Ver­wal­tung er­klärt Bür­gern ih­ren For­de­rungs­ka­ta­log

Nach der De­mons­tra­ti­on von Bür­gern ist für Mon­tag ei­ne Ein­woh­ner­be­fra­gung zur LEA vor­ge­se­hen

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SIGMARINGEN -

SIG­MA­RIN­GEN (chw) - Der Sig­ma­rin­ger Ge­mein­de­rat und Bür­ger­meis­ter Tho­mas Schä­rer la­den al­le Ein­woh­ner der Stadt Sig­ma­rin­gen zur Ein­woh­ner­ver­samm­lung am Mon­tag, 5. De­zem­ber, um 19 Uhr in die Stadt­hal­le Sig­ma­rin­gen ein.

Ge­gen­stand der Ver­samm­lung wird der For­de­rungs­ka­ta­log der Stadt Sig­ma­rin­gen ge­gen­über dem Land Ba­den-Würt­tem­berg zur Kon­zep­ti­on zur Erst­auf­nah­me von Flücht­lin­gen und der ge­plan­ten LEA Sig­ma­rin­gen mit Platz für bis zu 1250 Flücht­lin­ge sein. Die Teil­nah­me ist auf Ein­woh­ner des Stadt­ge­biets Sig­ma­rin­gen be­grenzt.

Im An­schluss an die Ein­woh­ner­ver­samm­lung be­steht die Mög­lich­keit, den For­de­rungs­ka­ta­log per Un­ter­schrift zu un­ter­stüt­zen. Ent­spre­chen­de Un­ter­schrif­ten­lis­ten wer­den aus­ge­legt. Be­reits heute um 11 Uhr gibt es vor dem neu­en Rat­haus ei­ne De­mons­tra­ti­on, mit der die Teil­neh­mer die For­de­run­gen der Stadt un­ter­stüt­zen wol­len.

Die zwölf For­de­run­gen, die dem In­nen­mi­nis­te­ri­um vor­ge­legt wer­den sol­len, sind fol­gen­de:

1.Schlie­ßung der Erst­auf­nah­me­stel­le Sig­ma­rin­gen zum 31. Ju­li 2020. Der­zeit ist ein un­be­fris­te­ter Er­halt der LEA vor­ge­se­hen. Bei ei­nem un­be­fris­te­ten Be­ste­hen wür­den sämt­li­che bis­he­ri­gen Kon­ver­si­ons­an­stren­gun­gen der Stadt (Ge­bäu­de­zu­stands­er­he­bung und Pro­jekt­skiz­zen) un­brauch­bar. Zu den Kos­ten von bis­her rund 100 000 Eu­ro der Stadt wer­den nach ei­ner Be­en­di­gung er­neut Kos­ten in die­ser Grö­ßen­ord­nung ent­ste­hen, um die Ge­bäu­de wie­der zu be­wer­ten. „Es wird auf Dau­er zu ei­ner über­durch­schnitt­li­chen Ab­kehr vom eh­ren­amt­li­chen En­ga­ge­ment kom­men“, glaubt die Stadt­ver­wal­tung.

2.So­for­ti­ge Re­duk­ti­on der Ober­gren­ze auf ma­xi­mal 500 Per­so­nen, un­ab­hän­gig von der Flücht­lings­zu­wan­de­rung. Das In­nen­mi­nis­te­ri­um plant bis­lang mit 1250 Per­so­nen. Ob die­se Ober­gren­ze ver­läss­lich ist , wird vom Mi­nis­te­ri­um nicht ga­ran­tiert. Die Stand­or­te Frei­burg und Karls­ru­he mit über 100 000 Ein­woh­nern und Ell­wan­gen mit über 20 000 Ein­woh­nern sind deut­lich grö­ßer als Sig­ma­rin­gen mit et­wa 16 000 Ein­woh­nern, sol­len je­doch nach der Kon­zep­ti­on des Mi­nis­te­ri­ums als LEA-Stand­ort deut­lich klei­ner sein.

3.Re­duk­ti­on der Erst­auf­nah­me auf ein Drit­tel der bis­her be­nö­tig­ten Flä­che in Zu­sam­men­ar­beit mit der Stadt Sig­ma­rin­gen. Hier wä­re bei gleich­zei­ti­ger Re­du­zie­rung der Be­le­gungs­zah­len ein Ge­winn von Kon­ver­si­ons­flä­che mög­lich. Bis­her sind in der Flä­che von 34 Hekt­ar Ka­pa­zi­tä­ten für bis zu 4000 Flücht­lin­ge vor­ge­hal­ten wor­den. Durch die Ober­gren­ze von 500 Flücht­lin­gen wird sich auch bei ei­ner Aus­deh­nung der in­di­vi­du­el­len Flä­che von 4.5 auf sie­ben Qua­drat­me­ter der Flä­chen­be­darf auf der Ka­ser­ne um zwei Drit­tel re­du­zie­ren. 4. Wei­ter­lei­tung und Zu­wei­sung von Asyl­be­wer­bern mit Ver­fah­rens­ent­schei­dung an die Stadt- und Land­krei­se in­ner­halb von ma­xi­mal sechs Mo­na­ten. Durch Be­schleu­ni­gung der Ver­fah­ren kön­ne man mehr Platz vor­hal­ten.

5.Be­le­gung der LEA Sig­ma­rin­gen nur mit Per­so­nen mit ho­her Blei­be­per­spek­ti­ve, das heißt, ver­mut­li­che An­er­ken­nung als Asyl­be­wer­ber mit Auf­ent­halts­ge­neh­mi­gung.

6.Zu­si­che­rung, die Kos­ten für ka­pa­zi­ta­ti­ve und päd­ago­gi­sche Maß­nah­men als Fol­ge der Erst­auf­nah­me­stel­le, spitz ab­ge­rech­net, zu über­neh­men. Im Fal­le ei­ner er­neu­ten Zu­wei­sung schul­pflich­ti­ger Be­woh­ner der Lan­des­erst­auf­nah­me­ein­rich­tung an die Sig­ma­rin­ger Schu­len ist das Land ver­pflich­tet, nicht nur die not­wen­di­gen Lehr­kräf­te, son­dern auch die Fi­nan­zie­rung der zu­sätz­lich be­nö­ti­gen Rä­um­lich­kei­ten (Con­tai­ner: Kos­ten 30 000 Eu­ro/Jahr) und Schul­aus­stat­tun­gen zu über­neh­men.

7.100 Pro­zent An­rech­nung der in der LEA be­find­li­chen Flücht­lin­ge auf die Auf­nah­me­ver­pflich­tung der Stadt und des Land­krei­ses. Gel­bes Haus und Fürs­ten­hof sind ein­zu­be­zie­hen.

8.Be­rück­sich­ti­gung der Lan­des­erst­auf­nah­me­stel­le bei der per­so­nel­len Aus­stat­tung des Po­li­zei­prä­si­di­ums Kon­stanz, Po­li­zei­re­viers Sig­ma­rin­gen, das heißt, ei­ne zu­sätz­li­che Di­enst­stel­le für die Flücht­lings­un­ter­kunft.

9.Die Kon­ver­si­ons­an­stren­gun­gen auf dem ehe­ma­li­gen Ka­ser­nen­ge­län­de nicht be­hin­dern.

10.Ver­bind­li­che Zu­sa­ge der Lan­des­re­gie­rung – im Fal­le ei­ner po­si­ti­ven Eva­lua­ti­on des Neu­baus der Zoll­schu­le, Au­ßen­stel­le Sig­ma­rin­gen, auf dem Ge­län­de der ehe­ma­li­gen Graf-St­auf­fen­berg-Ka­ser­ne (GSK) – die ent­spre­chen­den Flä­chen der Erst­auf­nah­me­stel­le Sig­ma­rin­gen frei­zu­ge­ben. Die Zoll­schu­le denkt über ei­nen Neu­bau auf dem Ka­ser­nen­ge­län­de nach.

11.Schrift­li­cher Ver­trag über al­le zwi­schen der Stadt Sig­ma­rin­gen, dem Land­kreis und dem Land Ba­den-Würt­tem­berg ge­trof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen. Ein­for­der­ba­re Ab­ma­chun­gen zwi­schen Land und Stadt.

12.Fi­nan­zie­rung der not­wen­di­gen, zu­sätz­li­chen Stel­len, zum Bei­spiel von So­zi­al­ar­bei­tern.

FO­TO: FXH

Der­zeit ist die Be­le­gung der ehe­ma­li­gen Graf-St­auf­fen­berg-Ka­ser­ne über­schau­bar, es könn­ten aber auch wie­der mehr Flücht­lin­ge kom­men.

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