Hoff­nung

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND -

Bis­her konn­te sich Mo­ni­ka Grüt­ters raus­hal­ten aus dem Macht­ge­klün­gel der Alt­her­ren­rie­ge der Ber­lin-CDU. Die Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin kon­zen­trier­te sich viel­mehr auf ih­re Auf­ga­be im Kanz­ler­amt. Am Frei­tag wur­de die stu­dier­te Ger­ma­nis­tin, Kunst­his­to­ri­ke­rin und Po­li­to­lo­gin als ers­te Frau an die Spit­ze der Haupt­stadt-Uni­on ge­wählt. Grüt­ters will ih­re Par­tei um­krem­peln. Denn Ber­lin ist für die CDU ein Pro­blem. Die Ab­ge­ord­ne­ten­haus­wahl im Sep­tem­ber war ein Weck­ruf. Mit ei­nem Er­geb­nis von 17,6 Pro­zent war die CDU in Ber­lin so schlecht wie noch nie – und flog aus der Re­gie­rung.

Zwar ver­spre­chen seit die­ser Wahl auch an­de­re Par­tei­en ei­nen Neu­start. Die CDU aber ist die ein­zi­ge, die per­so­nell ernst macht. Spit­zen­kan­di­dat Frank Hen­kel tritt zu­rück. Es ist der Ver­such ei­ner Mo­der­ni­sie­rung, weg vom Image des ver­staub­ten La­dens al­ter Her­ren aus dem rei­chen Süd­wes­ten, in dem je­der zu al­ler­erst an sich selbst denkt. Die stell­ver­tre­ten­de Lan­des­vor­sit­zen­de Grüt­ters, ge­bo­ren im nord­rhein-west­fä­li­schen Müns­ter, über­nimmt ih­re neue Auf­ga­be mehr aus Pflicht­be­wusst­sein denn aus Lei­den­schaft. Als Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin hat­te sie die Rol­le ih­res Le­bens ei­gent­lich be­reits ge­fun­den. Jetzt geht sie ein Ri­si­ko ein. Denn läuft es nicht im Lan­des­ver­band, könn­te das auch an ih­rem bis­her ta­del­lo­sen Ruf im Kanz­ler­amt krat­zen. Zu­gleich konn­te die 54-Jäh­ri­ge aber kaum Nein sa­gen. Denn sie ist auf ei­nen gu­ten Lis­ten­platz an­ge­wie­sen, um im kom­men­den Jahr wie­der in den Bun­des­tag ein­zu­zie­hen.

Dass sie es ernst meint mit der Um­krem­pel-Mis­si­on, mach­te Grüt­ters schon vor ih­rer Wahl klar. Der zu­letzt oft­mals laut­stark ge­gen Ko­ali­ti­ons­part­ner pol­tern­de Ge­ne­ral­se­kre­tär Kai Weg­ner muss ge­hen. Statt­des­sen holt sich Grüt­ters den jun­gen Ab­ge­ord­ne­ten Ste­fan Evers an Bord. Der ge­hört wie sie zum li­be­ra­len Flü­gel der Par­tei. Vor al­lem aber ist er jung (37), hat ei­nen gu­ten Draht zu SPD und Grü­nen, könn­te tat­säch­lich für ei­ne neue, mo­der­ne­re Haupt­stadt-CDU ste­hen.

FO­TO: DPA

Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin Mo­ni­ka Grüt­ters steht in der Haupt­stadt-CDU für ei­nen Neu­an­fang.

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