te. Doch auch bei Tou­ris­ten ist sie be­liebt: „Manch ei­ner kommt von Frank­furt hier­her, weil wir die Tor­te nicht ver­schi­cken“, sagt Hut­ma­cher.

Weil auch die Ho­hen­zol­l­ern­tor­te mit der Zeit ge­hen soll, über­legt sich Huth­ma­cher der­zeit, sie zu­sätz­lich in Form von klei­nen Tört­chen an­zu­bie­ten, was vor al­lem für Tou­ris­ten at­trak­tiv wä­re. „Sie soll län­ger hal­ten als die Tor­te“, sagt Ste­fan Hut­ma­cher. „Aber wir ar­bei­ten noch an der Re­zep­tur.“ Ein Vi­deo von der Ent­ste­hung der Tor­te so­wie ei­ne Bil­der­ga­le­rie fin­den Sie im In­ter­net un­ter www.schwa­ebi­sche.de/ ho­hen­zol­l­ern­tor­te

FO­TO: ABU

FO­TOS: AN­NA-LE­NA BUCH­MAI­ER

Kon­di­tor­meis­ter Ste­fan Huth­ma­cher streicht But­ter­creme auf zwei­far­bi­ge Bis­cuit­bö­den. Spä­ter wer­den dar­aus zwei Ho­hen­zol­l­ern­tor­ten mit cha­rak­te­ris­ti­schem Schach­brett­mus­ter, wie im Ho­hen­zol­lern-Wap­pen.

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