De­mons­tran­ten for­dern Mit­spra­che

Bür­ger un­ter­stüt­zen den For­de­rungs­ka­ta­log der Stadt und ge­hen auf die Stra­ße.

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von Chris­toph War­ten­berg

SIGMARINGEN - Ge­gen die „haar­sträu­ben­de Un­ge­rech­tig­keit“ha­ben nach An­ga­ben der Po­li­zei gut 100 De­mons­tran­ten am Sams­tag­vor­mit­tag we­gen der Plä­ne der Lan­des­re­gie­rung pro­tes­tiert, in der ehe­ma­li­gen Graf-St­auf­fen­berg-Ka­ser­ne ei­ne dau­er­haf­te Lan­des­erst­auf­nah­me­stel­le (LEA) für Flücht­lin­ge ein­zu­rich­ten. Nach­dem be­kannt ge­wor­den war, dass Sigmaringen ne­ben drei wei­te­ren Ge­mein­den, die eben­falls Flücht­li­che auf­neh­men sol­len (ei­ne pro Re­gie­rungs­be­zirk), als ein­zi­ge bis zu 1250 Men­schen auf­neh­men soll, mach­te sich in der Stadt Em­pö­rung breit. Heu­te will die Stadt­ver­wal­tung bei ei­ner Ein­woh­ner­ver­samm­lung ei­nen For­de­rungs­ka­ta­log an die Lan­des­re­gie­rung vor­stel­len.

Ei­ne schnell von sechs Bür­gern ge­grün­de­te Initia­ti­ve will, un­ter an­de­rem mit die­ser De­mons­tra­ti­on, die Stadt­ver­wal­tung un­ter­stüt­zen. Wie schon in der „Schwä­bi­schen Zei­tung“ver­kün­det, wol­le man kei­ne Platt­form für Ras­sis­mus oder aus­län­der­feind­li­che Pa­ro­len bie­ten, be­ton­te Ste­fa­nie Ull­rich-Co­lai­a­co­mo, ei­ne der Initia­to­rin­nen. Zu­sam­men mit ih­rer Kol­le­gin Ani­ka Schae­fer hat­te sie das al­lei­ni­ge Re­de­recht bei die­ser Ver­samm­lung, ver­stand sich aber als Sprach­rohr vie­ler Bür­ger. „Wir wol­len un­ser Grund­recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung in An­spruch neh­men“, sag­te Schae­fer. Nach ei­ner Kund­ge­bung folg­te ein Zug durch die In­nen­stadt, be­glei­tet von Pla­ka­ten mit Auf­schrif­ten wie „Wir wol­len ge­hört wer­den“oder „Herr Kret­sch­mann, Herr Strobl! Es reicht! Am En­de konn­ten sich die Bür­ger in Un­ter­stüt­zungs­lis­ten ein­tra­gen. Die meis­ten Flücht­lin­ge Der Um­stand, dass Sigmaringen ne­ben Karls­ru­he, Frei­burg und Ell­wan­gen, Städ­te, die al­le deut­lich grö­ßer sind, die meis­ten Flücht­lin­ge auf­neh­men soll und dies auch noch oh­ne wirk­li­che zeit­li­che und zah­len­mä­ßi­ge Be­gren­zung, be­un­ru­higt über vie­le Par­tei- und An­sichts­gren­zen hin­weg die Be­völ­ke­rung, zu­mal ja auch noch die Be­woh­ner des Gel­ben Hau­ses und der Ge­bäu­de in der Zep­pe­lin­stra­ße zur Flücht­lings­zahl hin­zu­ge­rech­net wer­den müs­sen.

Die De­mons­tran­ten äu­ßer­ten die Be­fürch­tung, dass bei ei­ner dau­er­haf­ten Auf­nah­me von Flücht­lin­gen Fir­men da­von Ab­stand näh­men, sich in Sigmaringen an­zu­sie­deln und ge­ne­rell wirt­schaft­li­che Nach­tei­le ent­ste­hen könn­ten. So se­hen sie die Kon­ver­si­on der Bun­des­wehr-Lie­gen­schaf­ten ge­fähr­det, glau­ben, dass der ge­plan­te In­no-Cam­pus zum Miss­er­folg wer­den könn­te. Die Initia­ti­ve fühlt sich von brei­ter Zu­stim­mung ge­tra­gen. Und wenn Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann be­haup­te, er se­he in sei­ner Hei­mat­stadt kei­ne Pro­ble­me mit Flücht­lin­gen, dann ha­be er wohl nicht rich­tig hin­ge­hört. „Wir kön­nen al­les, auch Pro­test“, hieß es in An­leh­nung an das Lan­des­mot­to.

„Ich emp­fin­de das al­les als Ar­muts­zeug­nis“, sagt Jut­ta Wolf, die die Ak­ti­on „Sigmaringen ist bunt“ge­grün­det hat, und im Üb­ri­gen durch­aus Ver­ständ­nis für man­che Sor­gen der Bür­ger hat. „Aber ich ver­ste­he auch nicht, war­um die Bür­ger­initia­ti­ve hier jetzt wirt­schaft­li­che Grün­de gel­tend macht, und das durch Leu­te, die seit 18 Mo­na­ten mit bös­ar­ti­gen Le­ser­brie­fen ge­gen Flücht­lin­ge Stim­mung ma­chen“, sagt Wolf. Ei­nen wirt­schaft­li­chen Scha­den durch Flücht­lin­ge kön­ne sie nicht er­ken­nen.

FO­TO: THW

FO­TOS: THO­MAS WARNACK

Ste­fa­nie Ull­rich-Co­lai­a­co­mo (links) und Ani­ka Schae­fer de­mons­trie­ren vor dem Rat­haus. An­schlie­ßend gibt es ei­nen Pro­test­marsch durch die Stadt.

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