Heik­le Be­sche­run­gen ver­mei­den

Kol­le­gen, Vor­ge­setz­te, Kun­den: Was bei Weih­nachts­ge­schen­ken zu be­ach­ten ist

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SCHWÄBISCHE MÄRKTE - Von Bet­ti­na Le­ve­cke

ich für das gu­te Ge­schäfts­jahr be­dan­ken, ei­nen lie­ben Gruß ver­schi­cken oder ei­ne Bin­dung fürs neue Jahr schaf­fen: Weih­nach­ten und den Jah­res­wech­sel nutzt so man­cher Kun­de, um ein Ge­schenk zu ma­chen. Doch Vor­sicht! Die Ma­gnum-Cham­pa­gner­fla­sche oder die Lo­gen­kar­ten für das Thea­ter kön­nen zu Pro­ble­men füh­ren, so­wohl steu­er­lich als auch recht­lich. „Die Zeit der gro­ßen Ge­schen­ke ist des­halb ei­gent­lich vor­bei“, sagt Ar­beits­rechts­ex­per­tin Nat­ha­lie Obert­hür aus Köln. „Heute gibt es in der Re­gel nur klei­ne Auf­merk­sam­kei­ten, um kei­ne Ri­si­ken ein­zu­ge­hen.“

Das Haupt­pro­blem: Com­p­li­an­ce. Der be­triebs­wirt­schaft­li­che Be­griff um­fasst die Re­geltreue in ei­nem Un­ter­neh­men. „Oft gibt es zum Bei­spiel kla­re Wei­sungs­la­gen an die Mit­ar­bei­ter, ob Ge­schen­ke über­haupt an­ge­nom­men wer­den dür­fen“, sagt Obert­hür. Vie­le Un­ter­neh­men un­ter­sag­ten ih­ren Mit­ar­bei­tern, Ge­schen­ke von Kun­den zu ak­zep­tie­ren. Und wenn es doch er­laubt ist, dann häu­fig nur, wenn es Klei­nig­kei­ten sind, die ma­xi­mal zehn bis 20 Eu­ro kos­ten.

Da­mit soll ver­mie­den wer­den, dass Ar­beit­neh­mer von Kun­den be­ein­flusst wer­den, er­klärt die Ex­per­tin: „Bei ei­nem Ein­käu­fer in ei­nem Un­ter­neh­men könn­ten Ge­schen­ke von be­stimm­ten Kun­den zu In­ter­es­sen­kon­flik­ten füh­ren.“Wer als Ar­beit­neh­mer von ei­nem Kun­den ein Ge­schenk er­hält, soll­te die An­nah­me im Zwei­fel mit sei­nem Ar­beit­ge­ber be­spre­chen, emp­fiehlt Obert­hür. Be­sag­te die haus­in­ter­ne Re­gel, dass Ge­schen­ke ta­bu sind, müs­se so­gar ein Ku­gel­schrei­ber oder No­tiz­block zu­rück­ge­schickt wer­den. Den Ein­druck, ei­nen Vor­teil zu ge­wäh­ren, ver­mei­den Für selbst­stän­di­ge Un­ter­neh­mer ist es ein­fa­cher: Sie dür­fen Ge­schen­ke von Auf­trag­ge­bern ak­zep­tie­ren. „Steu­er­lich be­steht hier ei­ne Frei­gren­ze bis zu zehn Eu­ro – da­nach muss das Ge­schenk als Be­triebs­ein­nah­me auf­ge­führt wer­den“, er­klärt Wolf­gang Wa­w­ro, Steu­er­ex­per­te des Deut­schen Steu­er­be­ra­ter­ver­ban­des in Ber­lin. Auch Ar­beit­ge­ber kön­nen Ge­schen­ke von ih­ren Mit­ar­bei­tern an­neh­men, wenn das Ge­schenk pas­send ist und nicht der Ein­druck ent­steht, dass sie dem­je­ni­gen des­halb ei­nen Vor­teil ge­wäh­ren. Zu be­den­ken gibt es da­bei ei­ni­ge steu­er­recht­li­che Vor­ga­ben, sagt der Ex­per­te: „Das The­ma Ge­schen­ke ist sehr kom­plex und im­mer ab­hän­gig von der je­wei­li­gen Ar­beits­be­zie­hung.“

Bei Un­ter­neh­men gel­te grund­sätz­li­che ei­ne 35-Eu­ro-Gren­ze in­klu­si­ve Um­satz­steu­er, um die Ge­schen­ke als steu­er­lich ab­zugs­fä­hi­ge Be­triebs­aus­ga­ben auf­füh­ren zu kön­nen, er­klärt Wa­w­ro. „Die­se Gren­ze gilt pro Kun­de und Jahr.“Wer zum Bei­spiel ei­nem Kun­den schon zum Ge­burts­tag ei­ne Fla­sche Wein für 25 Eu­ro ge­schenkt hat, kön­ne jetzt an Weih­nach­ten nicht noch ein­mal ei­nen ähn­li­chen Wert drauf­le­gen. „Wenn die Zu­wen­dung über 35 Eu­ro hin­aus­geht, ver­fällt der steu­er­li­che Vor­teil der Be­triebs­aus­ga­be.“Für Ar­beit­neh­mer ei­nes Be­triebs hin­ge­gen gel­te ei­ne Frei­gren­ze von 60 Eu­ro für Sach­zu­wen­dun­gen.

So viel kom­pli­zier­te Rechts- und Steu­er­fra­gen kön­nen ei­nem die Lust ver­der­ben, ein Ge­schenk zu ma­chen. Da­bei sei­en sol­che Auf­merk­sam­kei­ten durch­aus ei­ne net­te Ges­te, sagt die Ver­le­ge­rin und Rat­ge­be­r­au­to­rin Ant­je Hinz. „Mit Ge­schen­ken kann Wert­schät­zung aus­ge­drückt so­wie Bin­dung und Ver­trau­en ver­stärkt wer­den.“Statt ma­te­ri­el­ler Din­ge rü­cke da­bei im­mer mehr die Krea­ti­vi­tät in den Vor­der­grund. Ein re­gio­na­ler Aus­flugs­tipp für die Work-Li­feBa­lan­ce, ein weih­nacht­li­ches Re­zept, ein Ge­dicht oder ein per­sön­li­cher Wunsch zeig­ten, dass der Be­schenk­te ei­nem am Her­zen liegt. (dpa)

FO­TO: KLAUS-DIET­MAR GAB­BERT/DPA

Vie­le Un­ter­neh­men ver­bie­ten ih­ren Mit­ar­bei­tern, Ge­schen­ke von Kun­den an­zu­neh­men. Im Zwei­fel soll­ten Ar­beit­neh­mer des­halb erst Rück­spra­che mit dem Chef hal­ten.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.