„Den Leu­ten un­ser Wis­sen ver­mit­teln“

Karl-Heinz Fens­ter­le von der Er­tin­ger Afri­ka­grup­pe über die Grün­de, war­um er hilft

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - OBERSCHWABEN UND DONAU -

ER­TIN­GEN - Der Er­tin­ger Karl-Heinz Fens­ter­le ist seit 1978 Mit­glied der Kol­ping­fa­mi­lie. Mit dem En­ga­ge­ment der Mis­si­ons- und Afri­ka­hil­fe, zu der auch die Afri­ka­grup­pe der Kol­ping­fa­mi­lie ge­hört, ist er von Be­ginn an ver­traut. En­de nächs­ten Jah­res reist er wie­der mit der Grup­pe nach Ki­fun­gi­lo in Tan­sa­nia, um die Men­schen dort zu un­ter­stüt­zen. War­um er das macht, hat er SZ-Re­dak­teu­rin Kers­tin Schell­horn im In­ter­view er­klärt. Herr Fens­ter­le, wann wa­ren Sie das ers­te Mal bei ei­nem Ein­satz der Afri­ka­grup­pe da­bei? Ich war beim letz­ten Ein­satz der Afri­ka­grup­pe das ers­te Mal in Ki­fun­gi­lo da­bei. Er dau­er­te vom 28. De­zem­ber 2015 bis zum 13. Ja­nu­ar 2016. Da ich die Afri­ka­hil­fe von An­fang an ken­ne und die Be­rich­te vom Lei­ter der Grup­pe, Richard Neu­brand, sehr be­ein­dru­ckend wa­ren, ging für mich da­mit ein lang ge­heg­ter Wunsch in Er­fül­lung. Was hat Sie da­zu be­wo­gen, mit­zu­ge­hen? Un­se­re Fä­hig­kei­ten und un­ser Wis­sen den afri­ka­ni­schen Mit­ar­bei­tern zu ver­mit­teln, so dass sie künf­tig von dem Er­lern­ten pro­fi­tie­ren, war ein Grund mit­zu­ge­hen. Weil ich über Jah­re hin­weg die Bil­der von den Ar­beits­ein­sät­zen ge­se­hen und die per­sön­li­chen Ein­drü­cke aus ers­ter Hand er­fah­ren ha­be, war für mich schon im­mer klar, dass vor Ort et­was ver­bes­sert wer­den muss. Durch die Me­di­en se­hen die Men­schen un­se­ren Wohl­stand und wer­den da­durch si­cher ver­lei­tet, un­zu­frie­den zu wer­den. Des­halb ist es für mich wich­tig, un­ser Wis­sen den Leu­ten zu ver­mit­teln, da­mit sie sich durch „Hil­fe zur Selbst­hil­fe“ei­nen zu­frie­den­stel­len­den Le­bens­stan­dard er­ar­bei­ten kön­nen. Wel­che Er­fah­run­gen ha­ben Sie in Tan­sa­nia ge­macht? Man konn­te se­hen, dass es gro­ße Un­ter­schie­de in die­sem Land gibt. Es gibt sehr ar­me, tro­cke­ne Land­stri­che, aber auch Reis­fel­der und Ge­bie­te, die sehr frucht­bar sind. Ge­nau­so ver­hält es sich mit dem Wohl­stand der Be­völ­ke­rung. Wäh­rend des Ar­beits­ein­sat­zes in Ki­fun­gi­lo konn­te ich er­fah­ren, dass die Be­völ­ke­rung je­den Qua­drat­me­ter land­wirt­schaft­lich nutzt, um Le­bens­mit­tel für sich und zum Ver­kauf auf dem Markt an­zu­bau­en. Da­durch kann der Le­bens­un­ter­halt ge­si­chert wer­den. Lei­der wird da­bei auf die Bo­den­ero­sio­nen an den Steil­la­gen nicht ge­ach­tet, was sich lang­fris­tig ne­ga­tiv aus­wir­ken wird. Ne­ga­tiv ist auch der star­ke Holz­ver­brauch zum Her­stel­len von ge­brann­ten Lehm­zie­geln. Der Re­gen­wald in den Usam­ba­ra­ber­gen lei­det dar­un­ter sehr. Sehr be­ein­dru­ckend war trotz der teil­wei­sen gro­ßen Ar­mut die Fröh­lich­keit, die Zuf­rie­den­heit der Men­schen und das La­chen der vie­len, vie­len Kin­der. War­um sind Sie beim nächs­ten Ein­satz 2017/2018 wie­der da­bei? Beim nächs­ten Ein­satz wird ein schon seit lan­ger Zeit ge­plan­tes Ob­jekt, ei­ne Werk­statt, er­stellt. In die­ser Werk­statt sol­len Schrei­ner und Elek­tri­ker aus­ge­bil­det wer­den. Wir wer­den die­ses Pro­jekt fi­nan­zi­ell stark un­ter­stüt­zen. Au­ßer­dem wer­den wir die kom­plet­ten Zim­mer­mann- und Dach­de­cker­ar­bei­ten vor Ort aus­füh­ren. So­mit kann ich ei­nen klei­nen Bei­trag zur Hil­fe zur Selbst­hil­fe leis­ten. Wenn man ge­se­hen hat in wel­chen Ver­hält­nis­sen vie­le der Men­schen dort noch le­ben, dann weiß man wie­der, was wich­tig ist im Le­ben. Das täg­li­che Brot und die täg­li­che Sor­ge, dass je­des Fa­mi­li­en­mit­glied ge­nug zu Es­sen hat. Man schaut wie­der mit an­de­ren Au­gen auf un­se­ren Wohl­stand und sieht, wie viel un­wich­ti­ge Din­ge es in un­se­rer Wohl­stands­ge­sell­schaft gibt. Auch we­gen die­ser Er­fah­rung möch­te ich beim nächs­ten Ein­satz mit da­bei sein.

AFRI­KA­GRUP­PE KOL­PING­FA­MI­LIE ER­TIN­GEN FO­TO:

Der nächs­te Ein­satz der Afri­ka­grup­pe steht zwar erst zum Jah­res­en­de 2017 an. Doch die Ar­bei­ter in Ki­fun­gi­lo sind schon jetzt da­bei, den Weg zur Werk­statt zu bau­en.

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